SSB Stuttgarter Stadtbahn U 6 startet zum Flughafen

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Exklusiv Ende 2017 sollen die ersten Züge am Stuttgarter Airport halten. Mit mehr als 20 Millionen Euro übernehmen die SSB zunächst den größten Teil der kommunalen Finanzierung. Auch der Ausbau der S-Bahn S 2 bis nach Neuhausen ist gesichert.

In vier Jahren soll die U 6 vom Europaplatz im Stadtteil Fasanenhof in wenigen Minuten den Flughafen erreichen. Foto: FACTUM-WEISE
In vier Jahren soll die U 6 vom Europaplatz im Stadtteil Fasanenhof in wenigen Minuten den Flughafen erreichen. Foto: FACTUM-WEISE

Stuttgart - Die Stadtbahnlinie U 6 ist auf Kurs zum Stuttgarter Flughafen. Ende 2017 sollen dort die ersten Züge ankommen. Das Land, die Stadt und die SSB sowie der Landkreis Esslingen und die Stadt Leinfelden-Echterdingen haben sich nach schwierigen Verhandlungen über die Finanzierung der rund 70 Millionen Euro teuren Stadtbahnstrecke zum Flughafen geeinigt. Damit ist auch der Weg für den Ausbau der S-Bahnlinie S 2 bis Neuhausen und der Stadtbahnlinie U 5 in Leinfelden-Echterdingen frei, da alle Projekte fördermäßig miteinander verknüpft sind.

„Wir sind jetzt in der Lage, in die Gremien zu gehen“, bestätigte SSB-Technikvorstand Wolfgang Arnold am Mittwoch auf Anfrage. Die Finanzierung sei zwischen allen Beteiligten geklärt, die Gremien müssten dem Konzept aber noch zustimmen. Der SSB-Aufsichtsrat behandelt das Thema am 24. September. „Ich rechne mit einer Zustimmung für die Verlängerung der U 6“, sagt Arnold.

Die SSB übernimmt mit 22 Millionen größten Teil der Kosten

Rund 60 Prozent der Kosten der etwa drei Kilometer langen Neubaustrecke werden vom Bund getragen. Von den kommunalen Geldgebern stemmen die SSB als Tochterunternehmen der Landeshauptstadt mit mehr als 22 Millionen Euro den größten Teil der Finanzierung. So muss Leinfelden-Echterdingen zunächst nur eine Million Euro in die ­U-6-Kasse legen.

„Den Rest von 2,6 Millionen Euro finanzieren die SSB mit ihren Beitrag vor“, erklärt Arnold. Erst nach der Erschließung des Gewerbeparks Echterdingen-Ost fließe das Geld zurück. Es gilt allerdings als fraglich, wann das von der Filderkommune und Stuttgart geplante Gewerbegebiet südwestlich der Messe eröffnet wird. Weitere zehn Millionen Euro sollen langfristig durch Werbeverträge an Haltestellen und in Stadtbahnen wieder in die SSB-Kasse zurückfließen.

Verlauf der U-6-Trasse steht bereits weitgehend fest

Der Landkreis Esslingen und das Land beteiligen sich 8,2 und acht Millionen Euro an dem Stadtbahnprojekt zum Flughafen. Damit liegt das finanzielle Engagement des Landes um 4,8 Millionen Euro unter dem üblichen Förderanteil von 20 Prozent.

„Diese knapp fünf Millionen Euro übernehmen ebenfalls die SSB und die Stadt“, bestätigt Arnold. „Die Anbindung des Flughafens an das städtische Nahverkehrsnetz ist ein sehr wichtiger Schritt zu einer nachhaltigen Mobilität.“ Durch die Verlängerung der Stadtbahn zum Flughafen ergäben sich auf den Fildern viele neue Nahverkehrsverknüpfungen.

Der Verlauf der U 6-Trasse zum Flughafen steht bereits weitgehend fest. Die Züge sollen von der heutigen Endstation im Gewerbegebiet Fasanenhof-Ost aus zunächst die A 8 auf einer Brücke überqueren. Dann rollen sie auf der nahe an der B 27 liegenden Trasse zur etwa drei Kilometer entfernten Endhaltestelle auf dem Flughafen. Die Endstation liege wegen der noch offenen Gestaltung des Filderbahnhofs noch nicht genau fest, so Arnold. Außerdem wolle man die Streckenführung überarbeiten, um Äcker auf den Fildern zu schonen.

Die Stadtbahn soll in vier Jahren zum Flughafen fahren

„Ende 2017 kann die Stadtbahn dann bis zum Flughafen fahren“, hofft Arnold. Da die SSB bereits auf eigenes Risiko an dem Projekt gearbeitet hätten, könne das planungsrechtliche Verfahren Anfang des nächsten Jahres beginnen. Im ersten Halbjahr 2015 könne man schließlich mit dem Planfeststellungsbeschluss rechnen. „Dann müssen wir nur noch gut zwei Jahre bauen“, erläutert Arnold. Damit sei sichergestellt, dass es noch Bundeszuschüsse aus den so genannten GVFG-Mitteln gebe, die 2019 ausliefen.

Neben der neuen Stadtbahnstrecke werden die SSB auch die knapp vier Kilometer lange S-Bahn-Trasse von Bernhausen nach Neuhausen bis 2018 planen und bauen. „Das ist aber kein Signal, dass die SSB künftig in fremden Revieren wildern“, so Arnold.

„Wir sind bei Erweiterungen nicht immer auf die Bahn angewiesen“, sagt Jürgen Wurmthaler, Verkehrsdirektor des Verbands Region Stuttgart. Die SSB seien ein erfahrenes Unternehmen. „Die Verlängerungen der S 2 und der U 6 ist für den regionalen Nahverkehr ein erfreulicher und wesentlicher Schritt nach vorn.“ Wurmthaler hofft, dass die S-Bahn noch vor 2019 bis nach Neuhausen fährt. Der Bau sei allerdings technisch besonders schwierig, weil die Trasse unter Bernhausen wieder nach oben geführt werden müsse.

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