SSB-Depot in Weilimdorf Beiräte äußern schwere Bedenken

Von Georg Linsenmann 

Der örtliche Bezirksbeirat nennt den geplanten Bau eines neuen Betriebshofes für Stadtbahnen in Weilimdorf eine „schwierige Entscheidung“, signalisiert aber prinzipielle Zustimmung.

  Foto: SSB
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Weilimdorf - Zum ersten Mal war der Bezirksbeirat nun mit dem erst kürzlich bekannt gewordenen Plan der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) konfrontiert, in Weilimdorf einen weiteren Betriebshof zu bauen. Wie stark dieses Vorhaben den Stadtbezirk beschäftigt, nicht zuletzt wegen des großen Flächenbedarfs, zeigten auch die restlos besetzten Besucherplätze. Vorgestellt wurde das Vorhaben von Volker Christiani, dem Leiter des Stabsbereiches Planung der SSB.

Betriebshof für 40 Waggons

Er umriss die Notwendigkeit des Baus eines vierten Betriebshofes angesichts steigender Fahrgastzahlen und des strategischen Ausbaus der Stadtbahn. Und dieser Betriebshof für 40 Waggons müsse „wegen der Anbindung ans Netz irgendwo im Nordwesten sein“. Von 14 ins Auge gefassten Standorten, acht davon in Weilimdorf, blieben zuletzt noch vier aus dem Stadtbezirk übrig. Als nicht geeignet erwiesen sich inzwischen auch das Walz-Areal und Flächen an der B 295 in Höhe der Haltestelle Rastatter Straße, sodass nurmehr die Varianten Flachter Straße und Motorstraße übrig bleiben. In der Bewertung zeigen beide dieselbe Tauglichkeit für die Anlage, bieten zudem perspektivische Erweiterungsmöglichkeiten.

Beim Standort Motorstraße käme die Verknüpfung mit der nahen S-Bahn hinzu. Hier aber macht die Zufahrt zum Betriebshof Probleme. Laut Christiani müsste der Weg durch die Hemminger Straße gehen, deren Infrastruktur „komplett in die Hand genommen werden müsste“. Das allein würde 40 Millionen Euro kosten, also deutlich mehr als der auf 25 Millionen Euro taxierte Betriebshof selbst. So überraschte es nicht, als Christiani seine über eine Stunde dauernde Präsentation so schloss: „Wir werden beide Standorte weiter hinsichtlich Optimierungen diskutieren. Insbesondere der Standort Flachter Straße, der von unserer Seite präferiert wird.“

Bezirksbeirat: „Ja-Aber“

Gleich die erste Stellungnahme zeigte das „Ja-Aber“, das die Positionen aller Fraktionen durchzog: „Eigentlich ist es positiv, wenn der Ausbau des Stadtbahnangebotes auf der Tagesordnung steht, und es macht keinen Sinn, für den öffentlichen Nahverkehr zu sein, im eigenen Stadtbezirk aber einen Betriebshof abzulehnen“, sagte Michael Lateier (Die Grünen) und fügte hinzu: „Angesichts der damit verbundenen Eingriffe in Landschaft, Boden, Klima und Belastung durch Lärm wird uns aber eine schwierige Entscheidung abverlangt.“ Oberstes Gebot müsse die „Minimierung des Flächenverbrauches“ sein. So schlägt die Fraktion die Prüfung von drei Standortvarianten vor: nördlich der Motorstraße mit Nutzung bestehender Parkflächen, dann Freiflächen zwischen S-Bahn und B 295 westlich der Friolzheimer Straße sowie eine Drehung und Verschiebung der Variante Flachter Straße, verbunden mit einer Trassenführung entlang der B 295.

Erhebliche Eingriffe

Wegen der „erheblichen Eingriffe in Naturschutz, Naherholung und Landwirtschaft ist keine Variante ideal“, befand Marc Benzinger (CDU). Dem Antrag der Grünen könne seine Fraktion aber nicht folgen, stattdessen verlange man „die schriftliche Beantwortung unserer Frageliste“. Das brachte den Grünen-Bezirksbeirat Gerhard Pfeifer auf die Palme: „Wir verlangen möglichst geringe Beeinträchtigung und Sie können sich nicht anschließen! Ich bin entsetzt über dieses destruktive Verhalten.“

Jürgen Raiser (Freie Wähler) wollte ebenfalls die Beantwortung der „gemeinsamen Frageliste“ und betonte: „Wir sind für den Ausbau der Stadtbahn.“ Ein Betriebshof hier müsse aber auch „einen Mehrwert für den Stadtbezirk haben“. Wie andere auch, plädierte er „für eine Anbindung von Hausen“. Im übrigen habe man „noch weitere Varianten im Hinterkopf“, müsse diese aber erst ausarbeiten. Dieter Benz (SPD) nannte die Standortfrage „schmerzlich für Weilimdorf“ und plädierte für eine Platzierung „möglichst an der Motorstraße“. Um die aufwändigen Eingriffe in der Hemminger Straße zu umgehen, schlug er eine Umfahrung des Industriegebietes entlang der B295 Richtung Ditzingen und das Einschwenken am südwestlichen Rand vor.

Christiani fand, das Gremium gehe „sehr konstruktiv an das Thema ran“. Über sämtliche Vorschläge werde man nun „eine Planung legen“. Zu den „Hausaufgaben“, die er mitnehme, zählte er auch diese Anregung: eine Unterquerung der B295 für einen direkten Stadtbahnanschluss von Hausen.

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