Sportholzfällerin aus Neuffen Mit Axt und Säge zur Meisterschaft

Nadine Münzenmaier aus Neuffen kam vom Reitsport zum Sportholzfällen. Die Präzision mit der rasierklingenscharfen Axt ist Münzenmaiers Ding. Foto: Horst Rudel
Nadine Münzenmaier aus Neuffen kam vom Reitsport zum Sportholzfällen. Die Präzision mit der rasierklingenscharfen Axt ist Münzenmaiers Ding. Foto: Horst Rudel

Nadine Münzenmaier ist Sportholzfällerin aus Leidenschaft. Die Landwirtin, die für die Uni Hohenheim auf einem Versuchsbauernhof arbeitet, misst sich am kommenden Wochenende mit Deutschlands besten Frauen.

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Neuffen - Ihre Eltern blickten sie ungläubig an, als Nadine Münzenmaier ihnen vor rund zwei Jahren von ihrer neuen Leidenschaft berichtete. Die 30-jährige Landwirtin aus Neuffen hatte bis dato dem Reitsport gefrönt und auch schon mal für den Bäuerinnenkalender posiert. Wahrscheinlich fiel es den Eltern schwer, sich vorzustellen, dass sich die schöne Blonde nun mit Axt und Motorsäge an Holzstämmen abarbeiten wolle. Doch die Tochter wollte und blieb dabei.

Zwei Jahre sind seitdem vergangen, und die 30-Jährige hat es geschafft, sich für die deutsche Meisterschaft zu qualifizieren. Mit Axt, Motor- und Handzugsäge misst sie sich am Samstag, 18. August, im bayrischen Deggendorf bei der deutschen Meisterschaft der Stihl-Timbersports Series mit den besten Frauen.

Sportholzfällen ist in Deutschland ein Nischensport

Auf einer Messe hat sie vor zwei Jahren Feuer gefangen. Es war noch nicht so lange her, dass die langjährige Reiterin ihr krankes Pferd hatte einschläfern lassen müssen. „Ich wollte danach ein neues Hobby“, erinnert sie sich. Nachdem sie zufällig eine Vorführung im Sportholzfällen gesehen hatte, meldete sie sich im Februar 2017 für ein Schnuppertraining an. „Ich bin dort mit einem Riesengrinsen rausgegangen. Danach war klar, dass ich das machen möchte“, sagt die Landwirtin, die für die Universität Hohenheim auf einem Versuchsbauernhof arbeitet.

Während das Sportholzfällen in Deutschland ein Nischensport ist, hat es in Kanada, Neuseeland und den USA eine lange Tradition. Bei den Männern gibt es sechs Disziplinen, die Frauen haben drei: Stock Saw, Underhand Chop und Single Buck. Bei der Stock Saw, einer Stihl MS 661, einer handelsüblichen Motorsäge, müssen die Sportlerinnen von einem waagerecht befestigten Holzstamm mit einem Abwärts- und einem Aufwärtsschnitt zwei Holzscheiben in möglichst kurzer Zeit absägen.

Beim Single Buck gilt es, mit einer circa zwei Meter langen Handsäge eine Holzscheibe von einem horizontal befestigten Block abzusägen. Und beim Underhand Chop, Münzenmaiers Lieblingsdisziplin, wird das Zerteilen eines bereits gefällten Baumes simuliert. Der Sportler steht auf einem etwa einen Meter langen und rund 50 Zentimeter dicken Holzblock, der von beiden Seiten mit einer Axt durchschlagen werden muss. Die europäischen Bestzeiten des Underhand Chop liegen bei unter 20 Sekunden. Die Präzision mit der rasierklingenscharfen Axt ist Münzenmaiers Ding.

Viermal Training pro Woche

Doch an dem Sport fasziniert sie noch weitaus mehr. Um mit den schweren Sportgeräten hantieren zu können, brauche man Kraft, Kondition und Technik. „Zwei linke Hände sind fehl am Platz“, betont sie. Dafür trainiert Münzenmaier viermal die Woche mit den Geräten auf dem elterlichen Hof. „Zu wenig“, sagt sie. Eigentlich sollte sie noch ins Fitnessstudio, doch dafür reiche die Zeit momentan nicht. Nach Feierabend gilt es, im Familienbetrieb mit anzupacken, denn dort sei man mitten in der Ernte.

Sportliche Ziele hat die Newcomerin auch: Einmal aufs Treppchen, das wäre schon eine schöne Sache. „Dieses Jahr ist dies noch ein Traum, aber in Zukunft ist es machbar“, sagt sie. Abwegig ist dies nicht, denn in Deutschland üben diesen Sport nur wenige Frauen aus. In Deggendorf hat sie lediglich sieben Konkurrentinnen und gibt sich daher kämpferisch. „Ich werde natürlich mein Bestes geben.“




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