Sportfunktionär von den Fildern Thorsten Scheibler, der Tempomacher
Der frühere Bundesligaturner des TB Ruit ist für die Leistungs- und Nachwuchsförderung im Trampolinturnen zuständig – und will seinen Sport vorantreiben.
Der frühere Bundesligaturner des TB Ruit ist für die Leistungs- und Nachwuchsförderung im Trampolinturnen zuständig – und will seinen Sport vorantreiben.
Wenn Thorsten Scheibler beschreibt, wo er bei seiner Sportart Verbesserungsbedarf sieht und wodurch die Wahrnehmung seiner Meinung nach nicht die ist, die ihr gerecht würde, blitzt sein pantomimisches Talent auf. Zu steif geht es ihm gerade rund um den Kampfrichtertisch zu – und er demonstriert, was er meint. Für den außenstehenden Zuschauer ist vieles zu schwer zu verstehen. Dabei ist es eigentlich ein spektakulärer Sport. „Kürzlich ist nach einer Meisterschaft jemand auf mich zugekommen und hat gesagt, es sei echt langweilig gewesen. Er hatte Recht“, berichtet Scheibler. Andererseits sagt er das: „Ich brenne für diesen Sport.“ Das merkt man ihm auch deutlich an. Ab sofort kann der 46-Jährige noch besser mithelfen, das von ihm so geliebte Trampolinturnen voranzutreiben: Der Funktionär und Trainer des TB Ruit wurde ins Technische Komitee des deutschen Turnerbundes (DTB) gewählt und ist dort für die Leistungs- und Nachwuchsförderung zuständig.
Der Name Scheibler und das Trampolinturnen auf den Fildern sind eng miteinander verbunden. Vater Harry hat die Abteilung vor 41 Jahren gegründet, Thorsten Scheibler war zunächst Teil des Bundesligateams und ist nun als sportlicher Leiter Triebfeder einer Sparte, die kürzlich als – neben den Bundes- und Landesstützpunkten – einer von nur drei Vereinen in Deutschland mit dem Prädikat „Turntalentschule“ des DTB geadelt wurde. Seine Kinder Lillien und Jannick sind Kaderathleten.
Neben eben seiner Liebe zum Sport treiben Thorsten Scheibler ganz pragmatische Gründe an: „Man kann sich nicht beschweren und dann nicht versuchen, etwas zu ändern.“ Als die Stelle beim DTB vakant wurde, gab es in der Szene wohl einige, die das ähnlich sahen – aber eher Scheibler für den Richtigen auf der Position hielten. Eigentlich hat er ja bei seinem TBR – und im Beruf als Informatiker – genug zu tun. „Es hat mich schon gefreut, dass offensichtlich einige finden, dass ich eine gewisse Expertise für den Job habe“, sagt er. Die hat er sich unter anderem als Sportwart beim Schwäbischen Turnerbund (STB) erworben. Er wägte ab und stellte sich zur Verfügung. Bei der Wahl setzte er sich gegen eine Mitbewerberin durch.
Scheibler hat viel vor und viel vor sich. Nachdem es im Verband seit einiger Zeit keinen Bundesnachwuchstrainer mehr gibt, wird er auch Aufgaben in diesem Bereich übernehmen und eng mit Bundestrainerin Katarina Prokesova zusammenarbeiten. Aber auch an Strukturen möchte er ran. „Das Problem ist, dass sich unser Sport ganz langsam weiterentwickelt“, erklärt Scheibler und hat Sorge, dass das Trampolinturnen in der Konkurrenz zu gerade für das jüngere Publikum attraktive Sportarten aus dem Programm bei Olympischen Spielen fliegen könnte. Scheibler will Tempo reinbringen.
Dazu wurde Deutschland international in der Sportart abgehängt. „Etwas mehr Strenge“ wünscht er sich in der Ausbildung – will dabei auch angesichts der aktuellen Probleme bei den Kollegen des Gerätturnen aber keinesfalls falsch verstanden werden. Der Spaß am Sport steht für ihn an erster Stelle, aber Kaderathleten kommen um einen gewissen Trainingsfleiß nicht herum. Die Rahmenbedingungen dafür zu verbessern, ist eines von Scheiblers Themenfeldern.
Als Bundesligaturner war Thorsten Scheibler nach eigener Aussage einst keiner der Leistungsträger, aber durchaus ein wichtiger Teil der Ruiter Mannschaft. Als Teamplayer sieht er sich nun auch beim DTB und will gleichzeitig vorangehen. „Wie viel ich erreichen kann, muss man sehen“, sagt er und lacht. Am Feuer für die Aufgabe und vor allem für seinen Sport wird es nicht fehlen.