Springreiter Deusser und Ahlmann vor Comeback Zwei verlorene Söhne kehren zurück

Die Bronze-Helden von Rio: Daniel Deusser (links) und Christian Ahlmann Foto: dpa
Die Bronze-Helden von Rio: Daniel Deusser (links) und Christian Ahlmann Foto: dpa

Die beiden deutschen Springreiter Christian Ahlmann und Daniel Deusser stehen vor der Rückkehr in die Nationalmannschaft.

WhatsApp E-Mail LinkedIn Flipboard Pocket Drucken

stuttgart - Noch ist es nicht offiziell, aber die Spatzen pfeifen es von den Dächern: Der deutsche Reiterverband und die beiden Topspringreiter Christian Ahlmann(44) und Daniel Deusser (37) gehen aufeinander zu, sind nach Jahren der kritischen Distanz wieder bereit, sportlich an einem Strang zu ziehen. An diesem Donnerstag um die Mittagszeit, auf der Jahrespressekonferenz des Verbandes in Warendorf, werden Bundestrainer Otto Becker und Dennis Peiler, verantwortlich für den Spitzensport, über den aktuellen Stand der Dinge informieren.

Christian Ahlmann und Daniel Deusser, die beiden Hauptakteure, kommen nicht nach Warendorf – sie bereiten sich und ihre Pferde vor auf das Weltcupfinale der Saison 2018/19, das nächste Woche im traditionsreichen Scandinavium von Göteborg ausgeritten wird. Gleichwohl sieht alles danach aus, dass Daniel Deusser, die Nummer drei der Weltrangliste, und Christian Ahlmann, die aktuelle Nummer 18, bald wieder in den deutschen Olympiakader aufgenommen werden; gegenwärtig hat der nur drei Mitglieder: Simone Blum, die Weltmeisterin von Tryon, den alterfahrenen Marcus Ehning und den Jungprofi Maurice Tebbel. Seit Monaten schon wirbt der Bundestrainer: „Beide sind tolle Teamplayer – unsere Tür steht für beide weit offen.“

Den Verband provoziert

Ihren letzten Start für Deutschland hatten die beiden Springprofis im Spätsommer 2016 bei den Olympischen Spielen von Rio, wo sie – im Team mit Ludger Beerbaum und seiner Schwägerin Meredith Michaels-Beerbaum – die Bronzemedaille holten nach einem dramatischen Stechen gegen die Kanadier. Seither verdienen beide ihr Sieg- und Platzgeld bevorzugt auf der lukrativen Global Champions Tour – verzichteten bewusst auf ihre Plätze im deutschen Kader, provozierten den Reiterverband zuletzt sogar mit der leisen Drohung: „Wir pflegen bekanntlich enge Verbindungen nach Belgien, also könnten wir auch die Nation wechseln.“

Wichtig zu wissen: Der in Wiesbaden geborene Daniel Deusser reitet seit Jahren für den belgischen Handelsstall „Stephex Stables“ und ist mit der Tochter des verstorbenen belgischen Topreiters Erik Wauters verheiratet. Ähnlich Christian Ahlmann: Seiner Lebenspartnerin Judy-Ann Melchior gehört das weltbekannte Gestüt Zangersheide im belgischen Lanaken; außerdem führt Ahlmann den familieneigenen Stall in Marl.

Woher rühren die alten Animositäten zwischen den „Jockeys“ und ihrer Verbandszentrale? Dazu muss man lange zurückschauen: Bei Olympia 2008 in Hongkong verwendete Ahlmann für seinen Hengst Cöster das verbotene Capsaicin, wurde erwischt wegen Dopings, vom deutschen Verband für acht Monate gesperrt und für zwei Jahre aus dem Kader verbannt, während Stars wie Rodrigo Pessoa und Dennis Lynch jeweils mit vier Monaten Sperre davonkamen. Jetzt sagt Reiterpräsident Breido Graf Rantzau selbstkritisch: „Die Sache mit Christian war der größte Fehler meiner Amtszeit.“

Mit Beruhigungsmittel gedopt

Ähnlich ging es mit Daniel Deusser. 2008 ritt er als Jungprofi in den USA ein junges Verkaufspferd, das mit einem Beruhigungsmittel gedopt war. Deusser wurde vom deutschen Verband gesperrt, wehrte sich erfolgreich vor Gericht – aber erst 2017 einigten sich Deusser und der Verband außergerichtlich über den ihm zugesprochenen Schadenersatz.

Aus diesen Gründen waren die beiden gebrannten Kinder bis dato nicht mehr bereit, die sogenannte Athletenvereinbarung des DOSB zu unterzeichnen, die verlangt, sich im Falle von Dopingverfahren einzig der Sportgerichtsbarkeit zu unterwerfen und nicht vor ein ordentliches Gericht zu ziehen. Außerdem empfinden die Profis die unangemeldeten Trainingskontrollen, die Pflicht zum Führen von sogenannten Stallbüchern, in denen alle Behandlungen der Pferde verzeichnet sein müssen, sowie das lückenlose Melden ihrer Aufenthaltsorte als zu streng. In Belgien, so weiß man, werden alle diese Dinge weitaus lockerer gehandhabt.

Beide Seiten, so heißt es aus dem Umfeld, seien in mehreren Gesprächen aufeinander zugegangen – die beiden Skeptiker seien im Prinzip bereit, eine neue Vereinbarung zu unterschreiben und in den Spitzenkader zurückzukehren. Das Hauptargument des Verbandes lautet: Tokio 2020.

Unsere Empfehlung für Sie