Spuren der Geschichte Die Römer vor unserer Haustür

Die Lanze war die wichtigste Waffe des römischen Reiters. Daneben trug er ein Schwert und mehrere Wurfspeere bei sich. Foto: Bart Vetters/Flickr
Die Lanze war die wichtigste Waffe des römischen Reiters. Daneben trug er ein Schwert und mehrere Wurfspeere bei sich. Foto: Bart Vetters/Flickr

Das Landesmuseum in Stuttgart zeigt von Samstag an die Schau „Ein Traum von Rom“. Doch wo lebten die Römer eigentlich seinerzeit auf dem Stuttgarter Stadtgebiet? Die StZ zeigt die Fundorte auf einer Karte.

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Stuttgart - Als die Römer an den Neckar kamen, brachten sie ihren „Roman way of life“ mit. Das wirkte sich auf den Speisezettel der Menschen aus, zumindest auf jenen der Oberschicht: Die freute sich über Olivenöl und Fischsauce aus Spanien und über Wein aus Südfrankreich. Spätere Generationen fanden da und dort sogar Austernschalen. Doch für die meisten Menschen, die während der Römerzeit hierzulande lebten, war dieser Luxus unerreichbar. „Für die gab es Getreideprodukte, vielleicht ein bisschen Käse oder Wurst, das war es“ erzählt Nina Willburger. Sie entwickelte als Kuratorin im Landesmuseum jene Ausstellung mit, die von diesem Samstag an zeigt, welche Spuren die Römer im Südwesten hinterlassen haben.

Die Stuttgarter Zeitung beschäftigt sich mit den römischen Fundorten auf dem heutigen Gebiet von Stuttgart. Die  Karte auf Seite 3 zeigt, dass sich zwar ein Großteil der Siedlungen rund um das Römerkastell in Bad Cannstatt befand – doch tatsächlich sind die Fundorte quer über das gesamte Stadtgebiet verteilt. So wurde im Kräherwald (Fundort Nummer 14) Tafelgeschirr gefunden, das in einer Töpferei hergestellt wurde. Römische Brennöfen wurden vor allem an jenen Orten errichtet, an denen Lehm abgebaut werden konnte. Manche Töpfereien stellten schon Massenware her: „In großen Gemeinschaftsöfen wurden mehrere Tausend Töpfe gebrannt“, erzählt Nina Willburger. Die Töpferei im Kräherwald war in der Römerzeit Teil eines Big Business in der Branche. „In Bad Rheinzabern gab es eine riesige Töpferei“, erzählt die Kuratorin, „die Anlage im Kräherwald war Teil des Filialnetzes.“

Die Soldaten mussten alles neu aufbauen

Das römische Imperium kolonialisierte Schritt für Schritt den heutigen Südwesten Deutschlands. Dabei spielten zunächst das Rheintal und Rottweil eine große Rolle, bevor sich die Römer laut Nina Willburger etwa 85 n. Chr. auf dem Gebiet von Bad Cannstatt ansiedelten. Interessant ist: Es lebten damals im Südwesten nur wenige Menschen – die Kelten waren verschwunden, vielleicht aus Angst vor den Germanen, und die Römer stießen in ein fast unbesiedeltes Gebiet vor. „Die Soldaten mussten also alles neu aufbauen: Straßen, Gebäude, Wasserversorgung“, betont Andreas Thiel, der beim Landesamt für Denkmalpflege in Esslingen der Experte für provinzialrömische Archäologie ist: „Vermutlich hätten die Römer lieber gekämpft.“

So ähnlich müsste das Römerkastell in Bad Cannstatt ausgesehen haben. Es hat von etwa 90 bis  150 n. Chr. bestanden und beherbergte  500 Reiter, die den  Neckarlimes schützten.  In der Mitte sind das Wohnhaus des Kommandanten,  das  Stabsgebäude, ein Lagerhaus und das Lazarett (von links) zu sehen, darum herum gruppieren sich die Baracken für die Mannschaften. Die Reiter lebten übrigens mit ihren Pferden in den Gebäuden.Visualisierungen: Landesmuseum Württemberg, 3D-Visualisierung D.Rothacher, Archaeoskop




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