Sportsfreund des Tages Andy Schmid, der Nachrücker

Andy Schmid darf zur Handball-WM nach Ägypten – es könnte die einzige seines Sportlerlebens sein. Foto: Baumann
Andy Schmid darf zur Handball-WM nach Ägypten – es könnte die einzige seines Sportlerlebens sein. Foto: Baumann

Neben Siegen und Niederlagen gibt es in der Welt des Sports auch reichlich Absurdes, Seltsames und Lustiges. Daher kürt unsere Sportredaktion mit einem Augenzwinkern täglich die Sportsfreundin oder den Sportsfreund des Tages. Heute: Andy Schmid, der Nachrücker.

Sport: Jürgen Kemmner (jük)

Stuttgart - Abmelden und Abschied, das ist derzeit in den USA in Mode. Die Seattle Seahawks haben sich nach der Niederlage gegen die LA Rams aus den Play-offs der NFL verabschiedet, bald wird Donald Trump als Präsident aus dem Weißen Haus geschickt, nun haben sich die Handballer der United States wegen zu vieler Corona-Fälle bei der Handball-WM abgemeldet. Dafür dürfen die Schweizer nach Ägypten reisen. Andy Schmid, der Spielmacher der Eidgenossen und bei den Rhein-Neckar Löwen unter Vertrag, hatte sich für die nächsten Wochen auf Homeschooling eingestellt, nun musste er fix die Koffer packen – er tat es euphorisiert, denn für sein Land ist es die erste WM-Teilnahme seit 25 Jahren. Als die Schweiz 1995 in Island im WM-Viertelfinale ausschied, spielte der Bub noch in der D-Jugend in Luzern.

Nun ist er 37, er benötigte kein Mathestudium mit Vertiefung Wahrscheinlichkeitsrechnung, um zu ahnen, dass er eine solche Gelegenheit nie mehr bekommen dürfte. „Diese Chance habe ich wahrscheinlich nur dieses eine Mal im Leben“, hat der Routinier erkannt. Womöglich gelingt der Schweiz als Nachrücker das Wunder, das den Dänen 1992 glückte, die als Ersatz für das ausgeschlossene Jugoslawien Fußball-Europameister wurden. „Das war ein Schuss! Davon wird man noch reden in den spätsten Zeiten.“ Das schrieb Friedrich Schiller 1804 über eine reife und weltbekannte Leistung eines Schweizers. Es wäre an der Zeit, dass die Eidgenossen wieder Heroisches leisten. Es würde dafür sicher ausreichen, wenn Andy Schmid und Kollegen nur halb so treffsicher wären wie Wilhelm Tell.

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