Sprühaktion und Strafzettel So bekämpfen die Kommunen im Kreis wilden Müll

Mithilfe von knalliger Sprühfarbe will die Stadt Ebersbach den Müllsündern einen Denkzettel verpassen. Foto: Stadt Ebersbach

Immer mehr Haushaltsmüll landet dort, wo er nicht hingehört – auch im Kreis Esslingen. Die Kommunen in der Region Stuttgart greifen deshalb zu außergewöhnlichen Mitteln.

Um die zunehmende Menge an wildem Müll in den Griff zu bekommen, hat sich die Stadtverwaltung von Ebersbach im Kreis Göppingen eine ausgefallene Methode überlegt: Wenn zum Beispiel eine Bushaltestelle mehrfach als Müllkippe missbraucht wird oder Anwohner wiederholt und verbotenerweise Unrat vor das Haus stellen, dann markieren Mitarbeiter des Bauhofs diesen Ort mit Sprühfarbe. Damit ist für jeden sichtbar: Hier waren Müllsünder am Werk.

 

Ebersbachs Bürgermeister Eberhard Keller sagt: „Mit der Sprühaktion setzen wir auf eine neue Maßnahme, die durch ihre Signalwirkung präventiv wirken soll.“ Zuerst hätten Haushalte, bei denen mehrere Tage lang Gelbe Säcke und Biomüllbeutel auf der Straße standen, Handzettel eingeworfen bekommen, heißt es in einer Mitteilung der Stadt. Nun werden an diesen Stellen direkt Hinweise auf den Boden gesprüht, die auf das Problem aufmerksam machen sollen. Auch wenn öffentliche Abfalleimer überquellen, weil sie mit privatem Hausmüll vollgestopft werden, soll die Farbe zum Einsatz kommen. „Vermutlich fühlen sich die Müllsünder ertappt“, meint Keller. „Damit liegen sie richtig.“

Hausmüll in Friedhofscontainern

Das harte Durchgreifen hat einen ernsten Hintergrund, denn der wilde Unrat im öffentlichen Raum wird in der Region stetig mehr – auch im Kreis Esslingen. Das zeigt eine Befragung der Verwaltungen in Esslingen, Plochingen und Filderstadt. So berichten die Verantwortlichen in den Rathäusern von großen Mengen Gesellschaftsmüll, der achtlos auf den Boden oder in die Landschaft geworfen wird. Dazu zählen Lebensmittelverpackungen, Zigarettenstumpen und Hundekotbeutel. In Coronazeiten habe sich das Problem zusätzlich verschärft.

So sind beim Plochinger Ordnungsamt während der Pandemie „vermehrt Anzeigen über illegale Müllablagerungen“ eingegangen, heißt es von der Behörde. Vor allem Verpackungen von Online-Versandhäusern spielen dabei eine Rolle. Wenn dann die Haustonne voll ist, sucht so manch einer nach anderen Möglichkeiten, um seinen Unrat loszuwerden. Christian Sachs, der Leiter des Plochinger Bauhofs, beobachtet, dass ein Drittel des Mülls, der in öffentlichen städtischen Abfallbehältern landet, illegal entsorgter Hausmüll ist. Sogar die Container auf dem Friedhof würden dafür missbraucht.

Die Entsorgung ist teuer

Besonders große Sorgen bereitet den Städten und Gemeinden aber der Sperrmüll, der in teils großen Mengen am Waldrand sowie in den Randgebieten abgeladen wird. Der Esslinger Rathaussprecher Michael Botsch erklärt: „Ein wesentlicher Konflikt besteht darin, dass der Berg wächst, wenn wir den illegalen Müll nicht schnell entsorgen.“ Die Sperrmüllhaufen laden offenbar weitere Müllsünder dazu ein, ihren Unrat einfach dazu zu stellen. In den Büschen und Sträuchern landen dann die „üblichen Verdächtigen“, wie Klaus Pascher sagt. Er ist der Leiter des Tiefbauamts in Filderstadt. Etwa die Hälfte des Abfalls, den seine Mitarbeiter auflesen, sei sperriger Müll wie Autoreifen, Holzabfälle und Kunststoffe.

Doch was unternehmen die Kommunen, um den Schmutzfinken das Handwerk zu legen? In Reichenbach, der Nachbargemeinde von Ebersbach vor der Kreisgrenze, werden die Bürgerinnen und Bürger um Hilfe gebeten. „Im Hinblick auf ein sauberes Reichenbach, aber auch, um die Kosten für die Entsorgung dieses Mülls einzudämmen, bittet das Ordnungsamt, hier wachsam zu sein“, sagt Amtsleiter Siegfried Häußermann. Wer einen Verstoß bemerke, der solle dies gerne dem Ordnungsamt melden. Der Unrat verschandelt schließlich nicht nur das Stadtbild, er verursacht auch enorme Kosten.

Sprühfarbe ist nicht lange sichtbar

Wie viel Geld die Entsorgung des wilden Mülls kostet, lässt sich in den befragten Kommunen nicht eindeutig ermitteln. Diese Ausgaben werden nicht extra erfasst. Doch man kann erahnen, dass für die Entsorgung teils Zehntausende von Euro anfallen können. Zum Beispiel ist das Müllteam in Filderstadt von vier auf sechs Mitarbeiter aufgestockt worden. Eine Aufgabe der Gruppe ist es, den wilden Müll aufzusammeln.

Immerhin: In Plochingen habe der Vollzugsdienst schon mehrere Verfahren gegen Müllsünder eingeleitet; ihnen drohen bis zu 500 Euro Strafe. Doch die Verfolgung dieser Delikte kostet auch Geld, deshalb greifen einige Kommunen zu einfallsreichen Mitteln. In Filderstadt wurden zum Beispiel feuerrote Hundekotbeutel eingeführt, die ins Auge stechen sollen. Außerdem gibt es in der Stadt dreimal im Jahr einen Warentauschtag. Kostenlos kann man in der Turnhalle zum Beispiel alte Möbel abgeben und diese als Interessierter ebenso gratis mitnehmen. Dem Sprühfarben-Beispiel in Ebersbach ist aber bislang keine befragte Kommune gefolgt.

Was dort mithilfe von Schablonen auf den Gehsteig aufgetragen wird, bleibt nicht lange sichtbar. Regnet es, wird die spezielle Sprühkreide fortgewaschen. Was hingegen lange zurückbleiben kann, sind die Rückstände des Mülls – besonders in der Natur. Doch es gibt auch einen Lichtblick. So sagt der Esslinger Sprecher Michael Botsch: „Wir spüren auch, dass die Toleranz der Bürgerinnen und Bürger für solche Müllablagerungen schwindet und immer häufiger bei Meldungen die Verursacher genannt werden.“

Folgen des wilden Mülls

Strafen
Wer unerlaubt in der Öffentlichkeit Abfälle wegwirft, der wird teils kräftig zur Kasse gebeten. So bestimmt der Bußgeldkatalog Umwelt des Landes Baden-Württemberg verschiedene Strafen, die sich nach der Größe und Zahl des weggeworfenen Gegenstands richten. Achtlos weggeschmissene Zigarettenschachteln, Pappbecher oder Taschentücher kosten zum Beispiel zwischen 10 und 25 Euro. Wenn es mehrere Stücke sind, etwa Zeitschriftenbündel, variiert das Bußgeld zwischen 25 und 75 Euro. Aber auch höhere Strafen sind möglich. So hat die Polizeibehörde Plochingens mehrere Verfahren gegen Müllsünder eingeleitet, die womöglich bis zu 500 Euro zahlen müssen.

Gefahr
 Wilder Müll verschandelt nicht nur das Stadtbild, er kann auch eine Gefahr für die Umwelt sein. So könnten Stoffe in die Natur gelangen, die Schaden anrichten, zum Beispiel brennbare Flüssigkeiten. Zudem können sich Tiere schwere Krankheiten einfangen, wenn sie mit menschlichen Abfällen in Kontakt kommen.

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