Die GSG-Sporthalle wird für die Belegung mit Geflüchteten in Betracht gezogen. Im Bezirk ist der Unmut groß Foto: Caroline Holowiecki
In Stuttgart ist die mögliche Belegung von Sporthallen mit Geflüchteten in den Fokus gerückt. Betroffen wäre auch die Halle des Geschwister-Scholl-Gymnasiums. Nun haben sich Bezirksbeiräte, Schulgemeinschaft und Vereine deutlich positioniert.
Caroline Holowiecki
27.10.2023 - 09:10 Uhr
Seit in Stuttgart die Belegung von Turn- und Versammlungshallen mit Geflüchteten in Betracht gezogen wird, ist die Aufregung in der Stadt groß. Zunächst hieß es, die Verwaltung müsse sechs Hallen vorbereiten, um dort alsbald geflüchtete Menschen einzuquartieren, dann war aus dem Rathaus zu vernehmen, der Plan sei vorerst gestoppt, da kurzfristig anderweitig Unterkünfte für Hunderte Menschen aufgetan werden konnten.
In Sillenbuch traut man dem Frieden nicht. Im Bezirk wäre die Sporthalle des Geschwister-Scholl-Gymnasiums (GSG) betroffen. Mit rund 1000 Kindern und Jugendlichen ist es eine der größten Schulen in der Landeshauptstadt. „Man muss damit rechnen, es ist noch nicht vom Tisch“, sagte der Bezirksvorsteher Hans Peter Klein in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats. Dort hatten die Lokalpolitiker über die mögliche Belegung mit Geflüchteten zu befinden, und die Positionierung ist klar: Die Fraktionen lehnen das unisono ab. Nicht nur sei eine Halle als Behausung ungeeignet, auch „erachten wir es als nicht zielführend, dass dem Sport im Kinder- und Jugendbereich nun erneut eine massive Einschränkung droht“, heißt es in einem gemeinsamen Beschluss.
Annette Homberg, Elternbeiratsvorsitzende am GSG Foto: Holowiecki
Auch die Schulgemeinschaft und Vereine stemmen sich gegen die Planungen. „Die Schüler haben ein Recht auf Bildung, Sport und Teilhabe“, sagte Annette Homberg, die Elternbeiratsvorsitzende, in der Sitzung. Ob der Stadt wirklich keine Alternativen blieben, zog sie in Zweifel, stattdessen pochte sie auf Kinderrechte und Generationenverantwortung. „Ultima Ratio, das ist ein großes Wort.“
Umnutzung der Halle würde Probleme für die Schule mit sich bringen
Der Schulleiter Andreas Hamm-Reinöhl legte in der Sitzung dar, welche Probleme eine mögliche Umnutzung der Halle mit sich bringen würde. Von den 100 Schulsportstunden, die pro Woche dort stattfänden, könne man allenfalls drei Fünftel in andere Sportstätten verlegen. Ebenso sei unklar, was mit den Kindern geschehe, die wegen ausgefallener Sportstunden anderweitig betreut werden müssen. „Ich wüsste nicht, wohin ich die Kinder stecken soll“, sagte er.
Die Elternvertretung hat sich ebenso in einem offenen Brief an diverse Politiker gewandt wie der TSV Heumaden. Dort und im SV Sillenbuch trainieren in Summe knapp 5000 Menschen. Vor allem Handball, Volleyball und Basketball finden in der GSG-Halle statt. Kinder und Erwachsene wären betroffen. „Wir haben keinerlei Alternativen. Das würde heißen, dass diese Sportarten nicht mehr gemacht werden können“, sagte Matthias Schneider, der TSV-Vorsitzende, in der Sitzung.
Gemeinsame Sitzung aller Bezirksbeiräte
Stadtweit ist der Gegenwind enorm, auch in Birkach oder Weilimdorf beispielsweise haben sich die Bezirksbeiräte bereits entschieden gegen eine Umnutzung ihrer Hallen als Flüchtlingsunterkünfte positioniert. Am 9. November sollen sämtliche Lokalgremien in einer gemeinsamen Sitzung zusammenkommen. In Sillenbuch hat man sich derweil Alternativen überlegt und Container ins Spiel gebracht – auf jenen Flächen beim GSG und auch an der Gorch-Fock-Straße, die bereits in der Vergangenheit derartig genutzt worden waren, oder auch auf dem Parkplatz am Ostfilderfriedhof. Ebenso seien zunächst freie Plätze im Bezirk zu nutzen. Laut einem Schreiben aus dem Sozialamt an die Sillenbucher Fraktionen waren Ende September 77,6 Prozent der Plätze in den sieben Unterkünfte im Bezirk belegt. Alles in allem ist der Unmut über das Vorgehen der Stadt groß, zumal die Lokalpolitiker augenscheinlich aus der Presse von den Plänen erfahren haben. Philipp Kordowich (CDU) etwa sprach von einer „hilflosen Aktion, schlecht geplant und schlecht kommuniziert“. Und weiter: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg. Den muss die Stadt jetzt finden.“