Die SSB haben den Wirtschaftsplan für 2015 vorgestellt und über aktuelle Projekte informiert. Auf den Fildern sind dies die U 12 und die Verlängerung der U 6 zum Flughafen. Für das marode Verwaltungsgebäude steht erneut kein Geld zur Verfügung, denn die SSB müssen sparen.

Bad Cannstatt: Rebecca Stahlberg (res)

Stuttgart - Mit der Sanierung des maroden Verwaltungsgebäudes wird es vorerst wieder nichts. Die schwierige finanzielle Lage zwingt die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) „ambitioniert zu planen“, wie es der Kaufmännische Vorstand Jörn Meier-Berberich beim Pressegespräch zum Geschäftsjahr 2015 formulierte. Die Bürogebäude an der Schockenriedstraße im Möhringer Industriegebiet hätten eine Überholung zwar dringend nötig. Der Personalvorstand Reinhold Bauer fand diesbezüglich klare Worte: „Die Gebäude sind altersschwach. Es regnet rein, wir heizen die Umwelt, es fallen Fenster heraus“, zählte er auf. Auch sein eigenes Büro werde nicht mehr warm, zudem gebe es beim Brandschutz neue Vorschriften, die man einhalten müsse. „Wir ermitteln gerade, was dies für uns bedeutet.“

Dennoch: diese und weitere Instandhaltungsmaßnahmen sowie die Häufigkeit des Schienenschleifens fallen dem Sparzwang zum Opfer. „Wir haben auf die Bremse drücken müssen, um dieses Ergebnis zustande zu bringen“, sagte Meier-Berberich. Gemeint sind die Zahlen für das neue Geschäftsjahr: Die SSB rechnen mit Erträgen in Höhe von rund 330 Millionen Euro und Aufwendungen von rund 347 Millionen Euro. Davon sind 134 Millionen Euro für Investitionen vorgesehen: etwa in neue Stadtbahnstrecken und Fahrzeuge. Das bedeutet ein Defizit von 17 Millionen Euro. Die Zuschüsse der Stadt Stuttgart sind auf maximal 25 Millionen Euro pro Jahr begrenzt – ohne Aussicht auf Anhebung. Die Vorstände machten klar, dass man ohne eine Erhöhung der Zuschüsse von Bund und Land – vor allem für den Erhalt und den Ausbau der Infrastruktur – die aktuellen Standards mittelfristig nicht halten könne und die mit jeder Erhöhung der Fahrpreise angedachten Angebotsverbesserungen fraglich seien.

Die aktuellen Projekte sind laut SSB im Zeitplan

Für die Mitarbeiter in der SSB-Zentrale in Möhringen bedeutet der Sparzwang, dass sie noch weitere Jahre in den sanierungsbedürftigen Räumen ausharren müssen. „Wir wollen die Revitalisierung der Gebäude immer noch machen“, betonte Bauer. Sie sei in der mittelfristigen Planung bis 2020 enthalten. Derzeit arbeite man zudem an einer langfristigen Planung bis 2030, informierte Meier-Berberich. Die Frage, die sie dabei maßgeblich umtreibe: Wo kommt das Geld her? Was ungeachtet der Liquiditätsprobleme aber auf jeden Fall kommen wird, ist eine provisorische Fahrzeughalle mit 28 Plätzen in Möhringen. Weitere zehn Abstellplätze sollen am Neckarpark entstehen. Mit dem Bau wolle man 2016 beginnen, so Wolfgang Arnold, der Technische Vorstand.

Mit guten Nachrichten konnten die SSB-Verantwortlichen bei den aktuellen Projekten aufwarten, darunter die Verlängerung der Stadtbahnstrecke U 12. „Wir sind in allen Teilabschnitten planmäßig unterwegs“, sagte Arnold. Im Bauabschnitt Dürrlewang sei man aktuell mit dem Fahrweg beschäftigt. „Den Südast würden wir gerne schon im Frühjahr 2016 in Betrieb nehmen, wenn es möglich ist“, sagte Arnold weiter. Die Autofahrer müssen wegen der Bauarbeiten freilich mit wechselnden Umleitungen und Sperrungen im Industriegebiet leben. „Es ist eine Riesenherausforderung für uns, die Baumaßnahmen durchzuführen und dabei die Verkehrsbeziehungen zu bedienen“, bestätigte Arnold. Der schwierige Teil – das Verlegen der Leitungen – sei nun aber abgeschlossen. Zur Halbzeit wird Bilanz gezogen, die Anwohner sollen in den kommenden Tagen eine neue Ausgabe des „Extrablatts“ erhalten, in dem die SSB über das bereits Vollbrachte resümieren, einen Ausblick auf die kommenden Arbeiten geben und sich bei den „Baustellengeduldigen“ bedanken.

Auch was die Verlängerung der U 6 zum Flughafen angeht, sind die SSB positiv gestimmt. Das Planfeststellungsverfahren beginnt Anfang 2015 und soll voraussichtlich ein Jahr dauern. Alle nötigen Voruntersuchungen habe man gemacht, auch die Ausgleichsmaßnahmen seien bedacht sowie der mögliche sechsspurige Ausbau der B 27, erklärte Arnold. Und weiter: „Wir haben das sehr qualifiziert vorbereitet und rechnen mit keinen größeren Überraschungen.“ Wenn alles gut geht, könnte der Baubeginn Mitte 2016 sein. Angedacht sind drei Jahre Bauzeit.

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