Sportwagenhersteller in Stuttgart Porsche wehrt sich gegen Ideenklau-Vorwürfe

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Die Enkelin des früheren Porsche-Chefdesigners Erwin Komenda greift den Stuttgarter Sportwagenhersteller bezüglich seiner Designlinie an. Porsche hält die Ansprüche für völlig unbegründet und wehrt sich vehement.

Den Vorwurf einer wissentlichen Verletzung des Urheberrechts weist Porsche zurück. Foto: dpa
Den Vorwurf einer wissentlichen Verletzung des Urheberrechts weist Porsche zurück. Foto: dpa

Stuttgart - Der Sportwagenhersteller Porsche wehrt sich vehement gegen die Vorwürfe der Enkelin des früheren Porsche-Chefdesigners Erwin Komenda, über die die Stuttgarter Zeitung berichtet hat. Aus der Sicht von Iris Steineck ist ihr Großvater der Schöpfer der Porsche-Designlinie, die sich vom VW Käfer über den Ur-Porsche 356 bis zum Erfolgsmodell Porsche 911 zieht. Sie verlangt von Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche, dass künftig Komendas Verdienste in offiziellen Darstellungen des Unternehmens gebührend gewürdigt werden.

Für solch eine Forderung gibt es aus Sicht von Porsche keinen Grund, da Komenda keineswegs totgeschwiegen werde. „Herr Komenda war von 1931 bis 1966 ein wichtiger Mitarbeiter des Konstruktionsbüros Porsche sowie der späteren Porsche KG“, schreibt das Unternehmen. „Er findet in zahlreichen Publikationen unseres Hauses sowie im Porsche-Museum entsprechende Würdigung als Gestalter des Volkswagens, des Typ 64 sowie des Typ 356.“ Das Unternehmen nennt Textpassagen aus Publikationen des Hauses, in denen es unter anderem heißt, dass Komenda bereits für die Stilistik des Volkswagens (gemeint ist der Käfer) verantwortlich gewesen sei und die Aluminiumkarosserie des Modells 356 gestaltet habe. Anders beim Porsche 911: bei dem 356-Nachfolger hat sich das Unternehmen unter der Führung von Ferry Porsche in den sechziger Jahren gegen einen Entwurf von Komenda und für die konkurrierende Idee von Ferdinand Alexander Porsche entschieden, des Sohnes von Ferry Porsche. Weiter heißt es: „Völlig außer Frage steht, dass das Design des 911 eine Fortsetzung des Porsche 356 ist. Es sollte eine bewusste Familienähnlichkeit zwischen dem 911 und seinem Vorgänger bestehen.“

Alle Erfindungen stehen dem Unternehmen zu

Auch den Vorwurf einer wissentlichen Verletzung des Urheberrechts weist das Unternehmen zurück. Komenda, der 1966 starb, sei Angestellter des Porsche-Konstruktionsbüros beziehungsweise der späteren Porsche KG gewesen. Der im Porsche-Archiv vorhandene Anstellungsvertrag, so heißt es, beinhalte eine Vereinbarung, dass alle Erfindungen und Konstruktionen, die im Zusammenhang mit Porsche stehen, dem Unternehmen zustehen. Dies sei eine bis heute übliche Praxis. Iris Steineck sieht das anders und hat es in dem Brief an Aufsichtsratschef Wolfgang Porsche so ausgedrückt: „Nach dem deutschen Urheberrecht steht dem persönlichen Schöpfer eines Werkes das Urheberrecht zu. Das Urheberrecht und damit verbundene Schutzrechte sind vererblich und enden 70 Jahre nach dem Tod des Schöpfers.“

Iris Steineck, die als Ärztin in Wien arbeitet, verlangt, dass Porsche die Leistungen ihres Großvaters „angemessen würdigt und nicht länger missachtet, indem er beispielsweise von historischen Fotos weggeschnitten beziehungsweise nicht namentlich genannt wird“. Der Hinweis auf historische Fotos zielt auf ein Motiv aus dem Jahr 1948, das den Ur-Porsche 356 zeigt. Auf dem Original ist nicht nur das Auto, sondern neben Ferry Porsche und dessen Vater Ferdinand Porsche auch Erwin Komenda zu sehen, der auf den bekannten Abbildungen fehlt. Porsche verweist auf ein Beispiel, in dem das Original mit den drei Männern verwendet wurde und nennt „rein grafische Gründe“, sofern es beschnitten worden sein sollte.

Seit 2001 darf die Frau das Archiv nicht mehr betreten

Iris Steineck will bei einer Pressekonferenz am Dienstag in Stuttgart Komendas Ansprüche mit weiteren Fakten belegen. Bei dem Streit geht es im Übrigen keineswegs nur um die Ehre, auch wenn die Komenda-Enkelin diesen Aspekt in den Vordergrund stellt. „Erwin Komenda erhielt weder angemessene Ausgleichszahlungen noch Ruhm“, schreibt sie in ihrer Einladung. Im Brief an Wolfgang Porsche wird sie konkret: „Da zwischen Vergütung und Erträgen und Vorteilen aus der Nutzung der Werke von Erwin Komenda deutliche Missverhältnisse bestehen, fordere ich einen angemessenen Ausgleich unter Berücksichtigung bislang verweigerter Urheberrechtsvergütungen.“ Das Verhältnis zwischen dem Unternehmen und der Frau ist schon länger gestört. Seit 2001 darf sie das Porsche-Archiv und das Entwicklungszentrum in Weissach nicht mehr betreten.

Porsche weist auch die Behauptung der Österreicherin zurück, dass ihr Großvater das Porsche-Wappen erfunden habe. So werde im Unternehmensarchiv die erste Reinzeichnung des Wappen-Entwurfs aus dem Jahr 1952 aufbewahrt. Den Entwurf, so heißt es, habe nicht Komenda, sondern Porsche-Motorenkonstrukteur Franz-Xaver Reimspieß ausgeführt, der die Zeichnung auch signiert habe.

Komenda, geboren in der Steiermark, hatte schon in den zwanziger Jahren den legendären Käfer-Erfinder Ferdinand Porsche kennengelernt und folgte ihm, als der sich mit einem Konstruktionsbüro selbstständig machte; daraus ist das Unternehmen Porsche entstanden. In den sechziger Jahren kam es häufig zum Streit zwischen Komenda und der Porsche-Familie.

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