St. Peter in Bad Cannstatt wird abgerissen Spezielle Bruchstellen bereiten schlaflose Nächte

Von Georg Linsenmann 

Das katholische Gotteshaus St. Peter in Bad Cannstatt ist marode und wird abgerissen. Am 8. Mai ist der letzte Gottesdienst, im Herbst startet der Bau eines neuen Gemeindezentrums. Nun gilt es, das Kreuzweg-Mosaik für die neue Kirche zu bewahren.

Die Restauratorin Bärbel Dieruff  und Pfarrer Martin Kneer vor dem Kreuzweg. Foto: Linsenmann
Die Restauratorin Bärbel Dieruff und Pfarrer Martin Kneer vor dem Kreuzweg. Foto: Linsenmann

Bad Cannstatt - Die Tage von St. Peter sind gezählt. Am 8. Mai findet mit dem letzten Gottesdienst die Profanierung des katholischen Gotteshauses statt, womit der einst mit kühner Geste entworfene, 1972 eingeweihte Betonbau für die Abrissbirne freigegeben ist. Im Herbst wird dann mit dem Bau eines neuen Gemeindezentrums begonnen, das Kirche, Gemeinderäume und eine von zwei auf vier Gruppen erweiterte Kindertagesstätte zusammenfassen wird. Auf sechs Millionen Euro sind die Investitionskosten veranschlagt. Ein Teil davon wird durch den Verkauf einer zum Areal gehörenden Fläche an die Stiftung Liebenau finanziert. So entsteht in unmittelbarer Nachbarschaft ein Gebäude mit Wohnplätzen für Behinderte.

Der zum Abriss bestimmten Kirche weint Pfarrer Martin Kneer keine Träne nach. Auf zwei Seiten hat er die „Fehlstellen“ des Baus zusammengefasst, und vor Ort zeigt er auf kleine, dunkle Brösel, die sich auf der weißen Altardecke verteilen: „Es rieselt wie Ruß von der Decke“, stellt Kneer fest. Das Dach war trotz mehrerer Versuche nicht dicht zu bekommen, die Feuchtigkeit dringt bis in den Gemeindesaal unterm Kirchenboden. Und unerbittlich sind Kälte und Zugluft, die Kerze vor der Madonna brennt nicht lot-, sondern waagrecht: „Die Umstände hier beeinträchtigen sogar unsere Pastorale.“ Und selbst bei einer Sanierung, auf knapp zwei Millionen Euro veranschlagt, wären nicht alle Probleme lösbar gewesen. Auch nicht das Problem der eminent hohen Heizkosten. Mal abgesehen davon, dass sich auf den Kirchenbänken mit Platz für 450 Gläubige nur noch selten eine dreistellige Zahl an Kirchenbesuchern verliert.

Der Kreuzweg soll erhalten bleiben

Den „Abschied von St. Peter“, so Kneer, habe die Gemeinde „in einem langen Prozess“ vollzogen. Noch nicht geklärt ist allerdings die Frage, wo der an der Südwand befindliche, 10,50 Meter lange und bis zu 1,95 Meter hohe Kreuzweg in den neuen Räumlichkeiten Platz finden kann. Eine Frage, die die Gemeinde sehr beschäftigt, wie auch die große Schar der Interessierten zeigte, die sich am 7. Februar zu einer Besprechung vor Ort einfand.

„Für mich ist klar, dass dieser Kreuzweg als Kunstwerk komplett erhalten bleiben muss“, sagt das Gemeindemitglied Renate Schad. Schwer vorstellbar ist für sie auch, dass der Kreuzweg „in profaner Umgebung auf dem Flur zum neuen Pfarrbüro platziert sein soll“. Ähnlich sieht das Berta Singer: „Zur Not sollte man den Kreuzweg in der neuen Kirche anbringen, auch wenn er da verkehrt herum zu sehen wäre.“

Schiefer ist wie Blätterteig

Eine Wertschätzung, die Bärbel Dieruff unterstreicht: „Sie haben hier einen echten Schatz, etwas ganz Außergewöhnliches“, betont die Stuttgarter Restauratorin. Als Beispiel führt sie etwa einen länglichen, leicht geschwungenen Glimmer im Gewand des Auferstandenen an, der wie vom Winde bewegt wirkt: „Das muss man erst mal hinbekommen mit Stein, das ist insgesamt unglaublich expressiv“, sagt Dieruff, die auch schon in der Hagia Sophia in Istanbul Mosaiken saniert hat.

Die Begegnung mit dem Kreuzweg in St. Peter, den der 2006 verstorbene Künstler Josef de Ponte als geschlossenes Band aus verschiedenen Gesteinsarten und farbigem Glas ausgeführt hatte, war für die Restauratorin „Liebe auf den ersten Blick“. Nun aber bereitet ihr das Werk schlaflose Nächte: „Vor allem das Schlierenglas bricht sehr leicht, und Schiefer ist wie Blätterteig.“ Aus rund 8000 Einzelstücken besteht das Werk; in einer Probephase hat Dieruff mit zwei Kollegen erste Teilbereich gelöst. Das Ergebnis: „Ein bis zwei Prozent der Steine brechen. Das ist eine Rosskur für das Werk. Aber wir können das so restaurieren, dass der Gesamteindruck erhalten bleibt.“

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