Fitness im Leonberger Stadtpark unter Anleitung: Seit mehr als zwei Jahren treffen sich Sportfans zum gemeinsamen Stärken der Muskeln und des Immunsystems. Foto: Andreas Gorr
Zwischen Polizei, Gemeinderat und Stadtpark: Nicolay Hess bietet seit mehr als zwei Jahren eine Alternative zum Training im Fitness-Studio an – dafür investiert er einiges.
Neugierige Blicke verfolgen die kleine Gruppe um Nicolay Hess im Leonberger Stadtgarten, auch vier Gänse beäugen die Menschengruppe und vergessen dabei sogar für einige Sekunden das Grasen. Zwei Personen hängen schräg in den Seilen, die am Klettergerüst festgemacht sind und trainieren ihren Bizeps. Eine andere wirft einen sieben Kilogramm schweren Ball über den Kopf an den Kletterpfosten, fängt ihn auf, geht in die Hocke und wiederholt die anstrengende Prozedur.
„Ich habe was gebraucht, Sport in der Gruppe“, sagt Alexandra, „aber ins Fitness-Studio wollte ich nicht. Draußen ist besser als drinnen.“ Da ist die 32-Jährige goldrichtig bei Outdoor Athletics, einer freien Trainingsgruppe, die der Leonberger Nicolay Hess im Herbst 2023 gegründet hat.
Sport ist Lebensinhalt von Nicolay Hess
„Ich habe damals die Outdoor-Anlage entdeckt“, erzählt der 40-Jährige, der sein Geld als Polizei-Beamter in Stuttgart verdient, „und dachte: Da will ich ein Sportangebot installieren.“ Nicolay Hess begann mit Werbung in den Sozialen Medien, legte Flyer in Geschäften aus und setzte auf das Instrument der Mund-zu-Mund-Propaganda – Kontakte hat der Mann in der Gegend genug, schließlich ist er als Leonberger Gemeinderatsmitglied für die FDP bestens vernetzt, auch über die Kommunalpolitik hinaus.
Übungsleiter mit Stern: Nicolay Hess kennt sich im Fitness- und Trainingsbereich hervorragend aus Foto: Andreas Gorr
Manu zählt schon seit zwei Jahren zur Outdoor-Athletics-Gruppe, der 39-Jährige ist ein Schulfreund von Nicolay Hess, und erfuhr von ihm beim Weinfest in Renningen von dem Angebot. Früher war Manu Kick-Boxer, bis sein Knie sich meldete und signalisierte: „Ich kann nicht mehr.“ Nun pendelt Manu zwischen Studio und Stadtpark, wenn er seinen Körper trimmt. Zu jeder Jahreszeit, bei jedem Wetter. „Solange nicht alles wegschwimmt, bin ich dabei“, betont er, „das härtet ab.“ Und Alexandra pflichtet ihm umgehend bei. „Draußen-Sport ist gut fürs Immunsystem“, sagt sie, „früher war ich oft erkältet, das kommt heute viel seltener vor.“
Bei den Übungen geht es sowohl um Kräftigung als auch um Ausdauer. Foto: Andreas Gorr
An diesem Tag macht das Üben doppelt Spaß bei Sonne satt und 20 Grad. Seit der Premiere vor zweieinhalb Jahren ist die Gruppe, die sich mittwochs (18 Uhr) und sonntags (13 Uhr) trifft, auf 16 Personen angewachsen, die aber nicht stets alle anwesend sind. Meist sporteln zwischen fünf und zehn Fitness-Freunde. Man kann Einzeltickets im Internet kaufen (20 Euro), eine Zehnerkarte (120 Euro) oder eine Zwanzigerkarte (200 Euro). „Jeder kommt, wie es ihm in den persönlichen Terminplan passt“, erläutert Nicolay Hess, der sich aber nicht als Personal Trainer versteht. Er betreut nicht jeden Einzelnen individuell, gibt aber immer wieder Tipps und korrigiert eine Übungsausführung, wenn die Körperhaltung nicht stimmt.
Sein Wissen über Sport und Körper hat er aus seinem Beruf mit eingebracht. Der 40-Jährige mit einem definierten Körper unterm hautengen Trainings-Shirt ist bei der Polizei als Einsatz- und Sportlehrer für die Fitness der Kollegen zuständig, darüber hinaus hat er sich in verschiedenen Kursen zusätzliches Know-how verschafft; er ist Krav-Maga-Instruktor, BodyCross- und StrongFirst-Trainer. „Diese Kurse sind anspruchsvoll“, unterstreicht Hess, „die Durchfallquoten liegen zwischen 30 und 40 Prozent. Das Zertifikat muss man sich wirklich verdienen.“
Der Ball wiegt sieben Kilogramm – was einfach aussieht, kann auf die Dauer ganz schön schlauchen. Foto: Andreas Gorr
Das gilt ebenfalls für die verschiedenen Geräte und Hilfsmittel, die sich der Sportenthusiast in Beruf und Freizeit angeschafft hat, um ein umfassendes Trainingsangebot für Athletik, Kraft und Ausdauer sowie funktionelle Work-outs anbieten zu können – Kettlebells, dicke Taue, Trainingsbälle, Elastikbänder und Schlaufen gehören zum Repertoire, das einige 1000 Euro in der Anschaffung gekostet hat und zu Hause in der Garage lagert. Das heißt, zu jedem Training muss Nicolay Hess je nach Programm die Utensilien zusammenpacken und per Bollerwagen vom Parkplatz mühsam in den Stadtgarten ziehen. „Eine Sportbox wie sie in Warmbronn existiert, wäre enorm hilfreich“, sagt der Sportcoach, „die könnten neben mir ja auch andere noch nutzen.“
Eine Sportbox wäre hilfreich
Nicolay Hess wird seine Sportgeräte mindestens noch eine ganze Weile in den Leonberger Stadtpark schleppen müssen – aber vielleicht ist das ja auch gar kein schlechtes Programm für einen Fitness-Trainer, um vor den Übungen mit den Schützlingen ein klein wenig die Muskeln vorzuwärmen.