Sportvorstand des VfB Stuttgart Warum der VfB einen Superstrategen sucht

Mit Fabian Wohlgemuth soll es für den VfB Stuttgart nach oben gehen. Ob mit ihm als Sportvorstand oder Sportdirektor – das ist die Frage. Foto: Baumann/Hansjürgen Britsch

Der VfB will einen Sportvorstand installieren. Der Sportdirektor Fabian Wohlgemuth gehört zu den Kandidaten – aber kann es überhaupt einen anderen geben?

Sport: Carlos Ubina (cu)

Fabian Wohlgemuth steckt mitten im Transfergeschäft. Er telefoniert, er spricht, er verhandelt. Da geht es darum, das Leihangebot für Alexander Nübel vom FC Bayern eventuell nachzubessern, die Wechselmöglichkeiten eines Juan Perea auszuloten und auch zu schauen, wann die größeren Dominosteine auf dem Markt fallen, die möglicherweise Borna Sosa oder Konstantinos Mavropanos ins Spiel bringen.

 

Der Sportdirektor des VfB Stuttgart ist also vollauf damit beschäftigt, den Kader des Fußball-Bundesligisten von seinem finanziell belastenden Personalüberhang zu befreien und gleichzeitig dem Cheftrainer eine starke Mannschaft für die anstehende Saison hinzustellen. Voll des Lobes ist Sebastian Hoeneß denn auch über die ersten Transfers – Maximilian Mittelstädt, Wooyeong Jeong und Jamie Leweling. Und der Vorstandsvorsitzende Alexander Wehrle lobt Wohlgemuth dafür, dass er als Teamplayer agiert.

Kandidatenliste wird abgearbeitet

Ruhig und strategisch geht der Sportdirektor vor. Allerdings ist sein Fokus auf den Bundesliga-Bereich ausgerichtet. Das ist sein Kerngeschäft. Noch. Denn Wohlgemuth zählt zu den Kandidaten für den Posten des Sportvorstandes. Wehrle will dieses Ressort abgeben und hat eine entsprechende Empfehlung ausgesprochen. Möglichst schnell soll das über die Bühne gehen.

Doch die Suche und Bestellung eines Sportvorstandes ist Sache des Aufsichtsrates mit dem Präsidenten Claus Vogt an der Spitze – und im Kontrollgremium gibt es bedächtige Kräfte. Zum einen, weil der neue Mann keinen Einfluss mehr auf die laufende Transferperiode nehmen wird. Zum anderen, weil viele Aspekte bedacht werden müssen. Vorerst gibt es eine Longlist mit möglichen Kandidaten, wie es im Managerdeutsch heißt. Sie wird gerade abgearbeitet, um am Ende drei Namen zu haben.

Wohlgemuth empfiehlt sich mit seiner Arbeit, und der 44-Jährige müsste sich dazu bekennen, ein anderes Anforderungsprofil zu erfüllen. Nahezu gleichrangig soll sich der künftige Sportvorstand um die Nachwuchsarbeit kümmern. Er soll das Bindeglied zwischen den beiden wichtigsten Bereichen beim VfB sein: Profis und Jugend.

Mehr Gewicht für die Entwicklung der Eigengewächse erhoffen sich die Verantwortlichen von diesem Zuschnitt. Weniger externe Talente sollen in Zukunft verpflichtet werden. Dazu soll wieder eine durchgehende Spielidee implantiert werden, die der sogenannten VfB-DNA entspricht.

Das ist der Plan, für dessen Umsetzung eine durchsetzungsstarke Persönlichkeit die Stelle des Sportvorstandes übernehmen soll. Intern empfiehlt sich dafür nur Wohlgemuth. Und es gibt Stimmen, die meinen, dass überhaupt nur der Berliner infrage kommt, weil man durch eine Besetzung von außen ansonsten den Sportdirektor beschädigt. Wohlgemuth treibt aktuell die Kaderplanung voran. Kurz- und mittelfristig, und er hat den Scoutingbereich gerade erst umgestaltet, alles nach klaren Kriterien.

Droht eine Hängepartie?

Wenn man so will, sind das Aufgaben eines Sportvorstands. Übertragen an den Sportdirektor, und es mutet seltsam an, dass ein künftiger Sportchef diese Ausrichtung schon bald wieder einkassieren könnte. Verzwickt stellt sich die Situation an der Mercedesstraße also dar, weil die Stuttgarter den zweiten vor dem ersten Schritt vollzogen haben. Bereits im Herbst 2021 wurde es versäumt, eine vierte Person in den Vorstand zu berufen. Erst erhielt Thomas Hitzlsperger eine Doppelfunktion, anschließend übernahm Wehrle den Sport mit. Dazwischen war ein Machtkampf mit dem damaligen Sportdirektor Sven Mislintat entbrannt.

Nun wird nach einem uneitlen Superstrategen gefahndet, der nicht nur inhaltlich kompetent ist, sondern ebenso menschlich integer. Es muss ja auf vielen Ebenen passen – im Aufsichtsrat, den es zu überzeugen gilt; im Vorstand mit Wehrle, Thomas Ignatzi (Finanzen) und Rouven Kasper (Marketing); im Nachwuchsbereich mit Thomas Krücken; bei den Profis mit dem Sportdirektor und Christian Gentner, dem Leiter der Lizenzspieler.

Der Ex-Profi wächst seit Jahresbeginn in die für ihn geschaffene Stelle hinein. An der Seite von Wohlgemuth und als Ansprechpartner für den Trainer und die Spieler. Als ehemaliger VfB-Jugendspieler bringt sich der 37-Jährige auch an der Schnittstelle zwischen Profis und Nachwuchs ein.

Viele Bälle fliegen demnach im Clubhaus mit dem roten Dach durch die Luft. Es wird in puncto Sportvorstand sondiert, taktiert und paktiert. Denn wird Wohlgemuth befördert, braucht es einen neuen Sportdirektor. Wohlgemuth bleibt aber gelassen. Zumal sich der Aufsichtsrat Zeit nimmt. Das Gremium wartet wohl die Transferperiode und den Saisonstart der VfB-Mannschaft ab. Am 10. September findet ja auch noch die Mitgliederversammlung statt, die als Stimmungsbarometer für die Entscheidung gilt. Eine Hängepartie ist also nicht ausgeschlossen.

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