Sportdirektor des VfB Stuttgart So viel zahlt der VfB für Fabian Wohlgemuth

Fabian Wohlgemuth blickt mit Vorfreude auf seine Aufgabe als Sportdirektor beim VfB Stuttgart. Foto: Imago/Ulrich Hufnagel

Fabian Wohlgemuth passt sehr gut in das Profil, das der VfB Stuttgart für seinen neuen Sportdirektor erstellt hat – und das ist dem Fußball-Bundesligisten eine Ablöse für den 43-Jährigen wert gewesen.

Sport: Carlos Ubina (cu)

Das Organigramm des VfB Stuttgart ist auf der Direktorenebene wieder komplett – mit Fabian Wohlgemuth. Der 43-Jährige komplettiert ab sofort das Sportdirektoren-Trio des Fußball-Bundesligisten, denn rein formal steht Wohlgemuth ja nicht über Markus Rüdt (Organisation) und Thomas Krücken (Nachwuchs). Es ist nur so, dass in der öffentlichen Wahrnehmung alles auf den Verantwortlichen des Profibereichs schaut – und Sven Mislintat hatte zuletzt die Aufmerksamkeit ganz auf sich gezogen.

 

Als One-Man-Show wurde das hinter vorgehaltener Hand von Kritikern des ehemaligen Sportchefs bezeichnet. Mislintat ist auch lange Zeit der starke Mann gewesen, weil er mit einem Sportdirektoren-Vertrag ausgestattet war, der ihm Sportvorstandskompetenzen zusicherte, vor allem in der Trainerfrage. Ohne ihn ging nichts.

Wie sieht es in Sachen Trainer aus?

Es ist nun davon auszugehen, dass Wohlgemuth (Vertrag bis 2025) nicht mehr über diese Machtfülle verfügt. Dennoch soll sich der neue Manager bei der Besetzung der Chefcoach-Position mit seinen Vorstellungen einbringen. Dieser Prozess läuft. Zumal absehbar war, dass Mislintat sein Arbeitsverhältnis unter den gegebenen Umständen nicht verlängern wird. Am vergangenen Dienstagabend stand die Trennung fest, am Mittwoch wurde sie bekannt gegeben – und der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle stieg in die konkreten Verhandlungen mit dem SC Paderborn ein.

Denn vom Zweitligasechsten kommt Wohlgemuth. Seit Mai 2020 arbeitete er dort als Geschäftsführer Sport – mit einem unbefristeten Vertrag, wie es heißt. Aus diesem musste ihn der VfB nun herauskaufen. Nach Informationen unserer Zeitung soll sich der Betrag auf 250 000 Euro belaufen, wobei Wohlgemuth auf Geld verzichtet hat, um künftig für den Traditionsverein von 1893 tätig sein zu können. „Der VfB hat in der deutschen Fußballgeschichte sportliche Maßstäbe gesetzt. Er ist ein lebendiger Verein mit einer großartigen Fankultur, einer spannenden Mannschaft und unglaublichem Potenzial“, sagt Wohlgemuth.

An diesem Montag ist der Macher von Paderborn noch einmal bei seinem alten Arbeitgeber, um sich zu verabschieden. Ab Dienstag ist Wohlgemuth wieder in Stuttgart und vertieft sich in die neue Aufgabe. Wobei zunächst die Trainerfrage endgültig geklärt wird. Noch steht die Interimslösung Michael Wimmer, allerdings soll Bruno Labbadia die Nachfolge des im Oktober geschassten Pellegrino Matarazzo antreten.

Unterschrieben ist der Kontrakt aber noch nicht. Das könnte nun schnell passieren. Zumal es sich als geschickt erweist, dass sich Wohlgemuth und Labbadia bereits aus ihrer gemeinsamen Zeit beim VfL Wolfsburg kennen. Labbadia war Chefcoach, bewahrte den Club vor dem Abstieg und führte das Team anschließend in die Europa League. Wohlgemuth verantwortete bei den Niedersachsen jahrelang den Nachwuchsbereich, ehe er als Sportchef zu Holstein Kiel ging.

Wohlgemuths erwiesene Expertise als ein Macher, der als Geschäftsführer schon strategische und strukturelle Herausforderungen gemeistert hat, aber ebenso gute Transfers getätigt und dazu im Jugend- und Übergangsbereich Erfahrungen besitzt, überzeugte beim VfB als Gesamtpaket. „Mit der Neubesetzung auf der Position des Sportdirektors wollen wir sowohl einen neuen Impuls als auch ein Zeichen für Kontinuität auf unserem Weg setzen. Fabian Wohlgemuth passt perfekt in unser Profil“, sagt Wehrle.

Wie geht der Neue an die Aufgabe heran?

Ein Kader, der weiter für leidenschaftlichen und offensiven Fußball steht, soll in Stuttgart zusammenwachsen. Am liebsten angereichert mit Talenten, die aus der eigenen Nachwuchsakademie stammen. Das ist die Zukunft. Die Gegenwart lautet als Tabellen-16. jedoch Abstiegskampf. „Es ist klar, dass die sportlichen und auch wirtschaftlichen Aufgaben beim VfB unseren Teamgeist herausfordern werden. Ich glaube daran, dass Dinge dann besonders gut funktionieren, wenn sie im Team geboren und auch gemeinschaftlich bearbeitet werden“, sagt Wohlgemuth über seine Herangehensweise.

Als Verstärkung kommt im Januar noch Christian Gentner dazu. Der langjährige VfB-Kapitän übernimmt direkt nach seiner Spielerkarriere den Posten des Leiters der Lizenzspielerabteilung und wird wie die Berater Sami Khedira und Philipp Lahm in die Kaderplanung einbezogen. Gemeinsam mit Wohlgemuth sollen die Ex-Profis mit frischem Schwung helfen, den VfB in die Erfolgsspur zu bringen. Nach Überzeugung der Verantwortlichen am besten gepaart mit der Erfahrung eines Bruno Labbadia. Mit dem 56-Jährigen wäre das Organigramm des VfB dann auch an dieser Schlüsselstelle besetzt.

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