Sri Lanka Wo schon Marco Polo haltmachte

Die Stadt Galle war früher der größte Umschlagsplatz für Waren zwischen Asien und dem Nahen Osten. Heute ist sie ein ruhiger Ort für Touristen.

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Galle - Die Straßen sind überfüllt. Überall Autos, Tuk-Tuks, Lastwagen oder Menschen, die Waren auf Leiterwagen oder Fahrrädern transportieren - immer wieder wird gehupt. Das Auto muss abbremsen, dann geht es langsam wieder weiter. Schließlich biegt der Fahrer ab und fährt durch ein großes, hölzernes Stadttor - und auf einmal herrscht Ruhe. Kein Hupen mehr, kein Verkehrslärm. Nur das Rumpeln der Reifen auf dem Kopfsteinpflaster: das Fort von Galle. Die Altstadt liegt auf einer Landspitze im Süden Sri Lankas rund 120 Kilometer von der Hauptstadt Colombo entfernt. „Im Dezember 2004 wurde die Stadt vom Tsunami getroffen“, sagt der Reiseführer.

Die komplette Neustadt wurde überschwemmt, und rund 3900 Menschen starben. „Doch das Fort war nicht betroffen“, erklärt er. Auf einmal befindet man sich in einer völlig anderen Welt. Aus den kleinen Hütten, die vor dem Tor am Straßenrand stehen mit ihrem geschäftigen Treiben, wurden koloniale Villen aus Stein. Und aus den mobilen Ständen der Straßenhändler wurden Antiquitätenläden, in denen es historische Münzen, alte Messgewichte und vieles mehr zu kaufen gibt.

Angeblich machte Marco Polo im Jahr 1292 hier halt

Manchmal scheint die Zeit einfach stehengeblieben zu sein. Das Festung von Galle ist von mächtigen Mauern umgeben, die vor mehr als 350 Jahren aus Granitsteinen und Korallen erbaut wurden. Schon vor 2000 Jahren war die Bucht eine Art natürlicher Ankerplatz - die Lage zwischen Asien und dem Mittleren Osten machte den Ort zu einem perfekten Umschlagshafen. Angeblich machte Marco Polo im Jahr 1292 hier halt, als er auf dem Rückweg aus China war. Und auch der marokkanische Weltreisende Ibn Battuta soll 1344 hier angelegt haben - und Gewürze, Perlen und Kokosnüsse an Bord genommen haben. Doch die neuere Geschichte der Festung beginnt erst viel später: 1505 ankern die Portugiesen in der Bucht. Sie bauen ein Fort aus Lehm und Palmen.

1640 übernehmen die Niederländer nach schweren Kämpfen die Stadt. Sie bauen die Festungsanlagen, die bis heute den Namen „Holländisches Fort“ tragen und seit 1988 Weltkulturerbe sind. Doch richtig an Bedeutung gewann der Hafen erst nach dem Einmarsch der Briten im Jahr 1796. 1802 wurde schließlich die ganze Insel zur britischen Kronkolonie. Galle wurde zum wichtigsten Hafen auf Sri Lanka für Fracht- und Passagierschiffe. Angeblich sollen an geschäftigen Tagen bis zu 700 Reisende angekommen sein. Von hier aus wurden begehrte Waren wie Tee, Zimt, Elfenbein und Gold nach Europa verschifft. Von diesem schwungvollen Handel ist das Fort heute weit entfernt. In der Altstadt ist es ruhig. Kein geschäftiges Treiben, kaum Autos. Doch das koloniale Flair kann man immer noch spüren. „Galle-Fort besteht aus rund 400 kolonialen Gebäuden“, sagt der Reiseleiter.

Fundstücke versunkener Schiffe

„Damit ist die Stadt eines der besten Beispiele dafür, wie europäische Architektur mit südasiatischen Traditionen verschmelzen kann.“ Das älteste Gebäude stammt aus dem Jahr 1656 und wir nun als Galle National Museum genutzt. Es fällt durch seine massiven Stützsäulen und die große Veranda auf. Doch das ist nicht das einzige Museum in dem kleinen Fort: Wer wissen will, wie die Einwohner des Ortes gefischt haben oder wie sich das Ökosystem an der Küste entwickelt hat, sollte einen Abstecher ins maritime, archäologische Museum machen. „Dort gibt es auch Fundstücke von versunkenen Schiffen zu bestaunen“, erklärt der Reiseleiter. Auf der Meerseite der Stadt führen Treppen hoch zum Flag Rock, dem Flaggenfelsen.

Heute nutzen Felsenspringer den Ort, um von den Touristen Geld zu erbetteln. Mit langem Anlauf springen sie zielsicher zwischen den Felsen ins Meer. Vor 200 Jahren war der Flag Rock eine der vier Bastionen, von denen die Briten Brieftauben mit eiliger Post nach Colombo schickten. Dreht man sich um und blickt über die Stadt, kann man die Meera-Moschee und dahinter den Leuchtturm an der Utrecht Bastion, den alten Uhrturm, die holländische Grote Kerk - übrigens die älteste christliche Kirche der Insel - und den buddhistischen Tempel sehen. Heute ziehen vor allem Touristen durch die Stadt und bewundern die Straßen mit Kopfsteinpflaster, die restaurierten Kolonialhäuser mit Holzverzierungen, die kleinen Juweliershops und gemütlichen Cafés.

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