SSB in Stuttgart-Möhringen Neue Bahnstrecke ohne Lärmschutz?

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Die SSB plant eine Übereckverbindung zwischen den Haltestellen Rohrer Weg und SSB-Zentrum. Die Bürgerinitiative Reduzierung Stadtbahnlärm kritisiert, dass in den Plänen keine Lärmschutzmaßnahmen für die Anwohner erwähnt sind.

Der neue Streckenast Pflugmühle soll den Rohrer Weg mit dem SSB-Zentrum verbinden und damit eine Direktverbindung in den Synergiepark schaffen. Foto: Archiv/Kai Müller
Der neue Streckenast Pflugmühle soll den Rohrer Weg mit dem SSB-Zentrum verbinden und damit eine Direktverbindung in den Synergiepark schaffen. Foto: Archiv/Kai Müller

Möhringen - Die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) will bis spätestens Ende 2021 die Übereckverbindung Pflugmühle umsetzen. Dieser 225 Meter lange, zweigleisige Bogen verbindet die Haltestellen Rohrer Weg und SSB-Zentrum. Für Fahrgäste hat die neue Stadtbahnstrecke den Vorteil, dass diese ohne Umstieg vom Flughafen, der Messe und dem neuen Filderbahnhof sowie von dem geplanten Park-and-ride-Parkhaus an der Nord-Süd-Straße in den Synergiepark kommen.

Dieser Ausbau des ÖPNV sei richtig, sagt Jürgen Häberle. Er ist der Sprecher der Bürgerinitiative Reduzierung Stadtbahnlärm. Die Maßnahme sei unstrittig, sagt er. Allerdings habe die Vorlage an den Gemeinderat, die bereits im Dezember beschlossen wurde, bei den Mitgliedern der Bürgerinitiative „große Verwunderung“ ausgelöst, sagt Häberle. Denn von Lärmschutzmaßnahmen sei in der Vorlage nicht die Rede. „Wir sind Befürworter des ÖPNV-Ausbaus“, betont Häberle. „Wir wollen den Prozess begleiten zum Schutz der Anwohner.“ Deswegen fordert die Initiative, ein gewisses Maß an Lärmschutz umzusetzen. Zumindest, sagt Häberle, könnte man ein Magerwiesengleis verlegen. Dieses sei erwiesenermaßen leiser als ein Schottergleisbett.

SSB lehnt Magerwiese ab und baut auf Schotter

Auf den Bestandsstrecken zwischen Vaihingen Bahnhof und Möhringen Bahnhof sowie Vaihinger Straße und Leinfelden Bahnhof sei „Schotteroberbau“ verbaut, sagt die SSB. Daher sei für den „relativ kurzen“ neuen Streckenabschnitt der selbe Oberbautyp zu verwenden. „Dies bringt für die Instandhaltung der Schieneninfrastruktur deutliche Vorteile, da es so keine besonders zu überwachenden Systemwechselstellen zwischen ‚Schotteroberbau’ und ‚Fester Fahrbahn mit Magerwiesengleis’ gibt und somit keine häufigeren Stopfarbeiten aufgrund unterschiedlicher Oberbausteifigkeiten erforderlich werden“, heißt es in der Gemeinderatsvorlage. Außerdem müssten die Weichen aufgrund der Mechanik und der beweglichen Teile ohnehin im Schotteroberbau gebaut werden. Ein Magerwiesengleis wäre also nur wenige Meter lang, hätte aber einen hohen Instandhaltungsaufwand. Die SSB spricht sich deswegen dafür aus, den Streckenabschnitt komplett als Schottergleis zu bauen.

Den Standpunkt der SSB, Magerwiese koste mehr als Schotter, kann die Bürgerinitiative nicht nachvollziehen. „Es wird rein mit den Finanzen argumentiert“, sagt Häberle, „und keine Rücksicht auf die vom zusätzlichen Lärm betroffenen Anwohner genommen“.

Planung ohne Lärmschutz sei „nicht nachvollziehbar“

Betroffen wäre in erster Linie das Wohngebiet rund um den Rudolf-Weisser-Weg und die Flüchtlingsunterkunft am Lautlinger Weg. „Schon jetzt fahren fünf Stadtbahnlinien durch Möhringen“, sagt Häberle. Künftig wären es dann sechs Linien, außerdem die Züge, die ins SSB-Depot ein- und ausfahren. Das sollen laut der Vorlage an den Gemeinderat 51 Prozent der Stadtbahnflotte sein. „Das ist eine Ansage“, so Häberle. Mit der zusätzlichen Bahnverbindung ist zu befürchten, dass es noch lauter wird für die Anwohner. „Eine solche Planung ohne Lärmschutzmaßnahmen ist nicht nachvollziehbar“, sagt der Sprecher der Bürgerinitiative. Er fordert ein Umdenken bei der SSB und der Stadtverwaltung.

Die Bürgerinitiative hat ihr Anliegen in der jüngsten Sitzung des Bezirksbeirats Möhringen vorgebracht. Zudem wollen die Mitglieder sich in einem Brief an Oberbürgermeister Fritz Kuhn wenden mit der Bitte, den Lärmschutz bei den Planungen für den neuen Streckenast einzubeziehen.

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