Seit 1952 gibt es den Sprudel mit dem roten Logo. Dass Gründer Wilhelm Fritz, der zuvor mit zwei seiner Unternehmungen gescheitert war – auch auf Anraten eines befreundeten Geologen – gerade in Ensingen nach Wasser bohrte, ist heute ein Glück für das Unternehmen. Die Brunnen liegen eingebettet in den Naturpark Stromberg, weil das Wasser dort durch Gipskeuper fließt, ist es so reich an Calcium und Magnesium. „Das sind halt auch Inhaltsstoffe, die jeder versteht“, sagt Marketingleiter Stefan Schurr. Damit lasse sich gut und einfach werben, ein „Privileg“, wie Schurr sagt. „Dafür können wir nichts, das hat uns quasi der liebe Gott geschenkt.“ Oder der Gründer Wilhelm Fritz.
Wasser aus den Quellen ist 1000 Jahre – und älter
Als der auf der Suche nach Wasser war, war es die Gemeinde ebenfalls. Sie wollte Quellen erschließen, um die Bevölkerung zu versorgen. Weil das, was gut für den menschlichen Körper ist, gar nicht gut für Wasserleitungen ist, durften Wilhelm und seine vier Söhne die Unternehmung starten. Und seitdem sprudelt das Wasser.
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Die Anfänge waren bescheiden, „dass wir mal 120 Millionen Liter im Jahr verkaufen, hätte mein Uropa sicherlich auch nicht gedacht“, sagt Johannes Fritz. Das Firmengelände ist längst über die Kreisstraße am Ortsrand von Ensingen hinausgewachsen. Ein Tunnel verbindet die beiden Hallen. Bis zu 170 Mitarbeiter – abhängig von der Nachfrage und der Saison – beschäftigt Ensinger. Das Bewusstsein für die Umwelt ist bei den Verantwortlichen vermutlich auch deutlich größer als zu Beginn. Ensinger produziert nach eigenen Angaben klimaneutral, die Anstrengungen für den Umweltschutz seien stetig größer geworden – schon aus eigenem Interesse. „Theoretisch kann alles, was irgendwo ausgebracht wird, auch irgendwann im Grundwasser landen“, sagt Geschäftsführer Frank Lehmann. Auch wenn das ein sehr langer Prozess sei – manche der Vorkommen sind 1000 Jahre alt und älter –, im schlimmsten Fall führe es irgendwann dazu, dass man kein Wasser mehr fördern dürfe.
Mineralwasserhersteller fördert auch Landwirte
Deshalb fördert Ensinger nicht nur Wasser, sondern seit einiger Zeit auch lokale Landwirte finanziell, damit diese ihre Betriebe auf Bio umstellen. 200 Hektar seien ein „bescheidener Anfang“, sagt Stefan Schurr. „Aber wir sind aktiv geworden.“ Weitere Betriebe sollen folgen, auch Weinbauern. Indem man Streuobstwiesen erhält, verfolgt man das gleiche Ziel: „Regen richtig anzubauen“, wie Lehmann es ausdrückt. Mit der Ressource Wasser schonend umzugehen, das gehört genauso zur Philosophie. Die Pegelstände unterhalb von Ensingen lassen derzeit nicht vermuten, dass das Wasser knapp wird. Nach oben pumpen dürfte Ensinger bis zu 300 Millionen Liter im Jahr, begnügt sich aber mit 140 Millionen weniger.
Einst war das Aushängeschild auf dem Sprudelmarkt in der Region auch mit dem sportlichen Aushängeschild, dem VfB Stuttgart, eng verbandelt. Dass Ensinger mittlerweile nicht mehr bei den Kickern vom Wasen wirbt – Guido Buchwald oder Kevin Kuranyi zierten einst die Plakate –, hängt nicht etwa mit der sportlichen Misere des Fußball-Bundesligisten zusammen. Sport ist immer noch ein Zugpferd auf dem Werbemarkt, nicht umsonst trägt das bestverkaufte Produkt den „Sport“ im Namen. Statt bei einem großen Club, engagieren sich die Vaihinger inzwischen bei rund 300 kleinen Vereinen, darunter mehrere Bundesligisten wie die Riesen Ludwigsburg, die SGBBM Bietigheim, Frisch Auf Göppingen sowie der TVB Stuttgart, und aus dem Kulturbereich.
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Den Getränkemarkt samt seiner Trends beobachten die Vaihinger ganz genau, „aber man muss nicht allem hinterherrennen“, sagt Johannes Fritz. Einen Energydrink wollte Ensinger eigentlich längst auf den Markt bringen. Mit natürlichen Zutaten sei das aber „nicht überzeugend“ möglich, sagt der 31-Jährige. Natürlichkeit ist eines der Schlagworte, das immer wieder fällt, wenn es um die längerfristige Ausrichtung geht. Bei Ensinger ist es ein Credo, das offenbar so gnadenlos durchgezogen wird, das deshalb auch schon Produkte aus dem Sortiment geflogen sind.
Ein gutes Beispiel ist „ACE Blutorange“. Einst ein Verkaufsschlager, weil mit allem möglichen – Sekt, sogar Vanilleeis – kombinierbar, wurde irgendwann bekannt, dass der rote Farbstoffe Kindern offenbar nicht so gut bekommt, wie erst gedacht. Fortan färbte man das Getränk mit schwarzer Karotte. Dem Geschmack tat das keinen Abbruch, der Farbe sehr wohl. Schon im Getränkeregal wurde aus knalligem Rot Rostbraun. „Das war den Kunden wohl ein bisschen zu natürlich“, sagt Fritz.
Am Ende entscheidet immer noch der Kunde
Dass der am Ende immer noch über Wohl und Wehe entscheide, egal, wie sehr er sich den Werten verbunden fühle, die das Unternehmen propagiert, betont Frank Lehmann. Denn ein Euro mehr an der Kasse sei ein Euro mehr. „Billig ist für uns trotzdem keine Option“, sagt der 41-Jährige. Bislang sind die Sprudler aus Ensingen damit gut gefahren.
Zu 100 Prozent in Familienhand
Jubiläum
An diesem Samstag, 7. Mai, begeht der Mineralwasser-Hersteller sein 70-jähriges Bestehen mit einem „Nachhaltigkeitstag“. Von 10 bis 17 Uhr finden auf dem Betriebsgelände in der Horrheimer Straße beispielsweise ein Markt und Vorträge statt.
Familienunternehmen
Ensinger sei ein Familienunternehmen, das diesen Namen noch zurecht trage, da es zu 100 Prozent im Besitz der Familie Fritz sei, sagt Johannes Fritz. Von den insgesamt 13 Gesellschaftern, direkte Nachkommen des Gründers Wilhelm Fritz, sind derzeit elf aktiv im Unternehmen. Nach Angaben von Ensinger fließt der überwiegende Anteil der Gewinne zurück ins Unternehmen. Ensinger hat auf der Gemarkung des Vaihinger Ortsteils ingesamt 15 Brunnen gebohrt, von denen derzeit aber nur sieben in Betrieb sind.