Sprudel selber machen Leitung gut,Wasser gut

Von Sandra Markert 

Immer mehr Deutsche sprudeln ihr Wasser zum Trinken selbst. Doch nicht überall sind Leitungen, Armaturen oder Wasserfilter in einem Zustand, der einwandfreies Trinkwasser garantiert. Wir sagen, worauf man achten sollte.

Selber Sprudeln liegt im Trend – auch weil man dann weniger Wasserkisten schleppen muss. Foto: Fotolia
Selber Sprudeln liegt im Trend – auch weil man dann weniger Wasserkisten schleppen muss. Foto: Fotolia

Stuttgart - Familie Sulger (Name geändert) hat sich einen Wassersprudler gekauft. Zu lästig war es ihnen, die schweren Wasserkästen die vielen Treppen hoch zu schleppen. Jetzt brauchen sie nur noch den Wasserhahn aufzumachen, die Flasche zu füllen und mit einem Knopfdruck auf den Sprudler die Kohlensäure ins Getränk zu geben. Ein bequemer Weg, den immer mehr Deutsche gehen. Der bekannteste Sprudler-Anbieter Sodastream verzeichnet seit 22 Quartalen ein zweistelliges Wachstum und legt auch 2017 Rekordverkaufszahlen hin. Auf der Internetseite wird unter anderem damit geworben, dass deutsches Trinkwasser beste Qualität habe und strenger kontrolliert werde als Mineralwasser.

Mutter Manuela Sulger zögert dennoch, den Sprudlerknopf zu drücken. Die Familie hat zwei Kleinkinder, darunter ein erst sechs Monate altes Baby. Kann das täglich vom Leitungswasser trinken? Und wie ist es eigentlich um die Wasserleitungen in der Doppelhaushälfte aus den 80er Jahren bestellt? Die Familie hat beim Kauf des Hauses nicht danach gefragt, um was für Leitungen es sich handelt.

Manuela Sulger ruft bei der Stadtverwaltung Waiblingen an. Dort erfährt sie, welches ihr Wasserversorger ist und dass die Nitratwerte im Wasser in einem Bereich liegen, der auch für Babys in Ordnung ist. Die Dame am Telefon sagt aber auch: „Bis zu ihrem Hausanschluss wird das Trinkwasser bestens kontrolliert, und Sie können die genaue Zusammensetzung des Wassers beim Versorger erfragen. Was ab dem Hausanschluss passiert, ist als Hausbesitzer Ihre Sache.“ Wenn sie unsicher sei, könne sie das Wasser aber von einem privaten Labor testen lassen.

Schnelltest für 25 Euro

Doch extra einen Experten kommen zu lassen erscheint Manuela Sulger zu aufwendig und zu teuer. Sie findet im Internet einen Trinkwasserschnelltest für zu Hause, der 25 Euro kostet. Einige Tage später sitzt sie mit einem Berg bunter Teststreifen und Röhrchen am Tisch. In die Röhrchen füllt sie eine abgemessene Menge Leitungswasser, tunkt einen Teststreifen für Eisen, für Kupfer, für Nitrat ein und stoppt mit ihrem Handy eine vorgegebene Zeit von wenigen Sekunden. Dann wird der Teststreifen mit der mitgelieferten Farbskala verglichen. „Es ist gar nicht so leicht, das eindeutig zuzuordnen“, findet Manuela Sulger.

Doch genau davon hängt es ab, ob das Testergebnis auf der Skala als gut oder kritisch eingestuft wird. Trotzdem arbeitet sich Manuela Sulger tapfer durch die 13 Testparameter von Bakterien bis Sulfat. „Ich finde es wirklich gut, sich überhaupt mal damit auseinanderzusetzen, was im Wasser so alles drin sein kann.“ Nach mehr als einer Teststunde weiß sie: Das Trinkwasser der Familie Sulger ist in Ordnung – zumindest soweit Manuela Sulger die Teststreifen richtig abgelesen hat.

„Um einen groben Eindruck von der Qualität des Wassers zu bekommen, sind solche Tests in Ordnung“, sagt Thomas Rapp, Fachgebietsleiter Trinkwasserleitungen beim Umweltbundesamt. Wer jedoch zur Miete wohnt und mit den Ergebnissen notfalls auch rechtlich gegen seinen Vermieter vorgehen möchte, der sollte Rapp zufolge das Trinkwasser unbedingt von einem zertifizierten Experten prüfen lassen und sich dazu ans Gesundheitsamt wenden. „Dabei wird beispielsweise auch untersucht, was an das Wasser übergeht, wenn es mehrere Stunden in den Leitungen gestanden hat.“

Blei ist in der Regel kein Problem mehr

Solche Untersuchungen macht auch das Umweltbundesamt regelmäßig bei zufällig ausgewählten Haushalten. Bedenkliche Bleiwerte finden sich bei Trinkwasser aus Baden-Württemberg nicht. Denn in Süddeutschland wurden Bleileitungen nach Angaben des Umweltbundesamts vielfach schon 1878 verboten. Stattdessen wurden in älteren Häusern meist verzinkte Stahlrohre eingebaut, die mit der Zeit korrodieren und irgendwann Eisen freisetzen. „Gesundheitlich ist das kein Problem, wir haben ja ohnehin meist eher Eisenmangel. Aber das Wasser verfärbt sich dann eben bräunlich“, sagt Rapp. Heutzutage werden meist Kunststoffrohre verwendet.

Ein Wert, der überall in Deutschland bei Trinkwasseruntersuchungen immer wieder auffällt, ist der für Nickel. „Nickel kann von verchromten Armaturen aus ins Wasser übergehen. Allergikern macht das zu schaffen“, sagt Rapp. Ihnen rät er, ­immer ein halbes Glas Wasser ablaufen zu lassen, bevor sie es verwenden. „Dann ist das Problem schon weggespült.“

Auch neue Armaturen enthalten Nickel

Zu ähnlichen Ergebnissen kommt auch das Fraunhofer-Institut für Grenzflächen- und Bioverfahrenstechnik in Stuttgart. Die Forscher untersuchten zusammen mit dem österreichischen Wasseranalyseinstitut Aqa GmbH im Jahr 2015 das Trinkwasser von 700 Stuttgarter Haushalten. „Nickel ist bundesweit und unabhängig von der Bausubstanz ein Thema. Auch neue Armaturen jeglicher Preisklasse enthalten meist Nickel“, sagt Ingenieur Stephan Bruck vom Labor Aqa.

Familie Sulger hat den Wassersprudler inzwischen in Betrieb genommen – aber erst, nachdem noch ein Mitarbeiter eines zertifizierten Labors mehrere Wasserproben in sterilen Gefäßen aus der Doppelhaushälfte mitgenommen und untersucht hat. „Vielleicht war mein Misstrauen übertrieben“, sagt Manuela Sulger. „Aber immerhin trinken wir das Wasser jeden Tag. Und jetzt wissen wir wirklich sicher, dass die Qualität auch vom Hausanschluss bis zum Wasserhahn nicht beeinträchtigt wird.“