Sprache in den sozialen Medien Wie gut geht es unserer Sprache?

Mit wachem Blick für Veränderungen: Henning Lobin vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim Foto: dpa
Mit wachem Blick für Veränderungen: Henning Lobin vom Institut für Deutsche Sprache in Mannheim Foto: dpa

Kulturkritiker sehen die deutsche Sprache in arger Bedrängnis, doch der Mannheimer Linguist Henning Lobin gibt Entwarnung: Durch die sozialen Medien drohe keine „Verlotterung“.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

Stuttgart - Ein Sprachforscher bricht eine Lanze für die sozialen Medien: Anders als von konservativen Sprachkritikern behauptet, könnten die Menschen auch auf Facebook & Co. sehr wohl differenzieren, sagte Henning Lobin, der Direktor des Instituts für Deutsche Sprache (IDS) in Mannheim: „Von einem Verlottern der Sprache kann keine Rede sein.“ So zeigten Studien, dass Sprache je nach Anlass oder Adressat mehr oder weniger lax benutzt werde. Eine formelle Mail, etwa eine Bewerbung, werde in Stil und Orthografie ganz anders abgefasst als eine an einen Freund, in der beispielsweise auf Kommas verzichtet werde.

Doch der achtlosere Gebrauch der Sprache schleife sich gerade nicht ein. Der Sprachgebrauch sei noch nie so vielfältig wie heute gewesen. „Es gibt nicht die eine Sprache, das eine Hochdeutsch.“ Auch die Jugendsprache mit dem Fehlen etwa von Präpositionen werde gezielt unter Gleichaltrigen gesprochen. Dort wirke sie identitätsstiftend. In anderem Kontext werde auf diese Eigenart verzichtet. Das permanente Lesen und Schreiben vieler Menschen auf dem Handy zeigt nach Ansicht von Lobin, dass die Schriftsprache nicht an Bedeutung verliere. Allerdings stehe der Umgang mit sozialen Medien in zeitlicher Konkurrenz zur Lektüre von Büchern.

Trump und die Risiken der schnellen Kommunikation

Anders als etwa beim Schreiben von Briefen sei der Austausch in digitalen Medien sehr „kurztaktig“. Botschaft und Reaktion folgten schnell aufeinander. „Dieses Tempo ruft eigene Effekte hervor“, erläuterte Lobin. Es begünstige Unachtsamkeit und politische Schärfe in Diskussionen. Als Beispiel nannte der Linguist die sofort nach Ereignissen in alle Welt verbreiteten Twittermeldungen von US-Präsident Trump.

Soziale Medien und ihre Auswirkungen auf die Sprache stehen auch bei der 55. Jahrestagung des IDS im Mittelpunkt. Zu dem Treffen von diesem Dienstag bis zum Donnerstag werden rund 400 Germanisten aus 25 Ländern in Mannheim erwartet. Thema ist „Deutsch in Sozialen Medien – interaktiv, multimodal, vielfältig“.




Unsere Empfehlung für Sie