Splashdiving Cup in Sindelfingen Hinab, hinab, ins große Blaue!
Splashdiving sagt der Sportler, „Arschbombe“ der Volksmund – Im Sindelfinger Freibad zeigen 62 Athleten aus Nah und Fern höchst akrobatisch, wie das geht.
Splashdiving sagt der Sportler, „Arschbombe“ der Volksmund – Im Sindelfinger Freibad zeigen 62 Athleten aus Nah und Fern höchst akrobatisch, wie das geht.
Die Ankunft auf dem Wasser ist nicht sanft – das gehört dazu. Splashdiving ist eine Sportart, die man auch unter einem anderen Namen kennt: Arschbombe sagt der deutsche Volksmund zu ihr. Es geht es darum, spektakulär aufs Wasser zu knallen – und genau das passiert am Samstag und am Sonntag im Sindelfinger Freibad. Dort lädt die Splashdiving Crew Sindelfingen zum Wettbewerb ein – und Sportler, die den knalligen Auftritt beherrschen, kommen von überallher.
„Wir haben 62 Athleten aus drei Nationen hier“, sagt Christian Carli, der Gründer, Cheftrainer und Organisator des Events. Arschbomben-Enthusiasten aus Halle, Bremen, Graz, Bern oder Linz reisten an, um dabei zu sein. Die Sindelfinger Splashdiving Crew hat rund 40 Mitglieder, besteht seit dem 6. Juni 2016 und richtete seither acht Mal einen Wettbewerb aus, bis 2022 auch die Weltmeisterschaft im Splashdiving. Aktuell firmiert der Wettbewerb als Cup.
Christian Carli stammt aus Filderstadt – wenige Bäder im Umkreis, sagt er, böten bessere technische Voraussetzungen als das Sindelfinger, aber hier käme noch die gute Anbindung hinzu: „Viele haben hier nur eine kurze Anreise.“
Ein großes Publikum haben sie an diesem Wochenende nicht. Im Bad trifft man fast nur Sportler an, die sich beteiligen oder an der Organisation des Wettbewerbs beteiligt sind. Das ist nicht immer so: „In einem heißen Sommer mit 30 Grad über Wochen waren auch schon einmal 1500 Leute da.“
Beim Splashdiving gibt es 13 genau definierte Landungen. Eine von ihnen muss der Springer zeigen – den Klassiker: „das Brett“, das „offene Brett“, den „Anker“ den „Potatoe“ oder den „Cannonball“ zum Beispiel. „Was der einzelne Athlet an Schrauben, Styles oder Saltos präsentieren möchte, das liegt ganz an ihm.“
Die Sprünge folgen schnell aufeinander. Strahlendblau hängt der Himmel überm Zehnmeterturm, ein Springer streckt sich, lässt sich von einem Trainer seitwärts vom Brett stoßen, fliegt durch die Luft, rollt sich zusammen, streckt sich, dreht sich, fällt und schlägt ins Wasser – „Hui!“ ruft es vom Beckenrand. „Das ist so unglaublich!“
Gesprungen wird vom Zehnmeterturm, vom Dreier, vom Einer. Es gibt Sprünge, bei denen der beste Klatscher zählt, und solche, bei denen es um den „besten Trick“ geht. Ganz zuletzt, am Sonntag, stehen die Synchronsprünge auf dem Programm: Zwei Springer führen gleichzeitig den exakt gleichen Sprung mit derselben Landung aus. Eine Jury schaut allzeit kritisch zu und vergibt Punkte.
Florian Grothe kommt aus Denkendorf bei Esslingen, ist 14 und verrät: „Es ist die Flugzeit, die am meisten Spaß macht.“ Er liegt auf Platz eins beim Splashdiving vom Fünfmeterturm in der Klasse U 16 und beim „Trampdiving“, bei dem ein kleines Trampolin auf dem Sprungturm zum Einsatz kommt. Tobias Pichler aus Österreich macht in der Kategorie „Best Trick“ den ersten Platz. Christian Guth, ein Weltmeister vor vielen Jahren schon, ist in Sindelfingen der Beste beim Zehnmeter-Splashdiving, macht 30 Punkte: „Besser geht es nicht!“ Justus Röhr, Mitglied in Sindelfingen, liegt vorne beim „Belly-Flop“ vom Einser.
Thomas Wunderlich kommt aus Konstanz, nahm schon einmal teil am Sindelfinger Wettbewerb, auch an einer Weltmeisterschaft, sieht nun aber gelassen zu und wartet auf den Samstagabend. Dann nämlich gibt es ein Event, das nur zum Vergnügen stattfindet: Dann springen die Sportler vom Kran, der noch höher ist als der Zehner. 30 Meter!„Ich mache sonst eher Klippenspringen“, sagt Thomas Wunderlich. Angst, aus so großer Höhe am Becken vorbeizuspringen, hat er nicht: „Immer ins große Blaue!“, sagt er.