Vor rund zwei Jahren ist der Vaihinger Fitnessclub Sport-Insel bis auf die Grundmauern abgebrannt. Die Sporthalle soll zwar wieder aufgebaut werden. Doch dafür ist ein neuer Bebauungsplan nötig – und der dauert seine Zeit.

Bad Cannstatt: Rebecca Stahlberg (res)

Vaihingen - Hin und wieder geht Maike Etschmann beim Spazierengehen mit ihrem kleinen Sohn an der Heßbrühlstraße vorbei und wirft einen Blick auf die Brache, wo einst der Fitnessclub Sport-Insel stand. „Es ist immer komisch, wenn man dort ist“, sagt die 30-Jährige. „Ich habe genau vor Augen, wo alles war, sehe die Rosenbüsche, die meine Mutter gepflegt hat.“ Ihrer Mutter Astrid Etschmann geht es nicht anders. Vor Ort zu sein, ruft auch bei ihr viele Erinnerungen hervor. „Es war unser Lebensmittelpunkt“, sagt die 62-Jährige.

Dieser Lebensmittelpunkt ist im Oktober 2013 bis auf die Grundmauern abgebrannt – ein technischer Defekt hat den Brand ausgelöst. Ein Schock für die Betreiberfamilie Etschmann. Die nächste Hiobsbotschaft folgte kurz danach. Laut geltendem Bebauungsplan war ein Wiederaufbau der Sporthalle nicht möglich. Nach einigem Hin und Her beschloss der Gemeinderat dann schließlich im Herbst 2014 doch noch, dass ein neuer, vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden soll. Solch ein Verfahren braucht aber seine Zeit, und daher befinden sich die Etschmanns momentan in Wartestellung.

Ein Bebauungsplanverfahren dauert drei Jahre

„Man wird immer wieder überrascht, wie schnell die Zeit vergeht und wie lange alles dauert“, sagt Maike Etschmann. Es seien nun schon fast zwei Jahre vergangen seit dem Brand. Bis gebaut werden kann, werden weitere Jahre vergehen. Üblicherweise rechnet man bei der Aufstellung eines neuen Bebauungsplanes mit drei Jahren Dauer. Derzeit sei der Architekt damit beschäftigt, die Pläne detaillierter auszuarbeiten. Nach der Sommerpause sollen diese eingereicht werden, berichtet Astrid Etschmann. „Das ist unser neuester Stand.“ Da die Familie nicht Eigentümer beziehungsweise Erbpachtberechtigter sei, könne man „nur dasitzen und warten. Wir haben keinen Einfluss“.

Die neue Sport-Insel soll von der Grundfläche her kleiner werden und dafür etwas mehr in die Höhe gehen. Sie wird ein Flachdach anstatt eines Satteldachs haben. Die Bauarbeiten selbst werden wohl nur wenige Monate dauern – die Mühlen der Bürokratie sind es, die so viel Zeit verschlingen. Vor dem Brand war geplant, dass das Ehepaar Etschmann sich zurückzieht und die Kinder das Geschäft übernehmen. „Das ist weiterhin der Plan“, sagt Maike Etschmann. „Nur eben ein wenig später.“ Derzeit kümmert sich die 30-Jährige voll und ganz um ihren Sohn. Ihr Bruder Pirmin musste sich umorientieren. Der 27-Jährige hat sein Studium abgeschlossen und tritt zum 1. Oktober eine Stelle als Wirtschaftsingenieur an. „Er konnte nicht warten“, sagt Astrid Etschmann. Denn auch er hat Familie, eine kleine Tochter. Sobald es mit der Sport-Insel weitergehe, werde er sie aber im Betrieb unterstützen.

Die ehemaligen Mitglieder wollen die Treue halten

Auch von den ehemaligen Clubmitgliedern erfährt die Familie Unterstützung. „Viele fragen immer wieder nach und sagen, sie vermissen uns“, erzählt Maike Etschmann. „Es war eben eine sehr persönliche, familiäre Atmosphäre“, fügt Astrid Etschmann hinzu. Der Squashverein Sport-Insel Stuttgart ist nach dem Brand in Böblingen untergekommen. Zum Neustart will der Verein wieder zurückkehren. Gleiches gilt für viele ehemalige Mitarbeiter. Das freut Mutter und Tochter Etschmann besonders. „Für die meisten war die Sport-Insel wie ein Zuhause“, sagt Maike Etschmann. Die vielen Nachfragen bestärkten sie darin, nicht aufzugeben.

Das Ziel der Familie ist es, trotz der schwierigen Situation nach vorne zu schauen. Auch wenn es für viele so aussehe, als ob derzeit nichts geschehe, sei dies nicht der Fall, erklärt Astrid Etschmann. „Wir sitzen in den Startlöchern. Doch momentan können wir selbst leider nichts vorantreiben“, sagt die 62-Jährige. Das aufgezwungene Warten sei jedoch kein Grund, in Trauer zu verfallen. „Irgendwann steht dort die neue Sport-Insel“, ist sie sich sicher. Und dann muss die Familie beim Vorbeigehen an dem Grundstück nicht mehr an die Vergangenheit und das dort Verlorene denken. „Das Wichtigste ist sowieso, dass bei dem Brand niemand verletzt worden ist“, meint Astrid Etschmann. Gebäude können schließlich wieder aufgebaut werden.