Sportvereine in Stuttgart Marode Sportstätten? Letzte Hoffnung Berlin
Die Stadt hat kein Geld mehr. Der Bund leiht sich welches. Richtig viel sogar. Davon wollen vier Stuttgarter Sportvereine profitieren.
Die Stadt hat kein Geld mehr. Der Bund leiht sich welches. Richtig viel sogar. Davon wollen vier Stuttgarter Sportvereine profitieren.
Die Technik muss durchhalten. Sonst haben alle Schüler und Sportler in Feuerbach ein Problem. Machen Heizung oder Lüftung in der Hugo-Kunzi-Halle schlapp, dann fehlt die zentrale Sportstätte für den Bezirk. Für einen Ersatz hatte die Stadt kein Geld, die 5,3 Millionen Euro teure Sanierung der vereinseigenen Halle würde die Sportvg Feuerbach überfordern.
Was also tun? Geschäftsführer Benjamin Haar versucht in Berlin das Geld aufzutreiben. Dort hat man sich ja ein Sondervermögen von 500 Milliarden Euro für Infrastruktur und Klimaneutralität gegönnt. Dreimal 333 Millionen Euro hat man abgezwackt für die „Sanierung kommunaler Sportstätten“. Das Vorgängerprogramm hieß „Sanierung in den Bereichen Sport-Jugend-Kultur“. Zwei Mal haben sich die Feuerbacher dafür schon beworben mit der Sanierung der Kunzi-Halle. Das erste Mal wurden sie abgelehnt, das zweite Mal erschienen sie förderungswürdig. Doch dann kam das Bundesverfassungsgericht, beendete die Finanzierung des Klima- und Transformationsfonds, aus dem sich das Programm speiste. Die Feuerbacher bekamen nichts. Nun sollen aller guter Dinge drei sein. Und haben sich erneut beworben.
Die Zeit drängt. Die Hugo-Kunzi-Halle ist in den 70er-Jahren gebaut worden, immer wieder hat man sie saniert. Den Boden erneuert, die Tribüne, die Umkleide. Doch die Bauweise und die Technik sind aus einer ganz anderen Zeit. Geheizt wird mit erwärmter Luft. Standard heutzutage sind mit Wasser gefüllte Heizkörper unter der Decke. Statisch funktioniert das nicht mit dem Sägezahndach mit seinen Kunststoffbändern. Um energetisch voranzukommen, muss zudem die Fassade gedämmt werden. Und die Barrierefreiheit ist quasi nicht vorhanden. Das alles summiert sich auf 5,3 Millionen Euro.
„Wenn wir das Notwendigste machen, kommen wir auf eine Summe von 3 Millionen Euro“, sagt Haar. Früher wäre eine energetische Sanierung von der Stadt bis zu 80 Prozent gefördert worden, „die dann nötigen 600.000 Euro Eigenanteil hätten wir aufbringen können“, sagt Haar. Doch diese Förderung gibt es mangels Geld nicht mehr. Maximal 40 Prozent gibt es noch von der Stadt. Zehn Prozent gibt es vom Württembergischen Landessportbund. Ergo, 1,5 Millionen Euro bräuchte es an Mitteln des Vereins. Unmöglich.
Also ist die letzte Hoffnung Berlin. Nach Ostern entscheidet der Haushaltsauschuss. Allerdings gibt es 3600 Anträge, die Vereine hoffen auf 7,5 Milliarden Euro. Da muss man kein Adam Riese sein, um zu sehen, es wird eng. Auch für den TV Stammheim, den VfB Obertürkheim und den HTC Stuttgarter Kickers, die ebenfalls aus Geld für Berlin für eine Sanierung oder einen Neubau hoffen.
Haar wirbt kräftig für den Antrag aus Feuerbach. Erschwert wird das jedoch, dass Stuttgart keinen Angeordneten aus einer Regierungsfraktion mehr hat. Luigi Pantisano (Links) und Simone Fischer (Grüne) sind die einzigen verbliebene Abgeordneten. Natürlich hat er da vorgefühlt, sich aber auch Hilfe bei Abgeordneten aus der Region gesucht. Ob es nützt? Haar hofft es. Denn der lange geplante Neubau einer Halle in Feuerbach fiel der Haushaltslage der Stadt zum Opfer. „Wenn wir jetzt auch die Kunzi-Halle nicht mehr nutzen könnten, wäre das eine Katastrophe für den Bezirk“, sagt Haar. Sie sei sieben Tage von 7 bis 23 Uhr genutzt. Nicht auszudenken, wenn die Technik nicht mehr mitmacht.