Es geht rasant voran: Bereits bei seiner zweiten Auflage gehört der „Women’s Cycling Grand Prix“ in Stuttgart zur zweithöchsten Rennkategorie des Weltverbandes UCI. Auch deshalb fahren zehn der 15 World-Tour-Teams mit. Los geht es an diesem Sonntag um 12.25 Uhr in Böblingen, die 118 Kilometer lange Strecke führt zum Ziel am Stuttgarter Rotebühlplatz. Sportchefin der Veranstaltung ist die Olympiasiegerin und siebenmalige Weltmeisterin Lisa Brennauer (36). Mit ihr haben wir im Vorfeld der Veranstaltung gesprochen – über . . .
. . . das Feld der Teilnehmerinnen: „Das Rennen in Stuttgart ist sehr gut besetzt. Wir haben die absolute Weltspitze am Start, darunter befindet sich auch Vorjahressiegerin Elena Pirrone. Die Konkurrenz ist so hochkarätig, dass es schwerfällt, eine einzelne Favoritin zu benennen. Dazu ist die Leistungsdichte bei den großen Teams zu hoch.“
. . . den möglichen Rennverlauf: „Ich erhoffe mir viel Action, viele Attacken, viele verschiedene Spitzengruppen – der Kurs gibt das her. Ich erwarte ein sehr schnelles Rennen, in dem am Ende eine größere Gruppe auf die drei Schlussrunden in der Stuttgarter Innenstadt geht. Dort wird es dann zu den finalen Angriffen kommen. Schön wäre, wenn drei, vier Fahrerinnen um den Sieg sprinten.“
. . . die Radsport-Begeisterung in der Region: „Es gibt hier ein großes Engagement für den Radsport. Neben der Stadt Stuttgart stehen auch die Kommunen aus der Region und das Land hinter dem Event. Nur deshalb ist es möglich, eine derartige Großveranstaltung umzusetzen. Dazu kommt das große Know-how, das sich hier über die Jahre hinweg bei der Veranstaltung großer Radsport-Events aufgebaut hat.“
. . . die Perspektive des Grand Prix: „Ziel ist, die Veranstaltung zu etablieren und zu einem der wichtigsten Eintagesrennen im internationalen Kalender zu machen.“
. . . die Entwicklung des Frauen-Radsports: „Es tut sich etwas, das ist deutlich zu sehen – über die letzten Jahre hinweg gab es einen ständigen Aufwärtstrend. Trotzdem besteht noch ein großer Unterschied zu den Männern. Ich denke, es hängt viel von der Medienpräsenz ab. Die ist schon stärker geworden, muss sich aber noch weiterentwickeln. Derzeit sind wir zudem noch in einer Umbruchphase. Man muss den Rennställen die Zeit geben, diesem Aufwärtstrend hinterherzukommen. Der Wettkampfkalender ist total voll, nun müssen die Teams wachsen, damit sie dieses Programm, in dem es wie bei den Männern teilweise zwei oder drei Rennen parallel gibt, überhaupt stemmen können. Da hängt es momentan noch ein bisschen. Aber mit mehr Medienpräsenz kommen mehr Sponsoren und mehr Gelder, mit denen man eine größere Infrastruktur aufbauen kann. Ich sehe großes Potenzial, um noch weiter nach vorne zu kommen.“
. . . über die deutsche Equipe Red Bull-Bora-hansgrohe, die zu den wenigen großen Rennställen ohne Frauen-Team gehört: „Ob es dort mal ein Frauen-Team geben wird, weiß ich nicht. Bisher habe ich mich mit den Verantwortlichen darüber noch nicht ausgetauscht. Für mich ist nur klar: Ein Rennstall, der ein solches Projekt angeht, muss sich voll dazu bekennen. Nur ein Anhängsel zu sein ist nicht das Niveau, auf dem sich der Frauen-Radsport mittlerweile bewegt. Wenn sich ein Rennstall entscheidet, ein Frauen-Team zu gründen, dann muss das unter den gleichen Bedingungen, mit der gleichen Unterstützung und dem gleichen Material wie bei den Männern passieren. Und am besten nutzt man das Know-how, die Ressourcen und Sportlichen Leiter gemeinsam, um einen Transfer zu haben. Die Frauen müssen Teil des Ganzen sein, dann funktioniert es, sonst nicht. Wenn es mal ein Frauen-Team bei Red Bull-Bora-hansgrohe geben sollte, müssen der Rennstall, das Management und die Sponsoren komplett dahinterstehen. Nur dann ist eine Umsetzung sinnvoll.“
. . . ihr Karriereende im Sommer 2022: „Die Zeit auf dem Rad vermisse ich, zumindest was Wettkämpfe angeht, nicht so sehr. Ich habe meine Entscheidung zu einem guten Zeitpunkt getroffen. Ich habe den Sport richtig geliebt und hätte sicher auch das Potenzial gehabt, um weiterzumachen. Andererseits hatte ich alles erreicht, was ich mir jemals erträumt habe, und sogar noch mehr. Von daher bin ich nicht wehmütig.“
. . . die Olympischen Spiele 2024 in Paris: „Ich war erstmals seit vielen Jahren nicht als Sportlerin am Start. Trotzdem habe ich die Spiele sehr, sehr positiv verfolgt, hatte eine total schöne Zeit. Ich konnte das Geschehen von außen betrachten, natürlich auch den deutschen Frauen-Bahnvierer. Die Leistung und die Zeit von 4:07 Minuten waren so, wie man es von den Mädels erwarten konnte. Leider hat es ganz knapp nicht zum Einzug ins kleine Finale gereicht, es haben nur fünf Zehntel gefehlt. Das war sehr schade.“