Squash in Böblingen Blaue Flecke im Glaskäfig

Von Elke Rutschmann 

Für Anfänger ist die Variante nicht zu empfehlen: Beim Doppel im Squash braucht es viel Geduld, eine gute Technik und blindes Verständnis. Bei den deutschen Meisterschaften an diesem Wochenende in Böblingen kann sich jeder davon überzeugen.

Harmonisches Squash-Duo: Das  Stuttgarter Doppel Valentin Rapp und Ben Petzoldt (re.). Foto: Baumann
Harmonisches Squash-Duo: Das Stuttgarter Doppel Valentin Rapp und Ben Petzoldt (re.). Foto: Baumann

Stuttgart - Der französische Philosoph Jean-Paul Sartre hat einmal gesagt, Fußball ist ein einfaches Spiel, das durch die Anwesenheit eines Gegners arg verkompliziert wird. Man könnte diese Weisheit auch auf die Sportart Squash übertragen, wenn in dem 6,40 m breiten Court plötzlich vier statt zwei Athleten den 24 Gramm leichten Ball über die Front- und Seitenwände jagen. Zu dieser eher seltenen Konstellation kommt es an diesem Wochenende bei den deutschen Squash-Doppelmeisterschaften im Pink Power in Böblingen. Der Verein Squash- Insel Stuttgart richtet die Veranstaltung bereits zum fünften Mal aus.

Da die Anlage über keine größeren Courts oder verschiebbare Wände verfügt, werden die Doppel auf Einzelfeldern gespielt. Dabei können sich die Akteure für zwei Strategien entscheiden – entweder teilen sie sich rechts und links auf die beiden Seiten Vorhand und Rückhand auf, oder aber sie stellen sich im Feld in der vorderen und hinteren Hälfte auf. Das Stuttgarter Duo mit Valentin Rapp und Ben Petzoldt setzt auf die erste Variante – Rapp übernimmt dabei die Rückhand, Petzoldt die Vorhand. „Da wir ähnlich stark sind, bietet sich dieses System für uns an“, sagt Valentin Rapp . Die beiden haben gerade eine Trainingseinheit im Pink Power hinter sich. Die Bundesliga hat seit Juni Pause und jetzt gilt es noch in Form zu kommen für die Titelkämpfe. Das Doppel von der Squash-Insel Stuttgart zählt zu den Favoriten, im vergangenen Jahr wurden sie hinter den Brüdern Johannes und Markus Voit Zweite.

„Wir können mit der Favoritenrolle gut umgehen“

Zu einer Revanche wird es leider nicht kommen, da die Frankfurter nicht gemeldet haben. Zu den größten Konkurrenten zählt diesmal ein anderes Brüderpaar – Marco und Sandro Deeg aus Karlsruhe. Marco Deeg ist dabei kein Unbekannter – er spielt mit Rapp und Petzoldt im Bundesligateam der Squash-Insel Stuttgart. „Wir können mit der Favoritenrolle gut umgehen“, sagt Valentin Rapp. Doch worauf kommt es bei einem Squash-Doppel eigentlich an? Die Strategie ist natürlich wichtig, die Präzision und Schnelligkeit in den Schlägen – blindes Verstehen aber auch. Für Rapp/Petzoldt kein Problem – schließlich spielen sie seit acht Jahren im selben Verein und wohnen zusammen mit dem Vereinspräsidenten Tim Gräßer (26) in einer Männer-WG in Stuttgart-Vaihingen. Die Harmonie des Duos ist nur dann in Gefahr, wenn es um den Speiseplan geht. Ben Petzoldt ist überzeugter Vegetarier. „Wenn es ans gemeinsame Kochen geht einigen wir uns meist auf Käsespätzle“, sagt Tim Gräßer, der selbst aktiver Spieler ist und derzeit in der deutschen Rangliste Platz 35 belegt.

Seine WG-Mitbewohner sind deutlich besser platziert, Rapp steht auf Rang fünf, Petzoldt auf zehn. Die Ranglistenpositionen sind zwar ein Indiz für die Spielklasse der Einzelspieler, allerdings sind im Doppel teilweise andere Eigenschaften gefragt. Man benötigt vor allem eine gute Technik und deshalb ist diese Spielform nichts für Anfänger. Doppel ist anders.

Mehr Wiederholungen und mehr Abschüsse

Gefragt ist auch viel Geduld. Bei Behinderungen wird der Punkt wiederholt und das führt zu deutlich längeren Spielen als im Einzel. „Und es gibt viel mehr Abschüsse und damit auch mehr blaue Flecken“, sagt Ben Petzold. Es ist immer wieder eine Herausforderung für die beiden im Glaskäfig Kraft, Ausdauer, Schnelligkeit und Taktik in Einklang zu bringen. Für den 29-jährigen Petzold ist Squash Leidenschaft pur und auch in seinem Alter will er sich ständig verbessern. Der sechs Jahre jüngere Rapp liebt den Kampf und die Dynamik des Spiels. Er hat sich neben dem Doppeltitel noch ein weiteres ehrgeiziges Ziel für dieses Jahr gesteckt. „Ich würde gerne den Sprung in die Nationalmannschaft schaffen“, sagt der Chemiestudent.