Sportgymnastik Als Team ist Deutschland am besten platziert

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Die Jüngere übertrifft die Erfahrene: Margarita Kolosov vom Bundesstützpunkt in Schmiden patzt bei den ersten Juniorinnen-Weltmeisterschaften in Moskau, dafür überzeugt ihre Trainingsgefährtin Darja Varfolomeev.

Die Nationalgruppe mit Alina Oganesyan, Daniella Kromm, Regina Stoljartschuk, Julia Wolf und Hanna Zernickel wird in Russland Zehnte im Mehrkampf. Foto: Eva Herschmann
Die Nationalgruppe mit Alina Oganesyan, Daniella Kromm, Regina Stoljartschuk, Julia Wolf und Hanna Zernickel wird in Russland Zehnte im Mehrkampf. Foto: Eva Herschmann

Moskau - Bei den ersten Juniorinnen-Weltmeisterschaften am Wochenende in Moskau erwischte Margarita Kolosov, die Gymnastin vom SC Potsdam, die seit mehr als zweieinhalb Jahren im Bundesstützpunkt in Schmiden trainiert, zwei rabenschwarze Tage. Als am Sonntag die Gerätefinals geturnt wurden, blieb der 15-Jährigen, wie allen deutschen Gymnastinnen auch, nur die Rolle der Zuschauerin.

Die erst zwölfjährige Darja Varfolomeev vom TSV Schmiden, die für Deutschland mit den Keulen an den Start gegangen war

Die Erfahrenere im deutschen Team, die mit einer Finalteilnahme geliebäugelt hatte, holte als Siebzehnte in der Qualifikation mit dem Band ihre beste Platzierung. Mit dem Ball wurde Margarita Kolosov 18., mit dem Seil nur 31. Die erst zwölfjährige Darja Varfolomeev vom TSV Schmiden, die für Deutschland mit den Keulen an den Start gegangen war, erzielte mit dem 15. Rang die beste Platzierung im Einzelklassement und weinte Tränen der Erleichterung und Freude. „Sie hat anders als alle anderen in Moskau gezeigt, was sie kann“, sagte Isabell Sawade, Teamchefin für Rhythmische Sportgymnastik beim Deutschen Turner-Bund (DTB). Denn auch mit den Leistungen der Juniorinnen-Nationalgruppe war Isabell Sawade nicht restlos zufrieden, obwohl das Team im Mehrkampf mit fünf Reifen und fünf Bändern Platz zehn holte. „Die Mädchen können es besser“, sagte die DTB-Teamchefin.

Beim Qualifikationswettkampf für die Weltmeisterschaften im Mai war Margarita Kolosov die dominierende Gymnastin gewesen. Mit großem Vorsprung hatte sie damals in der Sporthalle in Schmiden die Wertungen mit allen Einzelgeräten gewonnen. Darja Varfolomeev hingegen hatte sich erst bei den deutschen Meisterschaften in Nürnberg im Juni gegen Anna Shenenko (TSV Bayer 04 Leverkusen) im Kampf um das zweite Ticket für die ersten globalen Titelkämpfe der Juniorinnen mit 129 Einzel-gymnastinnen aus 57 Ländern durchsetzen können.

Was mit Margarita Kolosov los war, erschloss sich den Fans und der Stützpunktleiterin von den Zuschauerrängen aus nicht

Die Haupt- und Nebenrollen waren im Vorfeld klar verteilt. Vor Ort turnte sich dann Darja Varfolomeev in ihrem ersten Jahr bei den Juniorinnen in den Mittelpunkt. Die Newcomerin, die im Herbst 13 Jahre alt wird, überraschte mit einem beherzten Auftritt am Samstag. Für ihre fehlerfreie Darbietung mit den Keulen bekam Darja Varfolomeev, seit vergangenem September in Schmiden, 16,050 Punkte. „Darja war einfach grandios. Sie hat die Fläche gerockt wie eine Große und kommt jetzt nicht mehr aus dem Strahlen heraus“, sagte Kathrin Igel, die mit einer großen Gruppe von Eltern und Verwandten der Nachwuchs-Gymnastinnen in die russische Hauptstadt gereist war.

Was mit Margarita Kolosov los war, erschloss sich den Fans und der Stützpunktleiterin von den Zuschauerrängen aus nicht. „Sie schien mir beim ersten Gerät, dem Seil, sehr nervös zu sein“, sagte Kathrin Igel, die keine andere Erklärung für die Unsicherheiten und Patzer hatte. Mit versteinerten Mienen nahmen die Gymnastin und ihre Trainerin Yuliya Raskina die Note von 12,900 für die Seilübung zur Kenntnis. Mit dem Ball meisterte Margarita Kolosov die Schwierigkeiten ohne grobe Fehler. Ihr fehlte aber auch jene Überzeugungskraft, die ihr sonst zu eigen ist – 16,125. Die Qualifikation mit dem Band am Samstag war für die fünffache deutsche Meisterin die letzte Chance auf ein weltmeisterliches Gerätefinale. Doch Sekunden vor Ende der Übung entglitt ihr der Stab – 14,450. So richtig verstand Margarita Kolosov selbst nicht, was da passiert war. „Die Vorbereitung lief richtig gut, ich habe mich auch gut gefühlt, nicht übertrieben aufgeregt, aber dann kamen die Fehler, und woher die kamen, weiß ich nicht. Ich finde es schade, dass ich es nicht geschafft habe, mich so zu präsentieren, wie ich bin.“

Weltmeister mit fünf Reifen und fünf Bändern wurden die Russinnen

Die Juniorinnen-Gruppe, die ebenfalls im Schmidener Stützpunkt trainiert und für den TSV startet, war am Freitag mit einer soliden Übung und einem zwölften Platz mit den Reifen in den weltmeisterlichen Mehrkampf der 32 Nationalteams gestartet. Mit fünf Bändern patzten Kapitänin Hanna Zernickel, Alina Oganesyan, Daniella Kromm, Regina Stoljartschuk und Julia Wolf zweimal und wurden 15. In der Gesamtwertung war das der zehnte Platz, weil es nur wenigen Teams gelang, zwei fehlerfreie Übungen zu präsentieren.

Weltmeister mit fünf Reifen und fünf Bändern wurden die Russinnen. Auch die Einzeltitel blieben ausnahmslos in Russland. Anastasia Simakova gewann das Finale mit dem Seil, Dariia Sergaeva das mit Band und Lala Kramarenko holte die Titel mit Keulen und Ball. Die Fehlerserie indes setzte sich auch bei den Besten fort. „Die Küren sind alle toll, aber sie werden auch immer riskanter“, sagte Kathrin Igel.