SSB-Fahrplanumstellung Stuttgarter Stadtbahnen im Nadelöhr

Von Sascha Maier 

Umstellung geglückt: Am ersten Tag der Fahrplanumstellung der SBB lief der Straßenbahnverkehr in Stuttgart reibungslos. Das Kunststück, etliche Bahnen über den Hauptbahnhof umzuleiten, scheint geglückt. Doch der Härtetest kommt erst noch..

An großen Tafeln informieren sich die Fahrgäste über die neuen Strecken. Foto: Lg/Kovalenko 6 Bilder
An großen Tafeln informieren sich die Fahrgäste über die neuen Strecken. Foto: Lg/Kovalenko

Stuttgart - Es hört sich nach einem Szenario an, bei dem Nutzer von öffentlichen Verkehrsmitteln durchaus mulmig zumute werden könnte: Straßenbahnen, die früher über zwei Trassen fuhren, fahren künftig über eine. Genauso ist es seit Dienstag in Stuttgart, seitdem der neue Fahrplan der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) gilt, weil die Haltestelle Staatsgalerie im Zuge der S 21-Bauarbeiten umgebaut wird. Bis jetzt gelingt aber das Kunststück die Linien U 1, U 2 und U 4, die früher von der Staatsgalerie zum Charlottenplatz und vom Wilhelmsplatz in Bad Cannstatt über den Hauptbahnhof oder über den Berliner Platz umzuleiten, ohne dass es zu Verspätungen kommt. Da zeigt sich offenbar auch, dass Stuttgarter in der Stauhauptstadt offenbar ein dickes Fell entwickelt haben, was Verkehrsbehinderungen angeht, zumal auch die S-Bahn einen Negativrekord nach dem anderen einstellt.

Die Ruhe war es an vielen Stadtbahnhaltestellen zu beobachten. „Ich muss jetzt ein Mal öfter Umsteigen als vorher. Klar ist das umständlich, aber davon geht die Welt nicht unter“, sagt zum Beispiel eine Auszubildende, die zum Rotebühlplatz will.

Auch sonst ist bei Stichproben kaum Murren zu vernehmen. Die Fahrgäste studieren die neuen Fahrpläne zwar intensiv, wirklich verloren scheint sich aber niemand vorzukommen. Das bestätigt auch die Kundenservicestelle der SSB, wo es den ganzen Tag recht ruhig war und glühende Leitungen ausblieben.

Einen guten Anteil daran, warum die Stimmung der Fahrgäste trotz der Fahrplanumstellung so unaufgeregt hingenommen haben, dürfte die gelungene Informationspolitik der SSB haben. Lautsprecherdurchsagen machten auf die Fahrplanänderungen aufmerksam, an Knotenpunkten wie dem Cannstatter Wilhelmsplatz wurden prominent Informationstafeln angebracht, die das gesamte neue Netz zeigen.

Gut gewappnet

Auch personell sind die SSB gut für die kommenden Wochen gewappnet. Wo Straßenbahnen über den Hauptbahnhof umgeleitet werden, die früher andere Ziele ansteuerten, geben zahlreiche Mitarbeiter in gelben Westen Auskunft. „Wir sind heute mit etwa 60 Mitarbeitern vor Ort im Einsatz“, sagt SSB-Sprecherin Susanne Schupp. Noch drei bis vier Wochen will man mit aufgestocktem Personal arbeiten.

Das könnte auch nötig sein. Denn den Härtetest hat der Stuttgarter Straßenbahnverkehr noch nicht bestanden: Wenn in zwei Wochen die Pfingstferien vorbei sind und der Berufsverkehr wieder brummt, werden auch die Stadtbahnen wieder mehr belastet, was zu längeren Haltezeiten an den Stationen führt.

Doch die SSB gibt sich da zuversichtlich. „Wir haben aus der letzten Umstellung im Jahr 2011 gelernt. Umfangreiche Informationspolitik ist wichtig“, sagt die Sprecherin Schupp. Sobald die Ferien vorbei sind, werde man personell entsprechen aufgestellt sein, um die Situation zu meistern und dem Andrang an Fahrgästen Herr zu werden. Ob das funktioniert, kann nur die Praxis zeigen.

Vom neuen Fahrplan betroffen

Fakt dagegen ist: Jeder zehnte Fahrgast ist von dem neuen Fahrplan betroffen, täglich sind das im Durchschnitt 43 000 Menschen, was der Einwohnerzahl einer größeren Stadt entspricht. Vor allem am Hauptbahnhof dürfte es durch die Umstellung eine Menge Gedränge geben, da dort etwa ein Viertel mehr Umsteiger unterwegs sein wird als bisher.

Gleichzeitig ist die Trasse zwischen Charlottenplatz und Staatsgalerie gesperrt. Die Kosten des Neubaus der Haltestelle Staatsgalerie und zusätzlich entstehende Betriebskosten trägt die Bahn. Den Betrag wollen die Bahn und die SSB nicht nennen.