SSB-Hybridbusse Die neue Technik versteckt sich im Oberstübchen

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Bei der SSB kommen immer mehr Hybrid-Busse zum Einsatz. Bei der Wartung der Fahrzeuge steigen die Mechaniker den Gefährten aufs Dach, dort ist die gesamte Technik untergebracht.

Werkstattmeister Matthias Mohos ist bei der SSB für die eingehende Wartung der Brennstoffzellen-Busse zuständig. Foto: Michael Steinert
Werkstattmeister Matthias Mohos ist bei der SSB für die eingehende Wartung der Brennstoffzellen-Busse zuständig. Foto: Michael Steinert

Stuttgart - An der Ulmer Straße 140 im Osten ist Gelb die dominierende Farbe. Unter dem großen Dach des SSB-Busbetriebshofs warten zahlreiche Linienbusse auf den Einsatz. Der zwölf Meter lange Bus mit dem Kennzeichen S-SB 5503 steht allerdings in der benachbarten Werkstatt. Unten in der Grube sucht kein Mechaniker nach der Ölablassschraube. Dort ist auch kein Getriebe, keine Kardanwelle und kein Dieselmotor zu finden. Dort stecken nur noch zwei Elektromotore mit einer Leistung von 160 Kilowatt in den hinteren Radnaben. „Das ist einer unserer vier neuen Brennstoffzellen-Hybridbusse“, sagt SSB-Werkstattchef Markus Wiedemann.

Den neuen Linienbussen müssen die Mechaniker für die Wartung aufs Dach steigen. Denn fast die gesamte Technik steckt im Oberstübchen. Unter dem aufklappbaren Dach verbergen sich sieben Tanks, die 35 Kilogramm Wasserstoff bei einem Druck von 350 bar speichern. Daneben liegt die Hochleistungsbatterie, die von der im hinteren Teil untergebrachten Brennstoffzelle mit Strom versorgt wird. Damit die zwei Tonnen schwere Dachlast die Fahreigenschaften nicht verschlechtert, können die Stoßdämpfer je nach Strecke elektrisch angepasst werden.

Stromprüfgerät statt Schraubenschlüssel

Der SSB-Mechaniker Alexej Eisenach steht auf dem Dacharbeitsstand der Werkstatt. Statt eines Schraubenschlüssels hat er ein Stromprüfgerät in der Hand. „Bevor der Brennstoffzellenbus gewartet wird, muss absolut sichergestellt sein, das alle Aggregate wirklich stromlos sind“, erklärt er. Bei der Kontrolle der dicken orangefarbenen Kabelstränge bleibt die Voltanzeige auf null – alles in Ordnung. „Im Betrieb liegen da bis zu 750 Volt an“, erklärt Matthias Mohos, der Leiter des Elektrik-Teams der SSB-Werkstatt. Inzwischen könnten bereits mehr als 50 der gut 100 Werkstattmitarbeiter mit der neuen Technik umgehen. „Hybridbusse sollen schon bald für alle unsere Fahrer ein ganz normales Fahrzeug sein“, ergänzt Wiedemann. Man müsse die neue Technik allerdings in kleinen Schritten in den Alltag überführen.

Mit dieser Strategie haben die SSB bereits vor etwa zehn Jahren angefangen. „Damals verkehrten die ersten Brennstoffzellenbusse zwei Jahre lang auf der Linie 44“, so Wiedemann. Inzwischen gebe es bereits 18 moderne Hybridfahrzeuge in der 260 Busse starken SSB-Flotte.

Jeder will die Hybrid-Busse fahren

Im Stadtgebiet fahren die neuen Hybridbusse seit dem Frühjahr auf der Linie 79 zwischen Plieningen und Flughafen. Unter den Fahrern gebe es schon einen Wettbewerb. „Jeder hat den Ehrgeiz, möglichst viel Bremsenergie als Strom in die Batterie zurückzuspeisen“, sagt Wiedemann. „Dieses Verhalten zeigt, dass sich unsere Leute für die neue Technik begeistern.“ Dass beim Brennstoffzellenbus nur Wasserdampf als „Abgas“ aus dem „Auspuff“ komme, fänden die Mitarbeiter ebenfalls gut. „Wir sind auf dem Weg in eine schadstofffreie Zukunft.“ Noch stehen auf den meisten Plätzen in der SSB-Werkstatt allerdings Linienbusse mit Dieselmotor – und Rußfilter. Geschraubt wird im Schichtbetrieb sieben Tage in der Woche – jeweils 22 Stunden lang.

„Alle Reparaturen, die innerhalb von drei Stunden zu schaffen sind , packen wir sofort an“, sagt Wiedemann. Bei den SSB hingegen seien auch zwölf bis 15 Jahre alte Linienbusse noch in einem guten Zustand. „Schlechte Wartung kommt teuer“, sagt Wiedemann. Die Pflege des Fahrzeugparks sei wichtig, da es für neue Fahrzeuge so gut wie keine öffentlichen Zuschüsse mehr gebe. Die Finanzierung neuer Busse und Stadtbahnen wird aus Sicht der SSB immer schwieriger. „Schließlich kostet ein normaler Linienbus 250 000 Euro und ein Gelenkbus noch mal 100 000 Euro mehr.

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