Gegen den Trend im Sportartikelmarkt plant Decathlon an fünf Standorten in der Region, seine Filialen zu erweitern oder sich neu niederzulassen. Das Unternehmen will in den stationären Handel investieren, unter anderem durch den Bau von Sportanlagen an den Filialen. Eigentlich zeichnete sich in den vergangenen Jahren ein anderes Bild in der Branche ab: Immer wieder schließen Sportgeschäfte in der Region. Erst jüngst etwa kündigte Intersport Britzelmayer in Bad Cannstatt an, im September die dortige Filiale aufzugeben. In Esslingen hatte der französische Sportartikelhersteller Decathlon seine Filiale im Neckarcenter mit 39 Mitarbeitern bereits im September vergangenen Jahres geschlossen.
Filiale im Milaneo zieht Kunden aus dem Neckarcenter ab
Als Gründe wurden damals unter anderem die nachlassende Kundenfrequenz sowie Konkurrenz durch eigene Läden in der Region angeführt. Infolge der Eröffnung einer Filiale im Stuttgarter Einkaufszentrum Milaneo im März 2022 sei es zu einer Kundenabwanderung gekommen. An anderen Standorten in der Region will der Konzern Verkaufsflächen vergrößern. Insgesamt blickt das Unternehmen positiv auf das vergangene Jahr zurück: Bundesweit wurde ein Bruttoumsatz von knapp 1,1 Milliarden Euro erwirtschaftet. Der Nettoumsatz lag 2022 bei 893 Millionen Euro. Nach 700 Millionen Euro im Jahr 2021 entspricht das einem Plus von 28 Prozent. Der Umsatzanteil durch E-Commerce beträgt 28 Prozent. Obwohl das Unternehmen sehr viel in den Ausbau des Geschäfts investiere, stehe das Ergebnis „auf sehr soliden Beinen“, sagte der Deutschlandchef André Weinert. Auch in diesem Jahr will Decathlon in Filialen und in die Logistik investieren und weiter wachsen. Dafür sind Investitionen in Höhe von 50 Millionen Euro vorgesehen.
Umsatzwachstum um 28 Prozent
Erweitert werden soll auch die Verkaufsfläche einiger Filialen in der Region: In Böblingen zieht die Filiale aus dem Einkaufszentrum Mercaden aus, um das Sortiment auf einer deutlich größeren Fläche anbieten zu können. Künftiger Standort wird im Areal Pulse sein, das auf dem ehemaligen City-Center-Areal entsteht. Die Eröffnung ist für das Jahr 2024 geplant. In Ludwigsburg gibt es im Marstall-Center eine Filiale des Sportartikelherstellers. Auch an diesem Standort bestehe Interesse, sich zu vergrößern, sagt Stefan Kaiser, Leiter der Abteilung Immobilienmarkt der deutschen Konzernsparte. Außerdem sei Decathlon im Raum Fellbach und Waiblingen auf der Suche nach Flächen. Eine weitere Filiale ist in Reutlingen geplant.
Doch warum wächst Decathlon, während andere Einzelhändler Verkaufsflächen verkleinern oder schließen? Wichtig sei vor allem, das Einkaufserlebnis, sagt Kaiser, die Möglichkeit also, vor Ort Sportarten auszuprobieren. Dafür benötige man Platz. In Plochingen soll auf dem Firmengelände an der Filsallee beispielsweise eine Padelanlage entstehen. Dort können Kundinnen und Kunden die neue Trendsportart, die mit Tennis vergleichbar ist, künftig testen. Ähnliche Angebote will das Unternehmen an allen Standorten weiter ausbauen. Am Standort Plochingen, der zugleich die Deutschlandzentrale des Konzerns ist, sind 130 Menschen beschäftigt. Als Gründe für die positive Entwicklung nennt Weinert zudem das breite Angebot mit Artikeln aus 100 Sportarten für jedes Alter in allen Preisklassen. Gegefragt seien derzeit Artikel aus den Bereichen Bergsport, Wassersport und Fitness.
Padel-Anlage in Plochingen
Auch auf das Geschäft mit gebrauchten Waren setzt man neuerdings bei Decathlon. Unter dem Namen „buy back“, also Rückkauf, können Kunden gebrauchte Artikel an das Unternehmen verkaufen. Fahrrad, Zelt oder Trampolin würden dann wieder in Schuss gebracht und für einen geringeren Preis – online oder in der Filiale – wiederverkauft. Am Standort Plochingen ist das seit Oktober möglich, bundesweit seit Januar dieses Jahres. Langfristig sei zudem geplant, dieses Prinzip auch auf Textilien auszuweiten. Durch Angebote wie „buy back“ wolle man den Lebenszyklus der Produkte verlängern und so zur Kreislaufwirtschaft beitragen, sagt Michael Kiess, der Leiter des Programms. Online und im stationären Handel werden nach Unternehmensangaben derzeit etwa 20 000 gebrauchte Produkte verkauft.
Konzern verkauft Sportartikel in 61 Ländern
Erste Filiale
Die Decathlon- Geschichte in Deutschland begann 1986 mit der ersten deutschen und gleichzeitig auch internationalen Filiale in Dortmund-Kley.
Neue Filialen
Drei neue Filialen in Augsburg, Stuttgart und Münster eröffnete der französische Sportartikelhersteller 2022 und kam damit zum Jahresende auf 85 Filialen in Deutschland. In die Modernisierung der Filialen und der Logistikzentren investierte das Unternehmen nach eigenen Angaben 38 Millionen Euro.
Mitarbeiter
Heute beschäftigt der Konzern 5520 Mitarbeiter in Deutschland, verteilt auf die Filialen (gut drei Viertel), zwei Logistikzentren und vier sogenannte Campus-Standorte in Plochingen, Schwetzingen, Dortmund und Berlin. Weltweit vertreibt das Unternehmen dadurch mehr als 65 Eigenmarken in über 1709 Filialen in 61 Ländern.