Der beim Stadtteil Hausen geplante vierte Betriebshof der Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) entsteht zusammen mit einer neuen Strecke, die bis nach Ditzingen führen soll. Foto: Loomn/Jost Hauer
Das Stuttgarter Stadtbahnnetz soll wachsen. Die Pläne für die neue Strecke nach Hausen und Ditzingen werden im Januar diskutiert - womöglich hinter verschlossenen Türen.
Das Stuttgarter Stadtbahnnetz soll weiter wachsen. Die Stuttgarter Straßenbahnen (SSB) benötigen wegen der steigenden Zahl an Stadtbahnen dringend einen vierten Betriebshof zum Abstellen und Reinigen der Fahrzeuge. Die entsprechenden Pläne sollen nun die nächste Hürde nehmen. Dabei geht es um den Neubau des Betriebshofs an der Gemarkungsgrenze zu Ditzungen und der dazugehörigen neuen Stadtbahnstrecke, die das Gewerbegebiet Weilimdorf, den Stadtteil Hausen sowie das Gewerbegebiet Ditzingen (Landkreis Ludwigsburg) erschließt.
Das zuständige Regierungspräsidium Stuttgart (RP) hat dazu nun den sogenannten Erörterungstermin angesetzt. Der gehört zu dem Verfahren, an dessen Ende die Planfeststellung, also die Baugenehmigung steht. Angesetzt ist der Termin am Mittwoch, 14. Januar, ab 9.30 Uhr im Stuttgarter Rathaus. Sollte es etwas länger dauern, wird die Veranstaltung am Donnerstag, 15. Januar, fortgesetzt.
Die geplante neue Stadtbahnstrecke im Nordwesten von Stuttgart Foto: Yann Lange/
Ob Interessierte dort vor verschlossenen Türen stehen werden, zeigt sich erst kurzfristig. Ob die Öffentlichkeit zugelassen werde, entscheide sich zu Beginn der Sitzung, so eine Behörden-Sprecherin auf Anfrage. Auch wenn das Vorhaben in die bisher vor allem landwirtschaftlich genutzten Flächen im Nordwesten von Stuttgart eingreift und Umweltverbände die Trassenwahl kritisierten, sind die Vorbehalte offenbar überschaubar. Es seien „knapp 30 private Einwendungen“ gegen den Plan eingegangen, so die Behördensprecherin. 35 Stellungnahmen stammen von den sogenannten Trägern öffentlicher Belange. Dahinter verbergen sich etwa Behörden von Stadt- und Kreisverwaltungen, Energieunternehmen, deren Leitungsnetze betroffen sein könnten, aber auch die Rettungsdienste und Feuerwehr. Im Sommer 2024 konnten sie und auch betroffene Privatpersonen ihre Einwendungen vorbringen.
Knapp fünf Kilometer neue Stadtbahnstrecke
Die SSB planen eine knapp fünf Kilometer lange Neubaustrecke. Sie beginnt kurz nach der heute von den Stadtbahnlinien U6 und U16 bedienten Haltestelle Rastatter Straße am Rand von Weilimdorf. Nach dem Abzweig muss die neue Strecke die Bundesstraße 295 auf einer Brücke überqueren. Die Trasse verläuft, um die Landschaft zu schonen, im weiteren parallel zu der Straße. An der Kreuzung mit der Gerlinger Straße entsteht die erste Haltestelle, die Ditzinger Straße heißen soll. Der nächste Stopp entsteht an einer existierenden Fußgängerbrücke über die B295 und heißt Weilimdorf Bahnhof. Zu der namensgebenden S-Bahnstation sind es 270 Meter Fußweg, ein Park&Ride-Parkplatz findet sich in 100 Meter Entfernung.
Danach folgt der Abzweig zum Betriebshof, dessen Gestaltung Gegenstand eines Architektenwettbewerbs gewesen ist. Angesichts von mittlerweile auf mehr als 200 Millionen Euro gestiegenen Baukosten sinnierte Finanzbürgermeister Thomas Fuhrmann bereits im September 2024 darüber, ob es immer die Luxus-Variante sein müsse – und das wohlgemerkt zu einem Zeitpunkt, wo noch nicht final absehbar war, wie leer die Rathaus-Kassen tatsächlich sind.
SSB-Stadtbahn fährt über Stuttgarts Grenzen hinaus
Während der in der Diskussion stehende Zweckbau den SSB hilft, den Betrieb effizienter zu gestalten und die wachsende Stadtbahnflotte angemessen zu bewirtschaften, haben die Fahrgäste etwas mehr von der sich anschließenden Haltestelle Hausen, die den gleichnamigen, mehr als 3000 Einwohner zählenden Stadtteil erschließt. Der wird bislang nur von der Buslinie 90 angefahren. Vorübergehend könnte dort die Endhaltestelle sein, denn der Weiterbau über die Gemarkungsgrenze wird sich länger ziehen. Nach Unterquerung der Autobahn 81 sind dort drei weitere Haltestellen geplant, die vor allem der Erschließung des dortigen Gewerbegebietes dienen, Sitz so namhafter Unternehmen wie Trumpf, Thales und Hitachi.
Zuletzt war man bei den SSB davon ausgegangen, dass erste vorbereitende Arbeiten im Jahr 2026 ausgeführt werden können, ehe es 2027 richtig los geht. 2030 könnten dann erste Bahnen rollen. Zuletzt war das Vorhaben auf 440 Millionen Euro taxiert.