Sport in Esslingen Bewohner kämpfen um ihren Treffpunkt

Im nächsten Jahr wird die Gaststätte des SV 1845  in der Pliensauvorstadt abgerissen. Foto: Horst Rudel 4 Bilder
Im nächsten Jahr wird die Gaststätte des SV 1845 in der Pliensauvorstadt abgerissen. Foto: Horst Rudel

Der Beschluss, die Sportplätze des ehemaligen VfL Post in der Esslinger Pliensauvorstadt zu bebauen, ist gefasst. Auch die angrenzende Gaststätte des SV 1845 Esslingen soll abgerissen werden. Für viele Bürger ist das ein herber Verlust.

Esslingen: Ulrich Stolte (uls)
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Esslingen - In zwei Jahren ist Theodora Agathangelidou arbeitslos. Sie betreibt zusammen mit ihrem Mann Dimitrios und ihren Kindern die Gaststätte des SV 1845 in der Weilstraße in der Esslinger Pliensauvorstadt. Die Gaststätte ist ein Teil der zwei Sportanlagen des SV 1845. Das angrenzende Gelände des ehemaligen VfL Post gehört der Stadt, die es dem Verein in Erbpacht übergeben hat. Die zweite Sportanlage des SV 1845 liegt in Esslingen-Weil auf einer großen Fläche, auf der auch das Eberhard-Bauer-Stadion steht.

Im nächsten Jahr soll die Wirtschaft abgerissen werden

2019 soll die Gaststätte in der Pliensauvorstadt abgerissen werden. Dann werden die angrenzenden Sportplätze des ehemaligen VfL Post mit 150 Wohneinheiten bebaut. Für viele Bewohner des Stadtteils ist das ein schwerer Verlust. Deswegen hat Gabriele Conrad, eine Nachbarin des Sportgeländes, eine Bürgerinitiative gegen die Bebauung organisiert. Das Restaurant sei der Treffpunkt für viele Vereine wie den Dart-Club, den Motorrad-Club oder den Skatklub. Zudem sei die Gaststätte ein wichtiger sozialer Treffpunkt im Stadtteil. „Es gibt in der Vorstadt kaum mehr Lokale, wo man mit Kindern hin kann“, sagt ihre Mitstreiterin Ursula Hannemann. Die Kinder können hier auf dem Bolzplatz kicken und die Eltern sitzen im Biergarten und behalten sie im Auge.

Den Protest gegen die Bebauung tragen viele Bürger der Vorstadt mit. Der Initiative ist es gelungen, mehr als 2000 Unterschriften im 6500 Einwohner starken Stadtteil zu sammeln. Das heißt, jeder dritte Vorstädter ist gegen die Bebauung der Sportplätze. Die Initiative führt noch weitere Argumente gegen die Bebauung auf. Die neuen Bürger würden die Vorstadt mit noch mehr Autoverkehr belasten, der Sportplatz sei der letzte große Grünzug in der Vorstadt. Und der Weg in den Sportpark Weil mit rund 900 Metern Entfernung sei gerade für den Fußball-Nachwuchs zu lang.

900 Meter seien zu viel, sagt die Initiative

Denn es ist nicht so, dass die Stadt Esslingen keinen Ersatz leisten würde. Noch vor Weihnachten hat die Stadt beschlossen, das Gelände rund um das Eberhard-Bauer-Stadion zum Sportpark Weil umzubauen. Der Sportpark wird mit einem Kunstrasenfeld aufgewertet und mit Sportflächen, die allen Bürgern offen stehen, nicht nur den Vereinsmitgliedern. Doch mit der Ersatzplanung ist die Initiative nicht zufrieden. Die Plätze im Sportpark Weil würden nicht ausreichen, sagt Gabriele Conrad, außerdem müssten die Kinder, die dort trainierten, knapp einen Kilometer mehr Wegstrecke zurücklegen.

Margot Kemmler ist die Vorsitzende des SV 1845 Esslingen. Sie hat als CDU-Stadträtin die Planung mitgetragen, auch wenn es ihr im „Herzen leid täte“, wenn der Verein den Sportplatz in der Vorstadt aufgeben müsste zugunsten des Eberhard-Bauer-Stadions und des zukünftigen Sportparks Weil. Sie denkt aber strategisch in die Zukunft und macht keinen Hehl daraus, dass der Verein auf Dauer keine zwei Sportanlagen tragen könne. Auch würden in der Vorstadt nur noch die Jugendabteilungen trainieren, und das seien etwa 140 Kinder, die auch im neuen Sportpark Weil gut einen Platz fänden. Natürlich sei der Weg länger, aber bereits jetzt würden die Kinder in den Wintermonaten in der Sporthalle Weil trainieren, und „da kommen sie ja jetzt auch schon hin“, sagt Margot Kemmler.

Die Gegenargumente der Vereinsvorsitzenden Margot Kemmler sind der Bürgerinitiative kein Trost. Sie werden ihre Wirtschaft am Kreisverkehr vermissen, in dem sie ihre Familienfeiern abhielten oder sich einfach trafen. Obwohl die Entscheidung im Gemeinderat längst gefallen ist, wollen sie den Widerstand gegen die 150 Wohneinheiten nicht aufgeben. Ein kleiner Trost bleibt: Wenn die Gaststätte abgerissen sein wird, soll auf der Fläche als Ersatz für die Kinder ein Bolzplatz gebaut werden sowie eine Bewegungsfläche für den Schulsport.




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