Sportler des Jahres 2025 Leo Neugebauer – so feiert der König der Athleten seine Krönung

König der Athleten: Leo Neugebauer, der Sportler des Jahres 2025, liebkost die Trophäe. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Leo Neugebauer ist Deutschlands Sportler des Jahres. Der Zehnkampf-Weltmeister vom VfB ist bei der Gala in Baden-Baden in seinem Element – und hat weiterhin hohe Ziele.

Sport: Jochen Klingovsky (jok)

Je intensiver die Party wurde, umso weniger zählte im noblen Kurhaus von Baden-Baden die Etikette. Als viele Damen ihre hochhackigen Schuhe nicht mehr an den schmerzenden Füßen trugen, sondern längst in den Händen, drehte Leo Neugebauer richtig auf. Gegen 2.30 Uhr bewies der Zehnkampf-Weltmeister, dass er nicht nur in Leichtathletik-Stadien über einen langen Atem verfügt. Er überragte auf der Tanzfläche des zur Disco umfunktionierten Raumes alle anderen Tänzer um einen Kopf, zeigte sein Rhythmusgefühl, erfüllte nebenher noch den einen oder anderen Selfie-Wunsch und ließ sich feiern – für einen Titel, der für ihn eine enorm hohe Bedeutung hat.

 

Sportler des Jahres zu sein, ist absolut crazy“, hatte der Leichtathlet vom VfB Stuttgart vier Stunden vorher während der Pressekonferenz erklärt, „höher geht’s nicht mehr in Deutschland.“ Und glanzvoller auch nicht.

Laudator Frank Busemann lobt Leo Neugebauer

Der Bénazetsaal im Kurhaus war noch festlicher geschmückt als sonst, und Leo Neugebauer ein wichtiger Teil der ZDF-Inszenierung. Vor der Verkündung der Ergebnisse bei den Männern saß er auf der Showtreppe neben Frank Busemann. Der frühere Zehnkämpfer und TV-Experte kam aus dem Schwärmen nicht mehr heraus, als er an den Wettkampf im September in Tokio erinnerte, an dessen Ende der Mann aus Leinfelden-Echterdingen den WM-Titel gewonnen hatte. „Die 1500 Meter zum Schluss, das war endlich Laufen, nicht mehr Joggen“, sagte der Laudator mit einem Augenzwinkern, „das hatte Willen, das hatte Kraft. Erst Olympia-Silber und dann WM-Gold zu gewinnen, ist verdammt schwer. Das kann nur ein König der Athleten.“ Die offizielle Krönungszeremonie folgte nun in Baden-Baden.

Der Moment des Triumphes: Leo Neugebauer mit ZDF-Moderatorin Lena Kesting und seinem Vater Terence. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Bei der Abstimmung von rund 3000 deutschen Sportjournalisten lag Leo Neugebauer um einiges deutlicher vorne als im WM-Zehnkampf von Tokio. Er erhielt 2343 Punkte, gewann damit klar vor Schwimmer Florian Wellbrock (1377), der bei der Freiwasser-WM in vier Rennen viermal Gold geholt hatte, und dem Laichinger Radprofi Florian Lipowitz (1140), der bei der Tour de France sensationell aufs Podium gefahren war. Und noch ein zweiter Athlet vom VfB Stuttgart landete unter den Besten: Para-Leichtathlet Niko Kappel, der Weltmeister im Kugelstoßen, belegte Rang neun. Als das Ergebnis verkündet worden war, erhoben sich die Gäste im Kurhaus und bekundeten Leo Neugebauer mit lautem Beifall ihren Respekt. Der Zehnkämpfer, der am Tag vor der Gala aus seiner Wahlheimat Austin/Texas eingeflogen war, legte die rechte Hand aufs Herz, verbeugte sich tief, zeigte die Siegerfaust und sagte: „Was für ein geiler Moment!“ Der auch seinen Vater rührte.

Terence Neugebauer: „Stolzer könnte ich nicht sein.“

Terence Neugebauer, der seinem Sohn auf der Bühne die Sportler-des-Jahres-Trophäe überreicht hatte, war bei der anschließenden Feier ein gefragter Mann. „Stolzer könnte ich nicht sein, ich bin sein größter Fan“, sagte der Ex-Fußballer beim Interview mit unserer Zeitung an der Biertheke, „als Leo noch ein kleiner Junge war, wollte ich, dass er ebenfalls Fußballer wird. Zum Glück kam es anders. Heute steht er auf der größten Bühne der Welt.“ Auf der er sich gekonnt und gewohnt locker zu bewegen wusste.

Leo Neugebauer strahlte mit den Scheinwerfern um die Wette, war der mit Abstand meistfotografierte Mann des Abends und um keine Antwort verlegen – selbst als er in der Pressekonferenz nach seinem Dating-Verhalten gefragt wurde. „Ich investiere viel Zeit ins Training und meine Social-Media-Aktivitäten, da bleibt kaum Freiraum“, sagte der Leichtathlet, der die goldene Trophäe während der Runde mit den Journalisten nicht einen Moment aus der Hand gab. Um anschließend noch einmal den Wert dieses Preises hervorzuheben: „Ich bin gesegnet, es fühlt sich an wie ein Traum. 2023 wurde ich hier in Baden-Baden als Newcomer des Jahres ausgezeichnet, nun schließt sich der Kreis. Die Leichtathletik hat mir jetzt schon unglaublich viel gegeben, ich weiß gar nicht, was nun noch kommen soll.“ Sein Vater schon.

Noch während sein Sohn einen der größten Triumphe seiner Karriere feierte, dachte Terence Neugebauer bereits nach vorne – und an die glänzende Perspektive des 25-jährigen Zehnkämpfers. Zwei große Ziele, meinte er, habe dieser vor Augen: die 9000-Punkte-Marke und am besten auch noch den Weltrekord, den der Franzose Kevin Mayer vor sieben Jahren aufstellte (9126), zu knacken. Und 2028 in Los Angeles Olympia-Gold zu gewinnen. „Ich bin mir ganz sicher, dass er beides schaffen kann“, sagte Terence Neugebauer, der große Druck aber sei weg: „Wenn er es nicht schafft, hat er in seiner Karriere trotzdem enorm viel erreicht.“

Das galt schon vor der Sportlerwahl-Gala in Baden-Baden, bei der bis tief in die Nacht gefeiert wurde. Und seither erst recht.

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