St. Agnes in Stuttgart Umweltschutz fängt in der Schule an

Von Josefin Hessel 

Schülerinnen des Stuttgarter St.-Agnes-Gymnasiums reduzieren eine Woche lang kollektiv ihren Müll.

Laura Stern, Friederike Schloe und Tabea Kury sortieren Kleidung. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Laura Stern, Friederike Schloe und Tabea Kury sortieren Kleidung. Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

S-Mitte - Ein Vorurteil hält sich hartnäckig: Jugendliche gehen protestieren, aber sie ändern ihre umweltschädlichen Gewohnheiten im Alltag nicht. Vor allem Gegner der Fridays-for-Future-Schülerdemos behaupten das. Die Aktion des Mädchengymnasiums Sankt Agnes im Hospitalviertel ist ein gutes Gegenbeispiel dafür. Im Rahmen der „Zero-Waste-Week“ steht die ganze Schule diese Woche im Zeichen der Müllvermeidung.

Die Schülermitverantwortung (SMV) hat zum Thema Nachhaltigkeit ein Unterkommitee gegründet. Diesem gehören laut Schwester Inna Franziska, der Verbindungslehrerin, ungefähr zwölf Schülerinnen an. Nachdem die Pariser Klimakonferenz ausführlich im Unterricht behandelt worden war, hatten sie sich mit den ökologischen Komponenten in ihrer Schule beschäftigt. Als dann die Müllcontaineranlage im Schulhof erweitert werden sollte, kam die Idee für die Aktion zur Müllvermeidung.

Upcycling-Workshops und Kleidertauschbörse

Am wichtigsten ist den Schülerinnen des Nachhaltigkeitskommitees, dass das Bewusstsein für die weit verbreitete Wegwerfmentalität gefördert und ein breiter Diskurs in der Schüler- und Lehrerschaft angeregt wird. Dies wird in den Vorträgen von Greenpeace-Vertretern aus Stuttgart aufgegriffen. Zudem ergänzen Upcycling-Workshops und eine Kleidertauschbörse das Programm.

„Der größte Anteil des Mülls in der Schule sind Verpackungen von Essen“, sagt Laura Stern (14) und ergänzt: „Viele von uns holen sich in den umliegenden Bäckereien und Cafés ihr Mittagessen. Aber vor einiger Zeit haben ein paar Schülerinnen entdeckt, das manche Lokale das sogenannte Recircle-System verwenden.“ Soll heißen: Für zehn Euro Leihgebühr gibt es eine wiederverwendbare Box zum Mitnehmen. Leider, so Friederike Schloe (16), sei es noch nicht die Mehrheit, die das Angebot nutze: „Durch unsere Aktion werden es hoffentlich bald mehr sein.“

Das Projekt stößt im St. Agnes auf Zuspruch. Die Schülerinnen äußern sich überwiegend positiv zur „Zero-Waste-Week“. Sie haben viele neue Möglichkeiten kennengelernt, wie sie ökologisch nachhaltig konsumieren können. Angefangen vom eigenen Beutel beim Einkaufen bis hin zu Bambuszahnbürsten, Code-Check-Apps sowie Shampoos und Cremes aus Eigenproduktion. Die Schülerinnen bemerken sogar erste Veränderungen in ihrer Wahrnehmung. „Mir ist mir jetzt bewusst, wenn ich etwas in den Müll werfe“, sagt Emmi Reichle (16).

Schwester Inna Franziska bestätigt den Bewusstseinswandel. Sie hofft indes, dass sich das Verhalten verfestigt und die Woche einen Start in einen nachhaltigeren Alltag darstellt.

Lob von der Schulleiterin

Auch Schulleiterin Marietta Steidle-Rieger findet es richtig, dass die Schülerinnen sich engagieren: „Wir können hier im Umfeld etwas beitragen und müssen nicht bei allem auf die Politik warten.“ Das passe zum Konzept der Mädchenschule. Als eine der ersten Schulen, die sich in Stuttgart für fairen Handel eingesetzt haben, veranstaltet das St. Agnes regelmäßig Projekte mit dem Schwerpunkt nachhaltiges Leben und Wirtschaften. In den vergangenen Jahren zu den Themen Lebensmittelverschwendung und Wasserverbrauch. Außerdem betreibt eine Schüler-AG einen kleinen Laden, in dem nur Fair-Trade-Produkte angeboten werden.

Wie die Dinge liegen, gehen die Schülerinnen des St. Agnes nicht nur zu den Fridays-for-Future-Demos, sondern engagieren sich auch im nahen Umfeld für einen besseren Umgang mit Mensch und Natur.

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