Sportgymnastin aus Fellbach Die Nixe aus der Wasserhalbkugel

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Christina Tschernischew zeigt Akrobatik in einem Wasseraquarium. Die ehemalige Rhythmische Sportgymnasiastin aus Fellbach holt sich dabei auch mal blaue Flecken.

Christina Tschernischew  fabriziert eine Wasserfontäne über der Halbkugel. Foto: Brigitte Hess
Christina Tschernischew fabriziert eine Wasserfontäne über der Halbkugel. Foto: Brigitte Hess

Fellbach - Vor dem Handstand hat sie Respekt. „Den haben wir in der Rhythmischen Sportgymnastik nie trainiert“, sagt Christina Tschernischew. Erschwerend kommt hinzu, dass sie sich direkt aus dem Handstand kopfüber in freiem Fall in eine wassergefüllte Plexiglashalbkugel stürzen soll. Das Training hat ihr schon einige blaue Flecken beschert. Bis im vergangenen Jahr war Tschernischew Mitglied der Deutschen Nationalmannschaft im Bundesstützpunkt Rhythmische Sportgymnastik in Schmiden. Eine angeborene Fehlstellung der Hüfte machte sich beim Leistungssport schmerzhaft bemerkbar und zwang sie, ihre Karriere zu beenden.

Gerade bereitet sich die 20-Jährige, die in Fellbach lebt, auf ihr Fachabitur vor, später will sie Betriebswirtschaft oder Steuerrecht studieren. Aber auch von Sport und Show will sie sich nicht vollständig verabschieden. In Schmiden hat sie Vitaliy Peresunchak kennen gelernt, dessen Tochter Alica ebenfalls am Stützpunkt turnt. Peresunchak betreibt in Fellbach die Firma „Art und Show“, er kreiert und vermittelt weltweit spektakuläre akrobatische Events. Beispielsweise das „Aquarium Amazonia“, wie er die Wasserhalbkugel samt Nixe nennt.

Christina Tschernischew und ihr Trainer Vitaliy Peresunchak. Foto: Brigitte Hess
Gemeinsam mit einem Kompagnon hat er sie noch in seiner Heimatstadt Moskau entwickelt. Mehrere junge Frauen treten weltweit mit dieser Show auf, Christina Tschernischew soll bald dazugehören. Sowohl als Solistin, als auch mit einer Twin (also Zwillings-)Nummer. Da bewegen sich zwei junge Frauen in dem Wasseraquarium. „Ich nehme nur die besten Artistinnen und bin immer auf der Suche nach der besonderen Show“, sagt Peresunchak. Das Aquarium Amazonia war bereits im Moulin Rouge in Paris und in Las Vegas zu sehen, auch der berühmte „Cirque du Soleil“ hat die Rechte für die Wasserhalbkugel bei Vitaliy Peresunchak erworben.

Bereits gute zehn Mal haben Christina Tschernischew und Vitaliy Peresunchak im Sportbereich des F3 trainiert. „Ich bin sehr froh, dass wir hier üben können“, sagt der Trainer. Zum Dank ist er mit seinem Aquarium Amazonia schon mal während der langen Saunanacht aufgetreten – und bei der diesjährigen Sportlerehrung.

Bis Christina Tschernischew so weit sein wird, dass sie auftreten kann – das dauert noch einige Wochen. Ihr Trainer arbeitet gerade an einer Choreografie, auch ein Kostüm muss entworfen und geschneidert werden.

100 Mal üben steht auf dem Programm

Und „noch 100 Mal üben“ steht ebenfalls auf dem Programm. Dazu wird die Plexiglashalbkugel, die etwa zwei Meter Durchmesser hat, per Pumpe mit 30 Grad warmem Wasser gefüllt. Alleine dieser Füllvorgang dauert eine gute halbe Stunde. Christina Tschernichew turnt sich in der Zwischenzeit warm. „Was machst denn Du da?“, fragt ein kleines Mädchen und schaut fasziniert den Verrenkungen der Gummifrau zu. Christina Tschernischew lacht, sie ist es gewohnt, Aufsehen zu erregen. Routiniert zieht sie ihr Aufwärmprogramm durch, dann übt sie gemeinsam mit ihrem Trainer den Handstand auf einer kleinen Plattform am Rand der Halbkugel.

Und lässt sich in freiem Fall kopfüber in ihr Aquarium gleiten, schnellt auf der anderen Seite wieder an die Luft – und die Wasserfontäne aus ihren langen Haaren bildet einen perfekten Bogen über der Wasserhalbkugel.




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