Uhingen - Die Arbeiten gehen weiter. Am vergangenen Freitag hat der Uhinger Gemeinderat mehrheitlich beschlossen, seinen neuen Kunstrasenplatz am Haldenberg, der momentan gebaut wird, mit Plastikgranulat befüllen zu lassen. Die Kritiker des mittlerweile umstrittenen Materials, vor allem die Stadträte der Unabhängigen Bürger Uhingen (UBU), befürchten, dass die Befüllung schon bald verboten wird und dann ausgetauscht werden muss. Dadurch entstünde ein finanzieller Schaden und obendrein würde die Umwelt auch noch mit Tonnen von Plastikmüll belastet. Besser sei es, den Platz mit Kork oder Sand füllen lassen.
„Niemand will die Umwelt unnötig schädigen“, versicherte indes der Uhinger Bürgermeister Matthias Wittlinger. Doch wer überhaupt kein Mikroplastik mehr in die Umwelt bringen wolle, der müsse auch sein Auto stehen lassen, sagte er. Die Menge an Mikroplastik, die von dem Sportplatz in die Umgebung gelangen werde, werde äußerst gering sein. Bei einer Korkfüllung befürchtet die Stadtverwaltung laut der Sitzungsvorlage unter anderem, dass das Material bei Regen davonschwimmt. Und eine Sandfüllung berge bei Stürzen eine vergleichsweise hohe Verletzungsgefahr durch die Reibeffekte.
Wittlinger: Der Kunstrasenplatz wird sehnsüchtig erwartet
Sollte das Granulat, wie von der EU vorgesehen, verboten werden, könne es immer noch ausgetauscht werden. Die Kosten dafür werden in der Sitzungsvorlage mit rund 40 000 Euro für Sand und 60 000 Euro für Kork angegeben. Bis jetzt sei aber noch keine Entscheidung getroffen worden, ob das Kunststoffgranulat vom Jahr 2022 an tatsächlich von allen bestehenden Plätzen entfernt werden müsse, betonte Wittlinger. Der Schultes warb daher eindringlich für die Planungen mit dem Granulat. „Jede andere Entscheidung wäre ideologisch, aber nicht fachlich begründet“, fand er. Der Spielbetrieb sei bereits von November an geplant, weshalb der Kunstrasenplatz von den Vereinen und Schulen sehnsüchtig erwartet werde.
Für die Freien Wähler (FE) berichtete der Stadtrat Steffen Handschuh über die Erfahrungen, die in Eschenbach mit einem neuen Granulat-Sportplatz gemacht worden seien. „Die Nutzer sind begeistert und schwärmen alle von diesem Platz“, sagte Handschuh. Und der Verlust an Granulat über die Schuhe, die Kleidung oder durch den Wind sei ausgesprochen gering. „Es liegt kein Granulat außerhalb des Platzes“, versicherte er.
Verwaltungsgericht weist Eilantrag gegen Sportplatzbau zurück
Für die SPD erklärte die Fraktionssprecherin Susanne Widmaier: „Wir müssen erst einmal abwarten, welche Alternativen noch entwickelt werden. Aber das wird noch Jahre dauern.“ Der Platz sollte daher wie geplant realisiert werden, fand sie. Und irgendwann könne das Material immer noch ausgetauscht werden.
Während sich die anderen Vertreter des Uhinger Gemeinderats mehrheitlich der Argumentation der Verwaltung anschlossen, stimmten die neu gewählten UBU-Stadträte gegen die Pläne. „Ein Kunststoff-Infill ist aus wirtschaftlichen Risiko-Erwägungen und in ökologischer Hinsicht unakzeptabel“, verlas Frank Pehlke eine zuvor verfasste Erklärung.
Ferner befürchtet der UBU-Stadtrat Wolfgang Daiber, dass das Plastikgranulat auf seine landwirtschaftlichen Flächen neben dem Kunstrasenplatz gelangen könnte. Einen Eilantrag Daibers gegen den Bau des Sportplatzes hatte das Verwaltungsgericht Stuttgart allerdings, wie bereits berichtet, zurückgewiesen. Der Landwirt könne nicht verlangen, dass sich die Stadt Uhingen schon heute an ein möglicherweise künftig geltendes Recht halten müsse. Darauf gebe es keinen haltbaren rechtlichen Anspruch, hieß es zur Begründung von Seiten des Gerichts.
Auch im Landtag wird das Kunststoffgranulat ein Thema
Wie mehrere Verbände schätzen, gelangen in Deutschland pro Jahr rund 330 000 Tonnen Mikroplastik in die Umwelt. Auf Platz fünf der Verursacher stehen Sport- und Spielplätze. Von deren Belägen bleiben Gummiteile an Schuhen und Kleidung haften oder werden durch Wind und Regen ausgetragen. Das Granulat auf Sportplätzen muss daher nachgefüllt werden. Die EU will den Plastikmüll reduzieren. Unter anderem ist ein Verbot des Gummigranulats im Gespräch.
Der Landtag befasst sich im September ebenfalls mit dem Thema. Im Umweltausschuss wurde dazu eine Vorlage verabschiedet, nach der es künftig keine Landesförderung mehr für derartige kommunale Projekte geben soll. Der Platz in Uhingen ist jedoch schon genehmigt. Der Württembergische Landessportbund, der zuständig ist, wenn die Vereine selbst bauen, könnte sich dementsprechend verhalten.