Sport in Stuttgart Kugelstoßen mitten in der Stadt – der Marktplatz wird zum Stadion

Im Juni kommen sie wieder: Yemisi Ogunleye und Niko Kappel. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Die Leichtathleten feiern Geburtstag mitten in der Stadt. Und bitten Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye und Weltmeister Niko Kappel zum Wettkampf.

Im Rathaus wartet man auf große Würfe vergebens. Doch vor der Haustüre sind demnächst weite Stöße zu sehen. Der Württembergische Leichtathletikverband WLV feiert am 21. Juni seinen 75. Geburtstag. Mit einem Festival auf dem Marktplatz, diversen Läufen und einem hochkarätig besetzten Wettkampf im Kugelstoßen.

 

Ihre angestammte Heimstatt in Bad Cannstatt haben die Leichtathleten ja vor 17 Jahren mit dem Umbau des Neckarstadions verloren. Und das als Ersatz gedachte Stadion Festwiese gibt es bisher nur in einem Gemeinderatsbeschluss. Doch weil Papier geduldig ist, braucht es eben Ideen. Und wenn man erfolgreiche Kugelstoßer im Bundesstützpunkt und im Bundesland hat, liegt es nahe, die auch mal zu zeigen und mit denen unter die Leute zu gehen.

Mangels Stadion geht es auf den Marktplatz

In Neu Delhi: Niko Kappel wird Weltmeister. Foto: imago/Beautiful Sports

Also werden Olympiasiegerin Yemisi Ogunleye (MTG Mannheim) und Weltmeister Niko Kappel (VfB Stuttgart) am Sonntag, 21. Juni, in einem eigens auf dem Marktplatz aufgebauten Kugelstoßring samt Tribüne für knapp 500 Leute antreten. Spaß soll es machen, Party ist auch gewünscht, aber es ist vor allem ein internationaler inklusiver Wettkampf, der alle Regularien und Anforderungen erfüllt. Es geht um Punkte für die Weltrangliste – und falls Rekorde fallen, zählen sie. „20 Zentimeter mehr“ mache diese spezielle Atmosphäre aus, sagt Kappel. Auch Ogunleye schwärmt von dem Format, das es dem Publikum erlaube, so nahe am Wettkampf zu sein. Wer sonst noch antritt? Das wird sich zeigen. Sicherlich auch die anderen hiesigen Athleten wie die bereits hochdekorierten Tizian Lauria und Eric Maihöfer sowie Kelson de Carvalho und Nina Ndubuisi. Zu gerne hätte Kappel auch seinen Dauerrivalen Bobirjon Omonov dabei. Angefragt wird er. Mal schauen, ob er Zeit hat.

Ob der Wettkampf denn auch als Blaupause für die Finals 2027 dient? Die diversen Meisterschaften deutscher Sportverbände finden ja nächstes Jahr in Stuttgart statt. Welche Sportarten dabei sind, ist noch nicht klar. Die Leichtathletik wird es schon mal nicht sein mangels Spielstätte. Doch einzelne Disziplinen sehr wohl. Und wenn das Kugelstoßen funktioniert, hätten der WLV und die Stadt gute Argumente für das Auslagern einzelner Disziplinen nach Stuttgart. WLV-Präsident Dieter Schneider: „Da werden wir auf jeden Fall daran arbeiten.“

Doch zunächst einmal kommt der 21. Juni. Und da wird nicht nur gestoßen, sondern auch gerannt. „Wir wollen möglichst viele Leute bewegen“, sagt Schneider. Es gibt Mitmach-Angebote für alle, Läufe für Jung und Alte, trainiert und untrainiert. Die Distanz ist dabei vor allem die Meile, 1,6 Kilometer. Eine ganz klassische Laufstrecke.

Holte Gold in Paris: Yemisi Ogunleye Foto: dpa

Mit der Mittelstrecke haben es Kappel und Ogunleye eher nicht so. Ihr natürliches Habitat ist der Ring. Und damit es dort noch etwas spannender wird, hat Kappel einen weiteren Anreiz geschaffen. „Wenn Yemisi 20,50 Meter stößt, kaufe ich ihr ein neues Handy.“ Hat er gesagt, unter Zeugen. Ob er sich das gut überlegt hat?

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