Sport und Kultur in Korntal-Münchingen Zufriedenheit bei der Hallenplanung? Fehlanzeige!

Von Stefanie Köhler 

Die Pläne für die Entwicklung der Sport- und Kulturstätten im Ortsteil Münchingen von Korntal-Münchingen spalten die Bürger – und auch die Vereine. Einige sind abtrünnig geworden.

Die Festwiese bei der Albert-Buddenberg-Halle auf dem Schulareal hat schon viele Veranstaltungen erlebt. Foto: factum/Simon Granville
Die Festwiese bei der Albert-Buddenberg-Halle auf dem Schulareal hat schon viele Veranstaltungen erlebt. Foto: factum/Simon Granville

Korntal-Münchingen - Volker Schmitt-Kordes hat sich viel vorgenommen. Die Pläne für die Entwicklung der Sport- und Kulturstätten im Ortsteil Münchingen von Korntal-Münchingen spalten die Bürger – und ebenso die Vereine. Das möchte der Vorsitzende der zweitgrößten Abteilung des TSV Münchingen – das Turnen hat rund 700 Mitglieder – ändern. „Die Befürworter müssen das Thema jetzt positiv befeuern“, sagt Volker Schmitt-Kordes. „Sein“ Verein ist mit 2000 Mitgliedern der größte Sportverein im Stadtgebiet. Die auserkorene Variante sei der einzige Weg, sagt Schmitt-Kordes mit Blick auf die Bedarfe der Schulen und Vereine. Zumal die Stadtverwaltung keine andere Option mehr aus dem Hut ziehen werde.

Geht es nach der Verwaltung, weicht die Buddenberg-Halle auf dem Schulareal einem Mehrzweckgebäude für Schul- und Vereinssport sowie Kultur. Dafür wird ein Teil der Festwiese bebaut, die als multifunktionaler, asphaltierter Festplatz gen Westen zieht. Dieser soll Platz für ein großes Zelt bei Festen draußen bieten, bei Veranstaltungen in der Halle Platz für bis zu 120 Parkplätze. Der Gemeinderat vertagte zuletzt ein zweites Mal die Entscheidung über die favorisierte Variante. Gleichwohl zeichnete sich eine Mehrheit für das Szenario ab. Es umfasst auch die Sanierung der Dreifeldhalle am Sportzentrum am Ortsausgang. Für ihn komme die Sanierung der 64 Jahre alten Buddenberg-Halle nicht in Frage, betonte der Bürgermeister Joachim Wolf (parteilos) stets.

Anwohner befürchten ein Verkehrschaos

Trotzdem fordern 140 Münchinger mit ihrer Unterschrift die Erhaltung der Halle samt Wiese: Verwaltung und Stadträte mögen eine Lösung suchen, die dies berücksichtigt. Er finde es ein Unding, alles in den Ort, sprich auf das Schulareal, zu verlagern, nennt ein Familienvater aus der Kronenstraße den Hauptgrund für die Aktion. Das sähen die meisten Anwohner so. „Wir bezweifeln, dass die Halle da oben so wie geplant der richtige Weg ist.“

Der gebürtige Münchinger, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, befürchtet vor allem ein Verkehrschaos. Schon jetzt sei es schwierig, einen Parkplatz zu finden. „Bei Veranstaltungen auf dem Schulareal sind die Straßen komplett dicht.“ Eine Alternative sei ein Anbau für den Kita- und Schulsport. Für den Vereinssport solle das Sportzentrum gestärkt werden. Auch müsse man die Festwiese mit ihren vielen alten Birnbäumen bewahren. „Sie ist seit Jahren gewachsen“, sagt der Münchinger, als Kind habe er dort Schulsport gehabt.

„Die Festwiese hat eine gute Geschichte“, bestätigt Karl Schmid, Landwirt, Laienprediger der evangelischen Kirchengemeinde und Unterzeichner der ersten Stunde. Man habe auf der Wiese wie in der Buddenberg-Halle „wunderbare Feste“ gefeiert. „Der Vereinssport gehört raus an die Kornwestheimer Straße, wo die Infrastruktur schon vorhanden ist“, sagt auch Karl Schmid.

Angespannte Stimmung unter den Vereinen

Volker Schmitt-Kordes kennt die Bedenken der Bürger. Rasch will er deshalb mit ihnen ins Gespräch kommen, Vorbehalte ausräumen. Zunächst aber möchte er die Vereine an einen Tisch holen. Auch unter ihnen ist die Stimmung angespannt.

Hintergrund ist nach Informationen unserer Zeitung die Abkehr einiger Vereine von der einst gemeinsam auserkorenen Variante. Demnach richtete der Vorstand des TSV den Wunsch nach einer anderen Lösung an die Stadt. Innerhalb des Vereins besteht ohnehin keine Einigkeit, was die Hallenpläne betrifft. Neu ist die Idee, am Sportzentrum eine weitere Halle zu errichten, nicht. Damit hätte der Sport unterm Strich mehr Fläche, der Bau wäre günstiger, und die Stadt könnte auf dem Schulareal anders planen. Für eine kleinere Lösung dort plädiert die Stadträtin Anne-Hilde Föhl-Müller (Freie Wähler) nach wie vor. „Diese Variante würde auch den Interessen der Bürger gerecht werden.“ Eine große Sporthalle passe nicht ins Wohngebiet. Die Verwaltung hatte die alternativen Ideen bereits geprüft – und abgelehnt.

Lösung „überlebensnotwendig für alle Vereine“

Inzwischen ruderte zumindest der Vorstand des TSV zurück. Weder bestätigen noch dementieren Stefan Diehle und Peter Gans auf Anfrage unserer Zeitung einen Austausch mit der Stadt ausdrücklich. Schriftlich teilen sie mit: „Unser oberstes Ziel sind mehr Hallenkapazitäten und dadurch mehr Trainingsfläche für unsere Mitglieder, vor allem unter der Sichtweise einer weiter steigenden Bevölkerungszahl. Andere Vereine im Ort mögen andere Ziele verfolgen, aber am Ende sind die finanziellen Mittel immer gedeckelt.“ Daher müsse der Gemeinderat mit dem Bürgermeister das Optimum für alle Beteiligten finden – was aber auch „nur“ ein Kompromiss aus Sicht der jeweiligen Vereine sein werde. „Die schlechteste Lösung wäre sicherlich keine Entscheidung zu treffen. Denn dann haben alle verloren.“

Auch Volker Schmitt-Kordes findet zur gegenwärtigen Situation deutliche Worte. „Wenn wir es zu weit treiben und weiter diskutieren, laufen wir Gefahr, dass wir am Ende des Tages mit nichts da stehen.“ Dies dürfte allen klar sein. Noch im Juni will er die Vereine zusammentrommeln. Die nächsten Schritte hingen aber davon ab, was wegen Corona möglich sei.

Der Vorsitzende des Musikvereins Münchingen hält mit seinem Unmut nicht hinterm Berg. Er sei sehr enttäuscht, dass einige Vereine Abstand genommen hätten, sagt Jörg Di Marco. Dabei ist eine Lösung „überlebensnotwendig für alle Vereine“. Deshalb sei er auch entsetzt darüber, wie manche Stadträte agierten und taktierten. „Ich habe das Gefühl, dass sie sich nicht darüber im Klaren sind, was auf dem Spiel steht“, sagt der Musiker. Die marode Buddenberg-Halle sei am Ende ihrer Kapazitäten. Doch der Musikverein lebe von Veranstaltungen. Ob im Herbst wirklich die Entscheidung fällt? Jörg Di Marco hofft es. Ganz sicher ist er sich aber nicht mehr.




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