Sprachtandems in Hohenheim Mal Schüler, mal Lehrer

Filderzeitung: Sandra Hintermayr (shi)

Charlotte Peitz und Paula Brendel haben das Projekt Sprachtandems über die Stundenteninitiative Global Campus an die Uni Hohenheim geholt. „Wir wollten etwas für die Geflüchteten tun“, sagt Paula Brendel. „Wir hielten Deutschkurse für eine gute Idee, aber der Frontalunterrichtcharakter gefiel uns nicht.“ Ein Kommilitone machte die Studentinnen auf die Sprachtandems aufmerksam. Ein Freundeskreis in Winnenden habe bereits gute Erfahrungen mit den Tandems gesammelt. Im Wintersemester 2015/16 ist das Projekt auch in Hohenheim gestartet.

Paula Brendel (links) und Charlotte Peitz haben die Sprachtandems nach Hohenheim geholt. Foto: Sandra Hintermayr

Bei den Sprachtandems geht es um den Austausch zwischen beiden Partnern. Die Flüchtlinge lernen nicht nur Deutsch, sondern die Einheimischen können auch die Sprache der Flüchtlinge lernen. „Bei den Tandems können die Geflüchteten auch etwas anbieten, es findet Kommunikation auf Augenhöhe statt“, sagt Brendel. Die Rollen des Schülers und des Lehrers wechseln. Dabei geht es nicht nur um das Erlernen der Sprache des anderen, es wird auch Kultur vermittelt. „Private Unterhaltungen sind ausdrücklich erwünscht“, sagt Brendel. „Es geht darum, sich kennenzulernen, Anschluss zu finden.“ Meist finden die Unterhaltungen auf Englisch statt, solange der eine die Sprache des anderen noch wenig beherrscht. „Zur Not verständigt man sich mit Händen und Füßen“, sagt Brendel.

Die Männer sind oft unsicher gegenüber den Studentinnen

Rund 50 Tandempaare haben sich über die Studenteninitiative in Hohenheim bereits gebildet. Die Kandidaten tragen sich in Listen ein. Darin sind unter anderem das Alter und die Zeiträume vermerkt, in denen sie verfügbar sind. So können Brendel und Peitz die Tandems passend zusammenstellen. Auf einem ersten gemeinsamen Treffen lernen sich dann alle Kandidaten in großer Runde kennen. Die Organisation der einzelnen Treffen bleibt den Tandempartnern überlassen. Sie verabreden sich meist übers Handy.

„Die Gestaltung der Stunden liegt in der Hand der Tandems. Wie viel Sprache sie lernen wollen, bleibt ihnen überlassen“, sagt Peitz. Tipps zur Gestaltung der Tandemstunden geben die beiden Studentinnen gerne.

Für die Tandems melden sich seitens der Studenten mehr Frauen als Männer, bei den Flüchtlingen ist es umgekehrt. Konflikte gab es noch nie. „Viele der Männer sind unsicher gegenüber den Studentinnen“, sagt Brendel. „Sie haben Angst, etwas falsch zu machen“, ergänzt Peitz. „Sie müssen erst lernen, dass es bei uns in Ordnung ist, sich mit einer Frau in einem Café zu treffen.“

Internet:
Auf einer von Hohenheimer Studenten angelegten Website wird das Prinzip Sprachtandem erklärt. Eine Karte zeigt, wo in der Nähe es bereits Sprachtandemangebote gibt. Über ein Formular kann man sich als Tandempartner anmelden. Außerdem gibt es Hilfestellungen für Menschen, die selbst ein Tandemprogramm auf die Beine stellen wollen.

Mehr unter www.linguandem.de




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