Sport im Vatikan Großer Fußballfan vor dem Herrn

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Der Vatikan bekommt einen eigenen Sportverband – mit dem Segen von Papst Franziskus, der ein leidenschaftlicher Anhänger des argentinischen Spitzenclubs San Lorenzo ist.

Franziskus –  Papst mit viel Ballgefühl Foto: AP
Franziskus – Papst mit viel Ballgefühl Foto: AP

Vatikanstadt - Wenn an diesem Donnerstag im Vatikan der erste Sportverband feierlich ins Leben gerufen wird, dann ist das ganz im Sinne des Papstes. Gilt doch Franziskus als großer Freund des Sports. Zum Präsidenten von Athletica Vaticana wird in der Gründungszeremonie allerdings nicht er, sondern Bischof Melchor Sanchez de Toca Almeda ernannt. Der sehr fit wirkende 52 Jahre alte spanische Geistliche ist nun Chef aller Sportler im Kirchenstaat, in dem wie auch im den Vatikan umschließenden Rom der Fußball die Hauptrolle spielt.

Schon seit 2009 wird im Vatikan der Clericus-Cup organisiert, der alljährlich im Mai stattfindet und an dem neben Absolventen verschiedener Priesterseminare auch Wachen aus der Schweizer Garde teilnehmen. Amtierender Titelträger ist übrigens die Mannschaft vom päpstlichen Nordamerika-Kollegium.

Neben den Fußballern ist der neue Sportverband des Vatikans aber auch für die Cricketspieler des St. Peters Club und eine Leichtathletik-Gruppe verantwortlich. Die Dachorganisation Athletica Vaticana, die vom Olympischen Komitee Italiens Starthilfe bekommt, will noch weitere Sportarten mit offenen Armen empfangen.

Aus dem Zwergstaat wird wohl kein Sportgigant mehr

Zunächst gilt es aber die Rahmenbedingungen für die Fußballer zu verbessern. Gibt es im Vatikan noch kein angemessenes Spielfeld, das dem internationalen Regelwerk entspricht. Was auf einer Staatsfläche von 0,44 Quadratkilometern gar nicht so leicht anzulegen ist. Weshalb der Vatikan auch noch nicht als Mitgliedsland vom Weltfußballverband Fifa aufgenommen werden konnte. Es dürfte bei derzeit rund 1000 Vatikan-Einwohnern auch sehr schwer werden, ein schlagkräftiges Team zusammenzustellen. Erschwerend hinzu kommt, dass hier die Staatsbürgerschaft immer nur auf Zeit vergeben wird und in den meisten Fällen auch noch an eine Funktion gebunden ist. Trotz der neu geschaffenen Verbandsstruktur wird der Zwergstaat unter diese Voraussetzungen wohl kein Sportgigant mehr.

Franziskus wird die sportliche Entwicklung dennoch interessiert verfolgen. Aber vermutlich nicht mit der Leidenschaft, die er seinem Lieblingsfußballverein entgegenbringt. Der Papst ist bekennender Fan von Atletico San Lorenzo de Almagro aus seiner Heimatstadt Buenos Aires. Der Erstligist, 1908 im Stadtteil Almagro gegründet, hat schließlich auch einen kirchlichen Bezug. Zu Ehren des Priesters Lorenzo Massa, der den Fußballern gestattet hatte, im Hinterhof seiner Kirche Spiele auszutragen und so zum Vereinsgründer wurde, trägt der argentinische Spitzenclub den San Lorenzo im Namen. Papst Franziskus ist Mitglied Nummer 88 235 und zahlt als großer Fußballfan vor dem Herrn zuverlässig seinen Jahresbeitrag.

In seiner Kindheit und Jugend war Jorge Mario Bergoglio, wie der Papst mit bürgerlichem Namen heißt, selbst ein leidenschaftlicher Kicker. Sein Schulfreund Nestor Carabajo hat der „Münchner Kirchzeitung“ unlängst berichtet, dass der Papst zwar kein großer Techniker gewesen sei, dafür aber ein begnadeter Theoretiker, der die Bolzplatz-Mannschaft immer sehr gut auf- und taktisch eingestellt hätte.