Die Berater von P3 verstehen sich als „Anschieber“ und sehen ihre Aufgabe bei Customcells nun als erfüllt an – deshalb steigen sie bei der Fraunhofer-Ausgründung aus Itzehoe aus, wie P3-Mitgründer und Geschäftsführer Christoph Theis im Gespräch mit unserer Zeitung erläuterte. Die Berater hielten eine Beteiligung von 33 Prozent, die nun unter drei Investoren aufgeteilt wird: Als neue Anteilseigner steigen neben der Porsche Investments GmbH die beiden Wagniskapitalgeber 468 Capital aus Berlin und Vsquared Ventures aus München ein. Die Mehrheit der Anteile halten die beiden Gründer von Customcells.
Porsche investiert weltweit in junge Unternehmen
Die Porsche Investments GmbH ist eine Tochter des Stuttgarter Sportwagenherstellers und investiert weltweit in junge Unternehmen. Dafür stehen nach Angaben des Unternehmens jährlich rund 150 Millionen Euro zur Verfügung. „Customcells bietet mit seinen Kompetenzen in der Batteriezellenentwicklung über seine Beteiligung an der Cellforce Group GmbH und die damit verbundenen Synergien ein weites Spektrum an Einsatzmöglichkeiten“, sagte Ulrich Thiem, Geschäftsführer der Porsche Investments GmbH, unserer Zeitung und wies dabei auf den möglichen Einsatz der Batteriezellen im maritimen Bereich und im Luftverkehr hin. „Mit Blick auf das hohe Unternehmensentwicklungspotenzial haben wir uns entschieden, eine Beteiligung an Customcells zu erwerben“, sagte Thiem.
Hinter dem zweiten neuen Investor, der Berliner Risikokapitalfirma 468 Capital, steht unter anderem Alexander Kudlich, der Vorstand des Berliner Beteiligungsunternehmens Rocket Internet war und sich im Vorjahr mit zwei Partnern selbstständig machte, um Geld von Investoren einzusammeln und vor allem in Softwarefirmen zu investieren. In einem Interview mit der „Financial Times“ sagte Kudlich, dass Uni-Städte wie Aachen, Tübingen oder Karlsruhe „zunehmend Brutstätten für großartige Tech-Unternehmen“ seien. Rocket Internet brachte unter anderem den Essenslieferanten Delivery Hero an die Börse.
Die Berater von P3 haben die Partnerschaft eingefädelt
In Tübingen hat der Batteriespezialist Customcells bereits eine Tochtergesellschaft. Dort hat auch Cellforce, das geplante Gemeinschaftsunternehmen von Customcells mit Porsche, seinen Sitz, das Hochleistungsbatteriezellen für Elektroautos produzieren soll. Porsche hält an dem Gemeinschaftsunternehmen eine Mehrheitsbeteiligung von rund 84 Prozent. Eingefädelt wurde die Gründung dieses Gemeinschaftsunternehmens vom Beratungsunternehmen P3 Group, das schon in den vergangenen Jahren eine Schlüsselrolle beim Aufbau von Customcells spielte.
Die P3 Group ist wie Customcells eine Fraunhofer-Ausgründung. P3 ist ein Spin-off des Fraunhofer-Instituts für Produktionstechnologie in Aachen, Customcells entstand 2012 als Ableger des Fraunhofer-Instituts für Siliziumtechnologie in Itzehoe. Der erste Kunde der P3 Group war Daimler, berichtet der Mitgründer Christoph Theis. Weil sich 1996 drei Partner zur Gründung des Stuttgarter Beratungsunternehmens verbündeten, wurde der Firmenname P3 gewählt.
„Wo die Zelle produziert wird, ist der Kern der Wertschöpfung“
Die Berater entwickelten für Daimler zunächst ein Qualitätsmanagement-System, berichtet Theis. Der Stuttgarter Autobauer sei immer noch einer der wichtigsten Kunden. Heute beschäftigt die Technologie-Beratungsfirma, die im In- und Ausland Büros an den Standorten der internationalen Autobauer und zudem zwei Softwarefirmen in Serbien und Rumänien hat, rund 900 Experten. Davon beackern laut Theis 150 das Feld der Elektromobilität.
2017 stieg P3 bei Customcells ein. Die Bedeutung der Batteriezelle für den Standort Deutschland sei sehr groß, betont Theis. „Wo die Zelle produziert wird“, so der Berater, „findet der Kern der Wertschöpfung statt.“
Als das Beratungsunternehmen sich an Customcells beteiligt habe, sei dies eine kleine Manufaktur gewesen. P3 habe das junge Unternehmen mit Rat und Tat unterstützt und dann auch beim Antrag geholfen, mit einer Zellenproduktion in den Kreis der IPCEI-Projekte aufgenommen zu werden und Porsche als Partner zu gewinnen. Die Abkürzung IPCEI steht für besonders wichtige europäische Industrieprojekte, die einen großen Beitrag zu Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit der europäischen Wirtschaft leisten können, so die EU-Kommission. Die Aufnahme in den Kreis dieser Zukunftsprojekte eröffnet den Weg für staatliche Beihilfen. Der Bund und Baden-Württemberg fördern das Vorhaben mit rund 60 Millionen Euro. Die geplante Produktionsanlage von Cellforce soll bis 2025 eine Kapazität von mindestens 100 Megawattstunden pro Jahr erreichen. Das entspricht Zellen für 1000 Fahrzeuge, die zunächst in Rennwagen eingesetzt werden sollen.
Bund und Land fördern das Gemeinschaftsprojekt
Porsche-Chef Oliver Blume hat bei der Vorstellung des Gemeinschaftsprojekts mit Customcells angekündigt, dass man in einem zweiten Schritt darüber nachdenken werde, die Kapazität in dem Bereich von Gigawattstunden zu erweitern, wenn die Kleinserie erfolgreich sei. Dann könnten auch Spitzenmodelle von Porsche sowie der anderen Luxusmarken des VW-Konzerns wie etwa Lamborghini oder Bugatti mit den Zellen ausgestattet werden.
Porsche investiert in Start-ups
Beteiligungen
Die Porsche Investments GmbH investiert weltweit in Start-ups. Damit sollen unter anderem neue Geschäftsfelder und Zielgruppen erschlossen werden. Das Engagement umfasst heute rund 30 Beteiligungen in den USA, Europa, Israel und China. Darüber hinaus hat die Porsche-Tochter in acht Wagniskapital-Fonds in diesen Regionen investiert.
Beispiele
Zu den Beteiligungen zählen unter anderem die israelische Tactile Mobility Inc., mit deren Software Mobilitätsdaten analysiert werden, sowie die junge US-Firma Rally, deren Internetplattform es Kleinanlegern erstmals ermöglichen soll, in Sammlerstücke zu investieren.