Er wohnt in Köln, weil er am dortigen Olympiastützpunkt die besten Trainingsbedingungen habe. Aber Fellbach ist für Sven Heinle noch immer ein Stück Heimat. Dass er bei der Fellbacher Friedenskonferenz am 22. Juni auf dem Podium dabei ist, ist für ihn Ehrensache. Über das Konferenzmotto „Sport und Frieden“ macht er sich ohnehin Gedanken. Er lebt die Werte des Judo – und hat auch eine klare Meinung zur Fußball-WM in Katar.
Herr Heinle, sind Sie ein friedlicher beziehungsweise friedliebender Mensch?
Ja, sehr. Durch meinen erst neun Monate alten Sohn ist mit das noch viel bewusster geworden.
Als Sportler sind Sie auch oft im Ausland unterwegs. Hat Sport für Sie eine Frieden stiftende Funktion, weil er Völker zusammenbringt?
Ganz klar ja, vor allem Judo geht dort mit gutem Vorbild voran. Nehmen wir zum Beispiel den Fall Said Mollai, der seine komplette sportliche Karriere riskiert, um nicht unter den negativen iranischen Regeln und Bedingungen kämpfen zu müssen.
Die Bundeswehr ist dafür da, ihre Bürger zu schützen. Ist das auch friedenstiftend?
Definitiv, gerade in friedlichen Zeiten sorgt die Bundeswehr auch mit ihrer Hilfe etwa bei Umweltkatastrophen für Ordnung und schnelle Hilfe und somit wirkt sie friedenstiftend.
Wie sehen Sie Ihre Rolle – zum einen als Sportler und zum anderen auch als Sportsoldat?
Ich repräsentiere Deutschland beziehungsweise die Bundeswehr im In- und Ausland. Gerade als Sportsoldat kommt mir hierbei eine besondere Aufgabe zu. Und zwar als „Bürger in Uniform“, wobei mein Judoanzug in dem Fall meine Uniform ist. Ich bin stets freundlich und behandle alle meine Gegner mit größtem Respekt, egal aus welchem Land sie kommen.
Mal kurz zum Fußball: die Wüsten-Weltmeisterschaft in Katar wird begleitet von Boykott-Aufrufen – können Sie das nachvollziehen?
Natürlich sind die Menschenrechtsbedingungen in Katar nicht mit denen in Europa zu vergleichen. Dennoch bin ich der Meinung, dass Politik nicht auf dem Rücken der Sportler auszutragen und zu machen ist. Somit sollte man die Fußball-Weltmeisterschaft auch nicht boykottieren. Denn für viele Spieler wird diese Weltmeisterschaft das sportliche Highlight ihres Lebens, auf das sie Jahre lang hin trainiert haben. Für diesen speziellen Fall hätten vorherige Schritte von Verbänden überdacht werden müssen.
Bringt Ihnen persönlich der Sport Frieden und wenn ja, durch was?
Das will ich beantworten, indem ich kurz die Werte der Sportart Judo ins Spiel bringe, die ich, ebenso wie fast alle Judoka auf der ganzen Welt, immer auslebe. Das wären unter anderem: Respekt, Höflichkeit und Selbstbeherrschung.
Judo funktioniert nach dem Prinzip „Siegen durch Nachgeben“. Kann das Motto die Lösung sein, um generell friedlich miteinander umzugehen?
Im Kleinen und Privaten sicherlich ja. Dennoch kann man drastische Menschenrechtsverletzungen nicht mit Nachgeben und Wegschauen lösen oder abschaffen.
Wie kamen Sie eigentlich zu ihrer Sportart, die Ihr Leben bestimmt?
Durch meinen älteren Bruder. Was er wollte, wollte ich damals natürlich auch machen.
Sie haben mal gesagt, dass Sie nach Ihrer sportlichen Karriere Berufssoldat bleiben wollen. Was gefällt Ihnen an den militärischen Strukturen?
Eine klare Hierarchie bringt einige Vorteile mit sich. So gibt es klare Ansprechpartner für jedes Problem. Des Weiteren macht das einheitliche, kameradschaftliche Auftreten es möglich, dass jeder Soldat ohne große Einarbeitung in seinem Bereich, egal wo in der Bundeswehr, schnellstmöglich einsatzbereit und handlungsbereit ist.
Und was bringt Ihnen in der Freizeit – außer dem Sport – Frieden? Ein gutes Buch, das Grillen mit Freunden?
Ja, Grillen ist einfach toll. Ich liebe das klassische amerikanische Barbecue. Bei der Garmethode muss man viel Zeit mitbringen. Aber BBQ lohnt sich dann auch definitiv. Dort heißt es nicht umsonst „low and slow“. Aber die größte Zufriedenheit bringt es mir aktuell, nach einem harten Training nach Hause zu kommen zu meiner Freundin und meinem Sohn.
Sport bestimmt sein Leben
Karriere
In Fellbach ist er aufgewachsen, dort begann auch die Karriere von Sven Heinle als Judokämpfer. Der im Jahr 1992 geborene Sportler kommt immer noch gern in die alte Heimat – beispielsweise, um Brezeln zu genießen, die für ihn besser schmecken als im Rheinland. Und wenn er für den KSV Esslingen in der Bundesliga auf die Matte steigt, schaut er auch daheim vorbei. Sven Heinle ist ein kräftiger Athlet, 1,87 Meter groß und bringt zwischen 122 und 127 Kilogramm auf der Waage.
Erfolge
Sven Heinle hat viel in seinen Sport investiert. Er besuchte in Stuttgart die Cotta-Realschule, eine Eliteschule des Sports, um noch mehr trainieren zu können, und hat schon früh immer eine Klasse höher gekämpft. Um eine gute Förderung zu bekommen, ist er zur Bundeswehr gegangen – derzeit im Rang eines Oberfeldwebels. Sportsoldat ist Sven Heinle bereits seit dem Jahr 2012. Das Engagement hat sich gelohnt, wie seine Erfolge zeigen. 2015 landete er auf dem siebten Platz bei der WM, 2016 belegte er Platz zwei beim Grand Prix in Zagreb. 2018 wurde er Europameister im Mixed Team in Ekaterinburg und Dritter bei den European Open in Oberwart.