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Sri Lanka Teekultur über den Wolken

Teepflückerinnen in Sri Lanka. Foto:  Foto: Mohl
Teepflückerinnen in Sri Lanka. Foto: Foto: Mohl

Nuwara Eliya ist ein Zentrum des Tees. Die Stadt wirkt wie England, liegt aber in Sri Lanka.

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Nuwara Eliya ist ein Zentrum der Teeproduktion. Die Stadt auf 1900 Meter Höhe mutet an wie Little England, liegt aber in Sri Lanka.

Teepflanzen so weit das Auge reicht, Tee und nichts als Tee. Langsam schiebt sich der Kleinbus Serpentine für Serpentine ins Hochland von Sri Lanka. Von den knallgrünen Reisfeldern und hochgeschossenen Kokospalmen an der Küste des Inselstaats keine Spur mehr. Auch die Obstplantagen und Gemüsefelder des Mittellandes liegen hinter uns. Jetzt wird es – trotz Äquatornähe – kühl. Angenehm kühl. Kein Wunder, dass die Engländer, die Ceylon 1815 nach den Portugiesen und Holländern eroberten, sich dort niederließen und dem Hochland im Herzen des Eilands ihren Stempel aufdrückten. Bis heute wird in Sri Lanka links gefahren, englisch gesprochen – und eine feine Teekultur gepflegt.

Sri Lanka ist der weltweit viertgrößte Teeproduzent nach China, Indien und Kenia. Gut die Hälfte der Produktion von jährlich 318000 Tonnen wird exportiert. "Die beste Qualität wächst ganz oben", sagt Trevin Fernando, Manager des 2008 eröffneten Mlesna Tea Castle. Zwischen 1500 und 2000 Metern etwa. Was weiter unten in die Körbe der Pflückerinnen gelangt, hat dunklere Blätter, einen kräftigeren Geschmack und ist immer noch gut für Tees, für die das Wasser nicht gefiltert wurde. Im Hochland laufe die Produktion das ganze Jahr, sagt Fernando stolz. Exportiert wird in 44 Länder, Hauptabnehmer sind Russland (vorzugsweise grüne Tees), Kanada, der Mittlere Osten mit Irak und Iran (schwarze Tees) und Australien. In Europa würden gerne aromatisierte Tees getrunken, weiß Fernando. Das Geschäft boomt. Allein Mlesna führt 2800 Teeprodukte. Für die Einwohner ist der Wirtschaftszweig ein Segen. Es sind ausnahmslos Tamilen, die als Teepflücker und in den Fabriken arbeiten. Die Engländer brachten sie einst als billige Arbeitskräfte aus Indien mit. Eine Teepflückerin verdient am Tag 400 Rupien, knapp drei Euro. Dafür pflücken die Frauen etwa 25 Kilo Blätter nur von den Spitzen der Pflanzen.

Die Ernte gelangt aufs Fließband der noch überraschend altmodisch ausgestatteten Teefabriken. Nostalgie pur. Bei 80 Grad werden die Blätter getrocknet und in maschinellen Mörsern zerkleinert. Feine und abgebrochene Teile sowie Stiele werden ausgesiebt. Die Qualität ist umso höher, je weniger Staub der Tee enthält. Das Spitzenprodukt ist der bekannte Broken Orange Pekoe. Durch Sauerstoff wird das grüne Blatt dunkel und gibt dem Tee nach dem Aufbrühen seine für Ceylon-Tees typische goldene bis kupferrote Farbe. Der Hochlandtee der Tropeninsel hat einen lebhaften Geschmack mit einer, wie Fachleute sagen, eleganten Milde. Farblich liegt er zwischen Darjeeling und Assam.

Im Hochland gibt es aber noch mehr zu sehen als Teeplantagen. Wasserfälle vor allem, was wenig verwundert. Der höchste Punkt der Insel ist 2500 Meter hoch, die Wolken kommen daran nicht vorbei, und es gibt Nebel und Regen. Die großen Wassermassen sind für Sri Lanka aber enorm wichtig: Drei Viertel der Elektrizität werden über Wasserkraft erzeugt. Derzeit wird wieder ein riesiger Staudamm gebaut, die Anwohner des oberen Kotmale-Flusses werden in eine moderne Häusersiedlung ins angrenzende Bergland umgesiedelt. Widerstand gibt es nicht: Die meisten sind froh, ihre ärmlichen Behausungen gegen moderne Unterkünfte tauschen zu können. Das Zentrum des Hochlandes, Nuwara Eliya, ist anders als alle anderen Städte der Insel. Die Häuser sind im englischen Kolonialstil erbaut, man kann in ausgedehnten Parks und Gärten wandeln. Der Botanische Garten Hakgala Sanctuary ist ein Paradies mit Lotosteichen, alten Bäumen und Orchideenhaus. Bevorzugte Sportart im Hochland ist natürlich Golf. Das ehemalige Ceylon bietet drei der schönsten 18-Loch-Plätze in ganz Asien.

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