Wenn sich demnächst der Winter verzieht, zieht es mehr Menschen ins Freie. Kommen erst die Blüten, blühen auch den Herstellern von Sportartikeln bessere Geschäfte. Stefan Rosenkranz, Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie, kann sich für 2025 ein Wachstum des auf rund 14 Milliarden Euro bezifferten Marktes um drei bis fünf Prozent vorstellen. Dazu werden auch neue Geschäfte beitragen, beispielsweise von Intersport und Decathlon. Ein Überblick.
Intersport hat eine Antwort auf Discounter
„Unser Ziel für das Geschäftsjahr 2024/2025 ist ein Wachstum von fünf Prozent“, sagt Alexander von Preen, Vorsitzender der Geschäftsführung von Intersport in Heilbronn. Private Konsumenten kaufen nach seinen Erfahrungen kurzfristig ein, wenn es wärmer wird – oder aber vor Beginn eines neuen Schuljahres oder des Urlaubs. Kann Intersport seinen Umsatz im am ersten Oktober begonnenen Geschäftsjahr steigern, würde auch die Delle der vorangegangen Periode wettgemacht: Damals sank der Umsatz leicht von 3,5 Milliarden Euro auf 3,46 Milliarden Euro. „Auch dank der Fußballeuropameisterschaft blieb der Umsatz stabil“ meint von Preen. In einem Markt, der um drei Prozent geschrumpft war, sieht der Intersportchef dies als Erfolg an.
Der nach eigenen Angaben größte deutsche Sportfachhändler will allein schon bis zum Ende des laufenden Geschäftsjahres bis zu 50 neue Filialen eröffnen, bis 2030 soll noch eine ganze Reihe dazukommen. Dazu gehört auch, was Intersport als „Superstores“ bezeichnet: Läden mit preisgünstigen Angeboten etwa für Familien. Diese sollen eine Antwort auf die Angebote der Discounter sein – und sind sicher auch eine Antwort auf Decathlon.
Decathlon zieht es in die Innenstädte
Auch der französische Sportartikelhändler will mit neuen Geschäften expandieren und hat mit seinen preisgünstigen Angeboten vor allem die Innenstädte im Visier: In Stuttgart ebenso wie etwa im Ruhrgebiet oder am Stachus in München. Bis 2027 will der Händler 60 neue Geschäfte eröffnen und 100 Millionen Euro in die neuen Standorte oder eine Modernisierung bereits vorhandener stecken. Im Geschäftsjahr 2023 steigerte Decathlon Deutschland mit seinen 5320 Beschäftigten – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – den Umsatz um 4,7 Prozent auf 1,1 Milliarden Euro. Anfang 2024 hatte Decathlon den Onlinesporthändler Bergfreunde aus Kirchentellinsfurt bei Tübingen übernommen.
Adidas will wieder wachsen
Auch Adidas mit seinen 59 000 Beschäftigten weltweit will wieder wachsen, nachdem der Umsatz im Geschäftsjahr 2023 – auch hier gibt es noch keine aktuelleren Zahlen – um etwa eine Milliarde Euro auf 21,4 Milliarden Euro schrumpfte. „Wir haben klar das Ziel, wieder zweistellig zu wachsen“, sagt Vorstandsvorsitzender Björn Gulden.
Jako will Umsatz weiter steigern
Ohne Unterbrechung gewachsen ist der Mittelständler Jako aus dem Mulfingen (Hohenlohekreis). Jako steht für Jagst und Kocher und beliefert über den Fachhandel in erster Linie Vereine. „Für 2025 haben wir einen Umsatz von 210 Millionen Euro geplant, ein Wachstum von sieben Prozent“, sagt die Vorstandsvorsitzende Nadine Sprügel. Die Zahl der Beschäftigten ist 2024 leicht auf 395 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gestiegen, neue Stellen sollen geschaffen werden.
Den größten Teil zum Umsatz tragen Textilien wie Sportkleidung bei, im Angebot gibt es aber auch Fußbälle, Taschen, Jacken und Fußballschuhe. Die wichtigste Sportart bei Jako ist Fußball, mit dem VfB Stuttgart gibt es einen Ausrüstungsvertrag. Die Textilien kommen wie auch bei anderen vorwiegend aus Fernost. Lebhaft wird das Geschäft – anders als beim Verkauf an Privatleute – erst im Sommer, wenn die Vereine Trikots, Hosen und Fußballschuhe für die kommende Saison kaufen.
Fashy: Die Nachfrage steigt
Der größte Teil der Kunden von Fashy in Korntal-Münchingen (Kreis Ludwigsburg) sind Privatleute. Der Anbieter von Artikeln für den Schwimmsport beliefert diese über den Fachhandel. „Die Kunden kaufen mit dem Beginn der Freizeitsaison oder vor dem Urlaub“, berichtet Wolfgang Kraus, der das Unternehmen zusammen mit seinem Bruder Volker führt. Allerdings sei Schwimmen „zunehmend ein Ganzjahressport geworden, ein Freizeitsport für Jung und alt“ – auch weil es etwa, anders als andere Sportarten, auch die Gelenke schone, gut für Herz und Kreislauf sei.
Das Unternehmen hat in Deutschland 160 Beschäftigte, würde gerne im kaufmännischen Bereich noch einige einstellen. Zudem gibt es einen eigenen Nähbetrieb für Badetextilien in Vietnam. Im Angebot sind aber auch Bade- und Freizeitschuhe oder Schwimmbrillen. „Dieses Jahr werden wir mehr ausliefern als 2024, das merken wir schon jetzt an der Nachfrage aus dem Fachhandel“, sagt Kraus.
Preise dürften nur leicht steigen
Die Preise auch für Schwimmartikel könnten eventuell leicht steigen, meint Kraus. Eine Preisexplosion müssen die Kunden bei Sportartikeln aber wohl nicht befürchten. Wegen gestiegener Kosten müssten die Preise „für einige Produkte“ wohl entsprechend „angepasst“ werden, meint Intersportchef von Preen. Es werde wohl alles im Rahmen bleiben, erwartet auch Rosenkranz vom Bundesverband der Sportartikelhersteller. Die wohl erfreulichste Kunde für Vereine, die dort einkaufen, kommt von Jako: „Aktuell haben wir keine Preisanpassungen geplant“, sagt die Chefin Nadine Sprügel.