Squash Chiara Lang Vom Urlaub in Thailand ins Trainingslager nach Australien
Die Gerlingerin Chiara Lang ist deutsche U-19-Meisterin im Squash geworden. Geholfen hat ihr ein Aufenthalt in Down Under, der so gar nicht geplant war.
Die Gerlingerin Chiara Lang ist deutsche U-19-Meisterin im Squash geworden. Geholfen hat ihr ein Aufenthalt in Down Under, der so gar nicht geplant war.
Im Augenblick des Erfolgs konnte Chiara Lang ihr Glück kaum fassen. Nach dem Matchball im Endspiel um die deutsche U-19-Meisterschaft auf der Anlage in Gerlingen sank sie zu Boden, hielt sich die Hände vors Gesicht und saß kurz darauf eine Weile mit einem Handtuch über dem Kopf an einer der Glaswände des Courts.
Bei ihrem letzten Auftritt im Jugendbereich sicherte sich die 18-jährige Gerlingerin den Titel in der U 19, nachdem sie 2025 noch im Finale gescheitert war. Es war der größte Erfolg ihrer Karriere – und das letzte Ziel, das ihr geblieben war, nachdem sie eine Sehnenentzündung an ihrer Schlaghand über Monate zu einer Sportpause gezwungen hatte.
Nachdem sie im Februar bei den German Junior Open ihre Hand einem Härtetest erfolgreich unterzogen hatte, machte sie mit den Eltern zwei Wochen Urlaub in Thailand. „Das war ein Geschenk zum Abitur“, verrät Chiara Lang. Allerdings musste sie in paradiesischer Umgebung eine schlechte Nachricht verkraften: Da die Prognose über ihren Heilungsverlauf nach der Überlastungsreaktion ihrer Hand unklar war, wurde sie nicht für den Kader bei der U-19-EM nominiert.
Die Nachricht löste bei Familie Lang Umplanungen der größeren Art aus: Damit Chiara die Zeit nutzten konnte, um ihrer Reiseleidenschaft nachzugehen, wurden Flüge nach und ein Aufenthalt in Australien organisiert, wo die Familie Verwandtschaft in Melbourne hat. Sechs Wochen verbrachte die 18-Jährige im März und April in Sydney und Melbourne und fand Anschluss an die australische Squash-Community. Abends trainierte sie mit verschiedenen Spielpartnern an der Uni von Melbourne, tagsüber streute sie gelegentlich Lauf- und Sprungkrafttrainingseinheiten ein.
„In Australien wird mehr in Gruppen trainiert. Mir war vor allem wichtig, dass ich wieder Spielpraxis kriege“, erläutert Chiara Lang. Deshalb nahm sie an den Australian Junior Open und den Oceania Junior Championships teil – beide Male landete sie in einem 32er-Feld auf dem zwölften Rang. Drei Tage vor dem Beginn der deutschen U-19-Meisterschaft kehrte sie nach Deutschland zurück und stand Ende April hellwach bei ihrem Auftaktmatch auf dem Court im Gerlinger Point Fitness Club.
Die Partie gegen Elif Agerer dauerte keine zehn Minuten, sie überließ ihrer Kontrahentin beim 11:1, 11:0, 11:1 lediglich zwei Punkte. Deutlich schwieriger war ihre zweite Begegnung gegen Hanna Kumberger, die sie am Ende ebenfalls in drei Sätzen (11:5, 11:8, 11:5) bezwang. Allerdings landete während des Duells einmal der Schläger ihrer Gegnerin in ihrem Gesicht. Nach einer längeren Pause war Chiara Lang jedoch am Nachmittag in der Lage, ihre dritte Partie gegen Kira Bohne in drei Sätzen (11:7, 11:9, 11:4) für sich zu entscheiden.
Finalgegnerin war Clubkollegin Alina Reissenauer, mit der sie sich ein dramatisches Match lieferte. Nach einer 2:1-Satzführung (8:11, 11:8, 11:4) schien Chiara Lang im vierten Durchgang beim 8:3 auf der Siegerstraße zu sein, als Alina Reissenauer den Satz zum 8:9 drehen zu können schien. Chiara Lang konterte jedoch zum 10:9 und nutzte den dritten Matchball zum 13:11. „Es ist mir gelungen, mit guten Längen in den Schlägen und viel Tempo das Spiel zu diktieren“, lautet ihre Analyse. Geholfen habe ihr auch die Arbeit mit einem Sportpsychologen. „Ich bin ruhig geblieben, die Aufregung hat mein Spiel nicht beeinflusst“, erklärt sie.
Auch ihre Erfahrungen in Australien hätten sich positiv ausgewirkt, führt die 18-Jährige weiter aus. Im Juni und Juli will sie ein paar internationale Junior-Ranglistenturniere in Italien, Portugal, den Niederlanden und in Hamburg bestreiten. Wie genau die Karriere von Chiara Lang, die im November ihren 19. Geburtstag feiert, im Aktivenbereich weiter geht, muss sich zeigen. Im Herbst beginnt sie ein Duales Studium in Stuttgart. „Ich möchte vor allem weiter auf Turnieren spielen, aber Studium und Arbeit haben erst einmal Vorrang“, stellt sie klar.