Sportartikel Die Preise werden steigen

In der Pandemie haben viele erkannt, wie gesund Bewegung ist. Foto: imago//Yay Images

Für die Hersteller wird die Beschaffung aus Asien teurer, außerdem stocken die Lieferketten. Die höheren Kosten werden an die Kunden weitergegeben.

Wirtschaft: Ulrich Schreyer (ey)

Stuttgart - „Ganz klar, auf die Kunden kommen Preissteigerungen zu“, sagt Frank Geisler. Der Geschäftsführer von des Händlerverbunds Intersport Deutschland , meint, es werde „mindestens ein Jahr dauern, bis sich die Lage wieder normalisiert, die ganze Lieferkette ist stark gestört“, so die Diagnose von Geisler. Adidas, Deutschlands größter Hersteller von Sportartikeln, hatte im vergangenen Jahr nahezu 20 Milliarden Euro umgesetzt und rechnet für dieses Jahr mit einem satten Plus um rund 20 Prozent. Doch ohne die Probleme in Asien – wie etwa der Lockdown in Vietnam – könnten die Herzogenauracher noch 500 Millionen Euro zusätzlich erwirtschaften. Das Unternehmen, erklärt der Vorstandsvorsitzender Kaspar Rorsted kürzlich in einer Videokonferenz, könne nicht so viel produzieren, wie nachgefragt werde. Mögliche Preiserhöhungen würden geprüft. Bis Ende September, so meint man jedenfalls bei Adidas, würden die Beschaffungsmöglichkeiten wieder besser.

 

Erholung erst in einem Jahr

Das würde auch Nadine Sprügel freuen. „Mehr denn je trifft uns Corona in den Lieferketten, sagt die Geschäftsführerin des Sportartikelherstellers Jako (250 Beschäftigte, 100 Millionen Umsatz). 90 Prozent aller Waren bezieht das Unternehmen aus dem hohenlohischen Mulfingen – Jako steht für Jagst und Kocher - aus Asien, vor allem aus Pakistan. Bevor die Ware nach Europa verschifft wird, gibt es auch schon eine Lieferkette in Asien – so müssen etwa Stoffe aus Taiwan und Reißverschlüsse aus China nach Pakistan transportiert werden. Eine Erholung erwartet Sprügel „frühestens in einem Jahr“. Noch aber kann Jako das allermeiste an die Kunden liefern: „Unser großes Lager hilft uns“. Natürlich hat auch sie Sorgen wegen einer möglichen vierten Coronawelle.

Doch die Stimmung scheint sich verbessert zu haben: „Vor sechs Wochen waren wir noch nicht so optimistisch“, sagt die Jako-Chefin. Nicht nur Container, auch Rohmaterialien seien teurer geworden: „Bei Elastan sind die Preise explodiert, auch Biobaumwolle wurde deutlich teurer“. Dieses Jahr werde man die höheren Kosten zwar nicht an die Kunden weitergeben, „aber beim Katalog für 2022 wird geprüft, welche Preise angepasst werden müssen“.

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Auch Erima in Pfullingen (210 Mitarbeiter, Umsatz 2019 rund 53 Millionen Euro) bezieht einen großen Teil seiner Sportartikel aus Asien, ein wichtiges Land ist auch die Türkei. „Mit unseren langjährigen und verlässlichen Partnern haben wir keine Lieferprobleme“, berichtet Geschäftsführer Wolfram Mannherz. Allerdings seien die Frachtkosten explodiert. „Vor anderthalb Jahren hat ein Container noch 1000 Dollar gekostet, jetzt kostet er fast 10 000 Dollar“, erklärt Intersport-Geschäftsführer Geisler. Auch Erima sagt voraus, dass die Kunden „über kurz oder lang“ mit höheren Einkaufspreisen rechnen müssen. Seit Juli sei der Umsatz im Teamsport wieder gestiegen. „Wir sehen wieder Licht am Ende des Tunnels“, meint Mannherz, der das frühere Reutlinger Familienunternehmen vor Jahren von Adidas zurückgekauft hat.

Leichter Optimismus – aber Sorgen wegen Corona

Ganz in der Nähe hat ein Unternehmen ebenfalls keine Probleme mit Lieferungen von anderen Kontinenten: Die Engel GmbH (51 Mitarbeiter, 11 Millionen Euro Umsatz), ebenfalls in Pfullingen ansässig, lässt fast alles im Zollernalbkreis produzieren. „Im Umkreis von 50 Kilometern“, sagt Geschäftsführerin Vera Simon. Das Unternehmen, das Wäsche und Sportartikel im Programm hat, setzt etwa auf Baumwolle aus biologischem Anbau.„Wir sehen einen Trend zur Nachhaltigkeit und einen Umstieg der Kunden auf regionale Anbieter“, meint Simon. Lediglich mit Seide aus China habe es etwas Probleme gegeben.

Der Umsatz der Sportartikelbranche, normalerweise Jahr für Jahr rund sieben Milliarden Euro, sei 2020 um fünf Prozent geschrumpft, schätzt Stefan Rosenkranz, der Geschäftsführer des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie. Für 2022 macht sich bei den Firmen wieder Optimismus breit – verbunden mit der Sorge vor einer vierten Coronawelle.

Vereine unter Druck – Einnahmen aus Spielen fehlen

Höhere Kosten können auch die Vereine treffen: „Die Einkaufskosten steigen, dazu kommen höhere Transportkosten“ meint Paul Lambert, der Präsident des SV Göppingen aus der Fußball-Oberliga Baden-Württemberg, „da wird sicher etwas auf die Kunden umgelegt“. Doch dass „jeder Cent umgedreht“ wird, liegt nicht nur an Lieferproblemen: Ohne Spiele gab es keine Einnahmen, auch anderes wie Heizöl sei teurer geworden. Lambert jedenfalls ist froh, „dass großzügige Eltern die Beiträge für die Kinder weiter bezahlen“. Auch die Kosten für die Trikots, so meint SV-Trainer Gianni Covelli, der in Esslingen selbst ein Sportartikelgeschäft hat, „würden oft von den Eltern übernommen werden“. Karsten Amann, der Vorsitzende des Vereins SSV Reutlingen 05 Fußball, ebenfalls Oberliga, sieht keine größeren Probleme. Amann glaubt nicht, dass die Lieferanten den Kickern von der Kreuzeiche höhere Kosten aufbürden: „Wer in der fünften Liga spielt, ist als Werbeträger interessant“.

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Für manche Firmen könnte auch anderes interessant werden: Eine Rückbesinnung auf Produktionsstandorte in Europa. „Es gibt mittlerweile Überlegungen, ob nicht ein Teil der Sportartikelproduktion nach Europa zurückgeholt werden sollte“, sagt Stefan Rosenkranz, „denkbar wären Fabriken Südeuropa“. Zu hören ist in der Branche auch, es würden schon Fabriken im östlichen Teil des Kontinents angeschaut.

Sport in Deutschland

Umsatz
 Nach den Angaben des Bundesverbands der Deutschen Sportartikelindustrie werden jedes Jahr etwa sieben Milliarden Euro umgesetzt. Die Hälfte davon entfällt auf Textilien, ein Viertel auf Schuhe, ein weiteres Viertel auf Waren wie Bälle oder Sportgeräte. Im Umlauf sind oft weit höhere Zahlen, dabei werden dann aber auch Ausgaben im Fitnessstudio oder Eintrittskarten für Fußballspiele mit eingerechnet.

Bewegung
 Der Deutsche Olympische Sportbund zählt in seinen Reihen 27 Millionen Mitglieder. Diese sind in knapp 90 000 Turn- und Sportvereinen organisiert. Ehrenamtlich tätig sind acht Millionen Mitglieder.

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