Sportdirektor des VfB Stuttgart Wie Sven Mislintat Sasa Kalajdzic entdeckt hat

Sven Mislintat hat sich in einem Podcast ausführlich zu seiner Arbeit und der Lage des VfB Stuttgart geäußert. (Archivbild) Foto: dpa/Tom Weller
Sven Mislintat hat sich in einem Podcast ausführlich zu seiner Arbeit und der Lage des VfB Stuttgart geäußert. (Archivbild) Foto: dpa/Tom Weller

VfB-Sportchef Sven Mislintat hat im „kicker meets DAZN“-Podcast ausführlich über seine Arbeit und die Ausrichtung des Clubs mit dem Brustring gesprochen. Zudem verrät Mislintat, wie er Sasa Kalajdzic entdeckt hat. Wir fassen die wichtigsten Aussagen zusammen.

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Stuttgart - In der aktuellen Ausgabe des Podcasts „kicker meets DAZN“ ist Sven Mislintat zu Gast. Der Sportdirektor des VfB Stuttgart spricht mit den Hosts Alex Schlüter und Benni Zander unter anderem ausführlich über seine Arbeit beim VfB Stuttgart.

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Zudem erläutert Mislintat, wie er Sasa Kalajdzic entdeckte, spricht über die Identität des VfB Stuttgart, die Verpflichtung von Silas Wamangituka und die Entwicklung des Spielstils beim Club mit dem Brustring. Wir fassen die wichtigsten Aussagen zusammen.

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Sven Mislintat über ... die finanzielle Lage beim VfB nach dem Abstieg

„Kreativität ist immer dann gefragt, wenn gewisse Ressourcen nicht da sind. Die Realität nach dem Abstieg war: das kostet erst einmal 40 Millionen Euro. Wir haben dann unseren ganzen Defensivverbund verkauft: Timo Baumgartl, Ozan Kabak und Benjamin Pavard. Das Geld konnten wir aber nicht ausgeben, wie wir wollten. Wir haben das in erster Linie dazu genutzt, keine Schulden zu machen. Das zeigt die Problematik eines Absteigers auf.“

Sven Mislintat über ... die Bedeutung von Daten im Scouting

„Daten sind enorm wichtig im Scouting. Ich habe schon früh nach jemandem gesucht, der Modelle und Algorithmen anlegt, damit mir die Daten noch mehr qualitative Aussagen liefern. Beim BVB hatten sie damals kein Interesse daran und so kam es eben dazu, dass ich mit meinem Partner eine eigene Firma gegründet habe. Neben dem klassischen Scouting bei Spielen, der qualitativen Videoanalyse und dem persönlichen Gespräch ist das datenbasierte Scouting ein sehr wichtiger Punkt geworden. Es wäre leichtsinnig, wenn man das heute nicht nutzen würde. Gerade kleineren Klubs mit begrenzten Ressourcen hilft das enorm. Diese Art des Scoutings ist allerdings nicht die Eier legende Wollmilchsau. Sie hilft mir, Namen zu generieren oder Spieler zu überprüfen, die ich bei Sichtungen entdeckt habe.“

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Wie Sven Mislintat Sasa Kalajdzic entdeckt hat

„Sasa Kalajdzic habe ich damals über die Datenanalyse entdeckt. Wir hatten nach einem Stürmer für die zweite Liga gesucht, der ein ähnliches Profil hatte wie Sebastien Haller. Kalajdzics Name war das Ergebnis der Datenanalyse. Letztlich ist es aber immer eine 360-Grad-Analyse.“

Sven Mislintat über ... den Transfer von Silas Wamangituka

„Die acht Millionen Euro, die wir für Silas gezahlt haben, entsprechen ungefähr den 80 Millionen Euro, die der FC Bayern München für Lucas Hernandez ausgegeben hat. Silas war interessanterweise ein klassischer Scouting-Fall, der anhand seiner Daten nicht aufgefallen ist. Ich verfolge regelmäßig die zweite französische Liga, so habe ich beispielsweise Matteo Guendouzi von Lorient zu Arsenal geholt. Sie ist physisch sehr stark und sehr interessant. Viele absolute Top-Spieler aus Frankreich fangen in der zweiten Liga an. Ich weiß gar nicht, wieso sonst niemand Silas auf dem Zettel hatte. Er hat elf Tore geschossen. Dieser Wert haut einen jetzt nicht vom Hocker. Es gibt Spieler, die machen 24, 25 oder 26 Tore in einer Saison. In Silas’ Fall war es so, dass Paris FC insgesamt nur knapp 30 Tore in der Liga geschossen hat. Das bedeutet, dass er quasi jedes dritte Tor erzielt hat. Silas war eine absolute One-Man-Show, weil die Mannschaft defensiv eingestellt war.

Du siehst seinen Körper, du verstehst seine Geschichte, du weißt, dass da noch ganz viel drinsteckt an Verbesserungspotenzial. Und dann triffst du ihn - und dann sitzt menschlich einfach so eine Voll-Granate vor dir. Ein ruhiger, bescheidener, total fokussierter junger Mann mit einem klaren Ziel. Du stellst ihm das Projekt vor: VfB Stuttgart, zweite Liga. Und der Junge weiß, hier sind gute Leute. Die haben sich einen Namen gemacht, Sven hat schon solche Spieler geholt. Und der gibt dir Vertrauen für den Weg, den du ihm anbietest.

Dementsprechend war es einfach, so viel Geld in die Hand zu nehmen. Schalke hatte ebenfalls Interesse, aber glücklicherweise hat er sich für uns entschieden. Wenn größere Klubs im Rennen sind, müssen wir finanziell stärkere Angebote mit unserem sportlichen Weg und der Perspektive schlagen.“

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Sven Mislintat über ... die Identität des VfB Stuttgart

„Schon in den ersten Gesprächen im März 2019 haben wir gemeinsam mit Thomas Hitzlsperger überlegt, wie der VfB Stuttgart aussehen soll und was den Verein auszeichnet. Junge Wilde und das magische Dreieck konnten dem Klub wieder eine Identität geben, weil das auch der erfolgreiche VfB aus der Historie war. Jung und wild passt zu uns. Dazu gehört natürlich das Fußballspielen und nicht nur, böse formuliert, „den Bus zu parken“. Catenaccio war früher erfolgreich, in der heutigen Zeit dagegen nicht mehr. Die Arbeit gegen den Ball gehört für uns genauso dazu. Wir haben nicht einen Offensivspieler für die Bundesliga verpflichtet, sondern die Abwehrspieler Konstantinos Mavropanos, Pascal Stenzel, Waldemar Anton sowie die defensiven Mittelfeldspieler Wataru Endo, Naouirou Ahamada und Keeper Georg Kobel dazu geholt. Wir haben verstanden, wie wichtig es ist, eine defensive Stabilität zu haben. Das ist zum einen die Grundlage für Ballbesitzfußball, zum anderen für unser Umschaltspiel. Ich glaube, dass wir in puncto Umschaltspiel eine der besseren Teams der Liga sind. Wir haben extrem viel Speed.“




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