Sportgeschichte Alles eine Frage der persönlichen Sicht

Von Ulrike Amler 

Im Ditzinger Stadtmuseum läuft eine Sonderausstellung zur örtlichen Sportgeschichte.

Volkhart Weizsäcker, Nina Hofmann und    Ditzingens  Oberbürgermeister    Michael Makurath (von rechts) bestaunen die Exponate. Foto: Ulrike Amler
Volkhart Weizsäcker, Nina Hofmann und Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath (von rechts) bestaunen die Exponate. Foto: Ulrike Amler

Ditzingen - Für die einen ist es die schönste Nebensache der Welt, anderen bereitet schon der Gedanke an Sport körperlichen Schmerz. Noch bis zum 21. Oktober können Besucher ihren persönlichen Standpunkt im bunten Reigen von Vereinen, Sportarten und Disziplinen im Stadtmuseum Ditzingen bestimmen. „Der Wettbewerb in der Ausstellung bleibt außen vor“, betont die Kuratorin Nina Hofmann. Es gebe in dieser Ausstellung kein Siegertreppchen, sondern alle stünden auf der gleichen Stufe. „Der Sport hat einen großen Stellenwert im Ort und bewegt viele Menschen“, kommentiert auch Ditzingens Oberbürgermeister Michael Makurath die Ausstellung.

Das wird auch an den Exponaten deutlich. Die rund 70 Objekte, darunter so ungewöhnliche Stücke wie ein Tipp-Kick-Koffer, eine Urinprobe, Fliegenköder eines Sportanglers oder das Enduro-Motorrad des Paris-Dakar-Teilnehmers Jürgen Mayer sind Leihgaben von 37 Sportlern der Stadt. Darüber hinaus hat Nina Hofmann mit 20 Zeitzeugen persönlich gesprochen und spannende, heitere aber auch dramatische Geschichten aus persönlichen Biografien und Vereinen zusammengetragen. Ein dunkles Kapitel Ditzinger Sportgeschichte ist das Verbot des Arbeiter-Rad- und Kraftvereins „Frisch Auf“ und des Arbeiterturnerbundes im Jahr 1933 durch die NS-Regierung.

Schwimmen in der Glems

Aus dem Tagebuch für den Turnunterricht aus der Volksschule in Schöckingen ist zu entnehmen, welche Übungen die Jugendlichen bereits vor dieser Zeit zwischen 1911 und 1924 ausschließlich im Freien absolvierten. Hierzu gehörten regelmäßig militärische Disziplinen aber auch Schwimmen in der Glems und Schlittenfahren. Die über 90-jährige Ditzingerin Elfriede Bayer hat Nina Hofmann aus ihrem langen Sportlerleben berichtet und ebenfalls Ausstellungsstücke beigesteuert.

Wurde der Sport während des NS-Regimes politisch instrumentalisiert, so waren auch nach Kriegsende nicht alle Disziplinen automatisch wieder frei ausübbar. „Fechten zählte zu den militärischen Kampfsportarten“, berichtet Volkhart Weizsäcker, der Abteilungsleiter der TSF-Fechter, von seinen sportlichen Anfängen in seiner Heimatstadt Schwäbisch Hall: „Wir haben heimlich im Nebenraum eines Gasthofes trainiert, wo sich die alliierten Soldaten, ebenso unerlaubt, mit deutschen Mädchen getroffen haben“, sagt der Fechter schmunzelnd. Damit seien die jugendlichen Fechter und die Soldaten aufeinander angewiesen gewesen, sodass die jeweils anderen schwiegen. Ein historisches Florett und einen alten Treffermelder haben die Fechter zur Ausstellung beigetragen.

Nur ein Exponat aus städtischem Bestand

Diese lebt ganz wesentlich von den Sport-Objekten und ihrem Bezug zu den Menschen im Ort. Nina Hofmann berichtet von den Schwierigkeiten, aus dem eigenen Archiv eine solche Ausstellung zu bestreiten. Genau ein Objekt, ein Tennisschläger, stamme aus dem städtischen Bestand. „Mehr gibt das Depot seit dem Hochwasser 2010 nicht mehr her und die Sammlung ist kaum mehr für Ausstellungen zu gebrauchen“, bedauert Hofmann und appelliert an die Ditzinger Bürger, solche Dokumente nicht achtlos wegzuwerfen sondern dem Stadtmuseum zu überlassen.

„Dem Sport kann sich niemand entziehen“, sagt die die Ausstellungsgestalterin Nina Hofmann, die sich selbst für einen erklärten Sportmuffel hält. Dennoch bringt sie die Besucher in Bewegung, die an den Ausstellungsstücken lediglich Objektnummern vorfinden und sich für jedes Exponat wenige Meter bis zur Erklärung bewegen sollen.

„Am Sport kommt niemand vorbei“, ist die Leiterin des Museums überzeugt. In der Mode tragen wir Sneaker und selbst beim Lümmeln auf dem Sofa eine Jogginghose. Sportler werben für Rasierer, Mineralwasser oder Chips, und selbst im Sprachgebrauch benutzen wir immer wieder Redewendungen, die aus dem Sport stammen. Dem könne man sich gar nicht entziehen, und überhaupt sehe man an den Definitionsversuchen von Sport, dass dieser sehr fließend in den Alltag hineinreiche, so Hofmann, ob man Sport nun persönlich möge oder nicht.




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