Sportwagenhersteller Was aus Porsches Tüftlerbüro geworden ist

Ferdinand Porsche (im Vordergrund) eröffnete 1931 ein Konstruktionsbüro in Stuttgart. Sein Sohn Ferry (im Hintergrund) hat 1948 die Marke Porsche begründet. Das Foto zeigt eine Konstruktionszeichnung des Porsche Typ 60, Vorgänger des späteren VW-Käfer.  Foto: Porsche

Tusche und Bleistift verwenden Porsche-Ingenieure schon lange nicht mehr. Der Grundgedanke ist aber noch derselbe wie im vergangenen Jahrhundert, als Ferdinand Porsche mit seinem Konstruktionsbüro den Grundstein für den Sportwagenhersteller legte.

Nachrichtenzentrale: Andreas Schröder (sö)

Stuttgart - Wenn er sich nicht mit Daimler überworfen hätte, gäbe es Porsche nicht. So lässt sich vereinfacht die große Bedeutung Ferdinand Porsches zusammenfassen, der die gesamte Autoindustrie geprägt hat. Der Autokonstrukteur war Vorstandsmitglied bei der Daimler-Benz AG, schied dort im Streit und machte sich 1931 mit einem Konstruktionsbüro in Stuttgart selbstständig.

 

Tüfteln für Auftraggeber, um Geld zu verdienen: damit hat etwas begonnen, woraus einer der bekanntesten und rentabelsten Autobauer der Welt hervorgegangen ist. Die Porsche AG habe mit diesem Konstruktionsbüro, das am 25. April auf den Tag genau vor 90 Jahren ins Handelsregister eingetragen wurde, letztlich ihren Anfang genommen, sagt Michael Steiner, Vorstand für Forschung und Entwicklung bei Porsche. Die Rahmenbedingungen für einen Sprung in die Selbstständigkeit seien für Ferdinand Porsche gut gewesen. „Die Gründung des Büros fällt in eine Zeit, in der sich die Autoindustrie blendend entwickelt hat“, sagt Steiner.

VW-Käfer als Auftragsarbeit

Ferdinand Porsche und sein zu Beginn zwölfköpfiges Team von Technikern und Ingenieuren hatten verschiedene Kunden aus der Kraftfahrzeugindustrie. Die wohl bekannteste Auftragsarbeit ist der „deutsche Volkswagen“, später VW-Käfer genannt – ein über die Jahrzehnte millionenfach produziertes Fahrzeug. Das Projekt wurde 1934 vom Reichsverband der Automobilindustrie nach den Vorgaben Adolf Hitlers in Auftrag gegeben, der die Macht in Deutschland an sich riss. Die Reichsregierung entschied sich 1936 für den Bau eines eigenen Werks für den Volkswagen, mit dessen Planung und technischer Leitung Ferdinand Porsche ebenfalls beauftragt wurde.

Die Sportwagenmarke Porsche selbst hat im Jahr 1948 jemand begründet, der bereits seit 1931 im Konstruktionsbüro mitgearbeitet hatte: Ferdinand Anton Ernst Porsche, genannt Ferry, Sohn des Bürogründers. Das Design des Roadsters 356 hat Ferry Porsche selbst entworfen, 1949 startete er in Stuttgart den Serienbau des Fahrzeugs. „Mit dem geschäftlichen Erfolg war es Ferry Porsche möglich, ein eigenes Fahrzeug zu entwickeln“, sagt Porsche-Vorstand Steiner. Die Tradition der Entwicklungsdienstleistungen, begonnen vor 90 Jahren, werde heute durch Porsche Engineering fortgesetzt, stellt Peter Schäfer fest, Vorsitzender der Geschäftsführung der hundertprozentigen Tochtergesellschaft der Porsche AG. „Aus dem Konstruktionsbüro ist ein Technologieunternehmen geworden“, ergänzt er.

Auftrag von Daimler-Benz

Porsche in Stuttgart-Zuffenhausen und Porsche Engineering im Luftlinie 25 Kilometer entfernten Weissach haben von jeher auch für externe Kunden gearbeitet. „Die Auftragsentwicklung für andere Firmen hat dazu beigetragen, die Porsche AG in Krisenzeiten zu tragen“, sagt Steiner. So haben sich Porsche-Mitarbeiter 1990 im Auftrag der Daimler-Benz AG mit einem E-Klasse-Modell – W 124-Limousine mit 5-Liter-V8-Motor – beschäftigt. Das Fahrzeug wurde in Kleinserie in Zuffenhausen gefertigt. Porsche hat nicht nur Aufträge für Autos angenommen: für Linde etwa wurde 1981 ein Gabelstapler konstruiert, für den Rennrodler Georg Hackl ein Schlitten entwickelt, mit dem er 2002 bei den Olympischen Winterspielen in Salt Lake City die Silbermedaille gewann. Porsche Engineering beschäftigt 1500 Mitarbeiter an neun Standorten in fünf Ländern. Das Unternehmen ist seit 2001 rechtlich eigenständig – auch weil die Modelle der Porsche AG immer gefragter waren. „Cayenne, Cayman, Panamera – die Porsche AG benötigte die Ingenieure für ihre eigenen Projekte“, erläutert Steiner. Diese Situation hat sich verschärft, auch weil die gesamte Automobilindustrie mittlerweile mehr Ingenieure und Spezialisten für Software-Anwendungen benötigt, als der Markt hergibt: beispielsweise für komplexe Assistenzsysteme sowie zentrale Themen wie die Elektromobilität und das autonome Fahren.

Entwickeln für den VW-Konzern

Porsches Entwicklungsdienstleister arbeitet dementsprechend zu einem großen Teil für das eigene Haus: „Die Software-Entwickler von Porsche Engineering sind überwiegend für Porsche und den VW-Konzern insgesamt tätig“, sagt Schäfer. Neue Mitarbeiter stoßen auch über die Standorte im Ausland zum Unternehmen; wie im rumänischen Cluj, dort ist ein Zentrum für Softwareentwicklung angesiedelt. „Porsche Engineering eröffnet dort Standorte, wo die besten Köpfe sind. Die Spezialisten müssen nicht alle nach Weissach kommen“, erläutert Schäfer.

Einige technologische Innovationen hat Porsche nach eigener Aussage nur eine begrenzte Zeit für sich alleine, weil andere Firmen sie übernähmen. Steiner nennt die 800-Volt-Technologie für Elektrobatterien, die von der Porsche AG und der Tochter Engineering entwickelt und in Serie gebracht worden sei. Die Technologie ermögliche kürzere Ladezeiten und eine höhere Leistung. Zuvor seien 400-Volt-Batterien üblich gewesen. Der Porsche-Vorstand kann der Tatsache, abgekupfert zu werden, auch Positives abgewinnen: „Es ist gut, dass wir ‚kopiert’ werden. Dadurch kann sich ein Industriestandard etablieren. Das nützt auch Porsche.“

Weitere Themen

Weitere Artikel zu Porsche Ferdinand Porsche