Die Chefin der Aral-Tankstelle in Gerlingen, Insa Erdmann-Bartl, bezeichnet den von der schwarz-roten Koalition geplanten Tankrabatt als „Tropfen auf den heißen Stein“. 17 Cent pro Liter seien zu wenig angesichts dessen, dass seit dem Iran-Krieg beispielsweise Diesel zeitweise über 2,50 Euro pro Liter kostete. Zu Jahresbeginn waren es noch 1,70 Euro. „Die Politiker sind nicht am Kunden dran. Sie kennen nicht die Bedürfnisse und Nöte am Ende der Kette“, meint Insa Erdmann-Bartl. Ähnliches höre sie von vielen ihrer Kunden.
Aktuell ist an ihrer Tankstelle in der Weilimdorfer Straße wieder mehr los. „Die Leute tanken ein bisschen mehr“, erzählt Insa Erdmann-Bartl. Dagegen sei die Verärgerung der Kunden über die hohen Spritpreise geblieben. „Die Leute sind informiert und wissen Bescheid. Sie fühlen sich verarscht.“ Zum Beispiel Kleinunternehmer, die sich fragten, wie sie ihren Beschäftigten den ebenfalls von der Koalition ins Spiel gebrachte Krisenbonus von bis zu 1000 Euro zahlen sollen.
Tankstellenbetreiberin profitiert nicht von hohen Spritpreisen
Das stellt auch Insa Erdmann-Bartl vor ein Rätsel, wie sie sagt. Die 52-Jährige hat zehn Angestellte. Für diese, grundsätzlich für die Mitarbeitenden, sei eine Prämie freilich toll. „Aber was nutzt es, wenn der Betrieb hinterher kaputtgeht?“ Insa Erdmann-Bartl berichtet von einem Gespräch mit einem Lkw-Fahrer mit 60 Angestellten. Seine Spedition habe bereits allein wegen der gestiegenen Spritpreise massive Mehrkosten, die das Unternehmen stark belasten würden.
Insa Erdmann-Bartl profitiert ebenfalls nicht von hohen Spritpreisen: Sie verdient pro Liter zwischen anderthalb und drei Cent – unabhängig von den Preisen für Benzin und Diesel. Unmut, sagt sie, herrsche bei ihren Kunden auch deshalb, weil der Sprit in etlichen anderen Ländern günstiger ist als in Deutschland.
Die Idee: Der Staat soll seine Mehreinnahmen abgeben
Aus Sicht der Gerlingerin sollte der Staat die Bürgerinnen und Bürger an seinen Mehreinnahmen teilhaben lassen, sie sozusagen „nach unten“ weiterreichen. „Das würde etwas bringen und die Leute ein wenig besänftigen“, glaubt Insa Erdmann-Bartl. Der Staat hätte dann auch keinen Verlust gemacht – „nur eben keinen Gewinn“.
Laut der Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche hat der Staat durch die gestiegenen Spritpreise beträchtliche Mehreinnahmen. Die CDU-Politikerin spricht von zwischen 100 und 200 Millionen pro Monat mehr an Mehrwertsteueraufkommen.