Sport und Kultur in Korntal-Münchingen Kosten für neue Halle bereiten Bauchweh

In die Jahre gekommen: Nach den derzeitigen Plänen weicht die Albert-Buddenberg-Halle einer Mehrzweckhalle Foto: Simon Granville
In die Jahre gekommen: Nach den derzeitigen Plänen weicht die Albert-Buddenberg-Halle einer Mehrzweckhalle Foto: Simon Granville

Läuft alles nach Plan, beschließt der Korntal-Münchinger Gemeinderat am Donnerstag den Wettbewerb für den Neubau der Mehrzweckhalle im Stadtteil Münchingen. Damit ist die neue Multifunktionshalle aber noch lange nicht in trockenen Tüchern.

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Korntal-Münchingen - Dass vor allem die Albert-Buddenberg-Halle auf dem Schulcampus – aber auch die Sporthalle beim Freizeitbad – im Korntal-Münchinger Stadtteil Münchingen nicht mehr zeitgemäß sind undetwas getan werden muss, darin sind sich Stadtverwaltung, Gemeinderat und Bevölkerung einig. Nachdem die Entscheider beschlossen haben, dass die Buddenberg-Halle einer Mehrzweckhalle weicht und die Sporthalle saniert wird, steht nun der Wettbewerb für den Neubau im Vordergrund – unter dem Aspekt der Kosten. Und die könnten zumindest den aktuellen Plänen am Ende noch den Todesstoß versetzen.

Mit dem Hinweis auf Gesamtkosten von 23 Millionen Euro – 5,3 Millionen Euro mehr als im Jahr 2019 geschätzt – wollte Ursula Schill, die Sprecherin der Agendagruppe Lebenswertes Münchingen, in der Einwohnerfragestunde des Gemeinderats vom Rathauschef wissen, wie er noch gut schlafen könne und die Kosten der Bevölkerung verkaufen wolle – zumal sie, Schill, die Aussicht auf die erhoffte Finanzspritze von drei Millionen Euro vom Bund als eher düster sehe.

Bauamtschef: „Wir wollen realistisch an die Sache rangehen“

„Ich kann gut schlafen, denn wir haben die bestmögliche Lösung für Münchingen gewählt“, sagte Joachim Wolf (parteilos). Die Stadtverwaltung habe dem Gemeinderat die höheren Kosten begründet, die unter anderem die auch von Ursula Schill prophezeite Baukostensteigerung enthalten würden. „Wir wollen realistisch an die Sache rangehen“, sagte der Leiter des Fachbereichs Hoch- und Tiefbau, Alexander Bagnewski. Ursula Schills Frage nach einer Schmerzgrenze entgegnete der Bürgermeister, dies entscheide der Gemeinderat. Das Gremium habe keinen Kostendeckel festgelegt.

Die Kosten für das Bauvorhaben waren kurz zuvor schon ein großes Thema, in der Vorberatung der beschließenden Ausschüsse. Deren Mitglieder diskutierten über den Auslobungstext als wesentliche Grundlage für die Ausschreibung des Wettbewerbs – und hatten einige Änderungswünsche. Diese arbeitet das Planungsbüro Kubus360 nun ein, bevor der Gemeinderat am Donnerstag (18 Uhr, Widdumhof Münchingen) endgültig über den Auslobungstext abstimmt. Die Mitglieder der Ausschüsse gaben ihr Okay: Zwölf sagten Ja, neun enthielten sich. Man wolle das Bewerbungsverfahren noch vor Weihnachten beginnen, sagte Evmarie Zell vom Büro Kubus360. Sie betonte, eine Mehrzweckhalle zu bauen, sei „keine triviale Aufgabe“. Entsprechend hoch seien die Anforderungen für die Planungsbüros, deren Zahl auf 15 Teilnehmer begrenzt ist. Anfang April nächsten Jahres will die Jury das Gewinnerbüro bekannt geben.

Planungsphase ist zu früh für allzu Konkretes

Evmarie Zell sagte, bei der vorgesehenen Planungstiefe sei es nicht möglich, Kosten seriös und fundiert zu ermitteln. Gleichwohl würden die Preisrichter die Vorschläge der Teilnehmerbüros auf relevante Zahlen zum Neubau prüfen, um dann Aussagen zur Wirtschaftlichkeit und zur Kostenschätzung für die Umsetzung des jeweiligen Entwurfs zu treffen. Zuvor hatte Anne-Hilde Föhl-Müller (Freie Wähler) gefragt, wie sich die Baukosten begrenzen lassen könnten. Sie hätte gern als Kriterium vorgegeben, dass der Bau der neuen Halle im Rahmen von 10,5 Millionen Euro bleibt. Ähnlich äußerte sich Oliver Nauth, der CDU-Fraktionschef. „Wir wollen bei der Entscheidung den Preis wissen.“

Zu früh ist die Planungsphase laut Evmarie Zell auch, um konkrete Wünsche zur Nachhaltigkeit zu definieren. So müsse die neue Mehrzweckhalle nicht nur nachhaltig gebaut sein, sondern auch während des Betriebs nachhaltig arbeiten, hatte Oliver Nauth gefordert. Rund, sagte Evmarie Zell, werde die Sache erst mit Fachplanern an Bord. Bürgermeister Wolf merkte an, dass im Auslobungstext ein Hinweis auf einen gewissen Energiestandard gut wäre.

Kann sich die Stadt das Projekt leisten?

Im Sommer vor einem Jahr hatte der Gemeinderat einer Mehrzweckhalle und damit dem Abriss der Albert-Buddenberg-Halle sowie der Sanierung der Sporthalle in der Stuttgarter Straße am Freizeitbad grünes Licht gegeben. Vor wenigen Monaten aber, im Juli, hinterfragte er das gesamte Projekt: Angesichts hoher und steigender Kosten sowie einer Absage für die Bundesförderung von drei Millionen Euro stand die Frage im Raum, ob sich die Stadt das Vorhaben leisten kann. Daraufhin beschloss der Gemeinderat einen klassischen Wettbewerb, damit sich die Stadt wieder um besagte Finanzspritze bewerben kann. Dann könnten die Bauarbeiten im März 2023 starten – theoretisch.

Praktisch will sich das Gremium vorläufig alles offenhalten und zu gegebener Zeit erneut diskutieren. Daher erhält der Sieger des Wettbewerbs vorerst nur einen Auftrag bis zur Entwurfsplanung. Der Auslobungstext sah, so rät es die Architektenkammer, einen Auftrag bis zur Ausführungsplanung vor.




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